'Preußen', 'Tannenberg', 'Danzig' ... wie sie untergingen.

Untergang von Flüchtlingsschiffen.

'Preußen', 'Tannenberg', 'Danzig' ... wie sie untergingen.

Beitragvon -sd- » 26.09.2021, 10:35

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Wie sie unterergingen ... 'Preußen', 'Tannenberg' und 'Hansestadt Danzig'.
Am 9. Juli 1941 in einem schwedischen Minenfeld innerhalb von 45 Minuten gesunken.


Schwedische Zeitungen berichteten in diesen Tagen, dass eine schwedische Bergungsgesellschaft mit
Hilfe deutscher Fachleute drei deutsche Schiffe, die vor zehn Jahren bei einer Geleitzugkatastrophe
in der Ostsee östlich von der schwedischen Insel Öland gesunken sind, heben und verschrotten lassen
will.

Hinter dieser Notiz steht eine Schiffskatastrophe, die uns Ostpreußen besonders angeht, handelt es
sich doch bei den dort gesunkenen drei Schiffen, die man jetzt heben will, um die uns so gut bekannten
Schiffe des Seedienstes Ostpreußen, nämlich um die 'Tannenberg' die 'Preußen' und die 'Hansestadt
Danzig'. Schon während des Krieges war hier und da gerüchtweise von dem Untergang dieser drei
Schiffe zu hören, aber der deutschen Öffentlichkeit wurde er nicht bekannt, und auch in den Nach-
kriegsjahren ist davon nicht berichtet worden.

Auf Grund der in diesen Tagen verbreiteten kurzen Nachricht aus Stockholm haben wir versucht, Näheres
über diese Katastrophe zu erfahren, und wir sind jetzt in der Lage, insbesondere durch die freundliche
Hilfe des Korrespondenten von 'Stockholms Tidningen' für die Bundesrepublik, Herrn Jäderland, Einzel-
heiten über den Hergang des Unglücks zu bringen.

Die Katastrophe spielte sich östlich der südlichen Spitze der schwedischen Insel Öland ab. Die drei
Schiffe des Seedienstes Ostpreußen waren bei Ausbruch des Krieges in den Dienst der Kriegsmarine
gestellt worden. Sie wurden zusammen mit anderen Bäderdampfern in einen Minenschiffsverband
zusammengefaßt und mit Minenlegen und verschiedenen Überwachungs- und Transportaufgaben,
besonders in der Ostsee, betraut. Bei Beginn des Krieges mit der Sowjetunion wurden die 'Tannenberg',
die 'Preußen' und die 'Hansestadt Danzig' in der östlichen Ostsee eingesetzt. Am Mittwoch, 9. Juli 1941,
kehrten sie von einer Fahrt nach Finnland nach einem deutschen Hafen zurück. Nach einer Lesart
hatten sie eine Versorgungsfahrt nach Helsingfors durchgeführt, nach einer anderen wiederum im
Finnischen Meerbusen Minen gelegt. Auf dieser Rückfahrt nun gerieten sie an dem genannten Tage
etwa um 6 Uhr nachmittags in ein von den Schweden gelegtes Minenfeld. Die Lage dieses Minenfelds
war von Schweden bekanntgegeben worden, und auch unmittelbar vor dem Einfahren in das Minenfeld
wurde der deutsche Verband — die drei Schiffe des Seedienstes wurden als Geleitzug von Kriegsfahr-
zeugen begleitet — von einem schwedischen Wachboot gewarnt. Durch ein Versehen war die für die
Führung des deutschen Verbands so überaus wichtige Meldung von dem Vorhandensein dieses Minen-
felds nicht übermittelt worden. Der Navigationsoffizier des Verbands auf der 'Tannenberg' hatte
keinerlei Nachrichten von dem Oberkommando der Kriegsmarine erhalten, und so glaubte man, als
das schwedische Wachboot warnte, bei der Führung des Verbands an eine Irreführung und behielt
den gefährlichen Kurs bei.

Die 'Preußen' lief zuerst auf eine Mine. Sie erhielt ein Leck im Hilfsmaschinenraum. Da daraufhin das
Schott zu dem daneben liegenden Heizerwohndecks brach, sackte das Vorschiff ab und lag bald ganz
unter Wasser. Wie ein Verwundeter, der später in Schweden gelandet wurde, dort berichtete, trat die
Mannschaft auf Deck an und verließ nach einem dreifachen „Hurra" dann das Schiff. Die 'Tannenberg'
und die 'Hansestadt Danzig' setzten ihre Fahrt fort, liefen ebenfalls auf Minen auf und versanken.
Die deutschen Minenräumboote und das schwedische Fahrzeug nahmen die Besatzung auf.

Wie groß die Verluste waren, steht einwandfrei nicht fest. Auf den drei Schiffen befanden sich nach
schwedischen Angaben etwa 600 Mann. Die stärksten Verluste hatte naturgemäß das Maschinen-
personal. 24 Schwerverwundete wurden von dem schwedischen Wachfahrzeug nach Kalmar gebracht,
der an der schwedischen Ostküste gegenüber der Insel Öland liegenden Hafenstadt; acht von ihnen
starben. Wie einer dieser Verwundeten aussagte, war nach dem Unglück das Meer stellenweise von
brennendem Öl bedeckt, was die Rettungsarbeiten sehr erschwerte. Als das schwedische Wachfahr-
zeug nach der Fahrt nach Kalmar wieder an die Unglücksstelle zurückkehrte — es war inzwischen
Mitternacht geworden —, hatten sich die deutschen Kriegsfahrzeuge bereits entfernt. Von dem einen
der drei untergegangenen Schiffe waren noch die Mastspitzen zu sehen; an der Stelle, wo die beiden
anderen versunken waren, befanden sich nur noch große Ölflecke.

So hatten die drei schönen Schiffe, die so oft, wenn sie auf dem blauen Wasser der Ostsee dahin-
fuhren, mit weißen Schwänen verglichen worden waren, durch menschliche Unzulänglichkeit ein un-
rühmliches Ende gefunden. Ihr Untergang war ein böses Vorzeichen jener großen Tragödie, die drei,
vier Jahre später mit der härtesten Unerbittlichkeit gerade jene Teile unseres Vaterlands treffen
sollte, zu denen diese drei Schiffe mit den bedeutungsvollen Namen durch viele Jahre hindurch eine
sichere und schöne Verbindung hergestellt hatten.

Schon im Laufe des Kriegs war geplant worden, die wertvollen Schiffe zu bergen, zumal besonders
die 'Tannenberg' recht günstig zu liegen schien. Aber es blieb bei dem Plan. Die Schweden legten
aber damals Drahtgitter über die einzelnen Schiffe, vor allem über die Zugänge zum Schiffsinnern,
damit die Leichen aus dem Innern nicht herausgespült und abgetrieben werden. Jetzt hat der
Schrottmangel eine Bergung dieser Schiffe von neuem aktuell gemacht.

(Landsleute, die Anschriften von geretteten Angehörigen der Besatzung der drei Schiffe kennen,
bitten wir, uns diese mitzuteilen. Die Schriftleitung des Ostpreußenblattes.)

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 5. November 1951

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