Redensarten aus der Neumark.

Redensarten aus der Neumark.

Beitragvon -sd- » 24.01.2023, 14:16

-------------------------------------------------------------------------------------------------

Hol di de Quitz ! Dat di de arge Quitz !

Diese Redensarten sind noch jetzt in der Neumark, namentlich in der Gegend
von Königsberg, gebräuchlich. Die Quitzows beunruhigten auch die Neumark;
denn Jörg von QUITZOW drang 1407 in die Stadt Königsberg (Neumark), raubte
und plünderte, nahm zwei Bürger gefangen, die ihm 50, beziehentlich 100 Schock
Groschen als Lösegeld zahlen mußten. Die Königsberger nahmen dafür mehrere
Berliner Schiffe auf der Oder fort. Der Hochmeister des Deutschen Ordens,
dem damals die Neumark gehörte, schlichtete den Streit zu Marienberg am
25. März 1407.

Quelle: www.operone.de/spruch/671.html


Dat geit in die Quist (Quitz).
Königsberg in der Neumark

Das ist verloren.

Quelle: www.operone.de/spruch/150.html


Es trinkt ein jeder, was er kann; wer austrinkt, fängt von vorne an.

Die jetzt zum Regierungsbezirk Frankfurt a.O., im Kreise Soldin, am Mandel-
Wendelsee liegende kleine brandenburgische Stadt Lippehne gehörte, ehe sie
mit der Neumark verbunden wurde, zu Pommern. In der Zeit, als die Rechts-
pflege noch mit der Verwaltung verbunden war, fanden die Sitzungen des
lippehner Magistrats bei einem Trunke dortigen Doppelbiers statt. Der Stadt-
schreiber schenkte in einen mächtigen Humpen ein und überreichte ihn dem
Bürgermeister, von dem er immer zum nächst ältesten Ratsherrn weiterging.
So war es Jahrhunderte gegangen, als plötzlich dieser schöne Brauch eine
Störung erlitt. Es trat zwischen dem jüngsten und vorjüngsten Ratsherrn
eine Spannung ein, und der letztere glaubte seinen Gegner nicht empfind-
licher kränken zu können, als daß er jeden Humpen stets so weit austrank,
daß für seinen Gegner nur ein schnöder Rest, kaum ein Kuhschluck übrig
blieb. Der in so empfindlicher Weise geschädigte Ratsherr wurde endlich
klagbar. Der lippehner Magistrat selbst war die erste Instanz. Die Sache
nahm mehrere Sitzungen in Anspruch und führte zu dem Urteil, daß jeder so
viel trinken könne, als er wolle. Nach diesem Erkenntnis blieb dem jüngsten
Ratsherrn nur der 'Kuhtrunk' oder die 'Bartneige'. Er appellierte an das
Gericht zu Kollins, als die zweite Instanz. Nach langen Jahren, als ganze
Gebirge von Aktenstößen zusammengeschrieben worden waren, erschien der
Gerichtsdirector aus Kollins endlich mit dem Gerichtsschreiber in Lippehne,
um in einer angesetzten Magistratssitzung das Erkenntnis zu publizieren,
dessen Tenor dahin lautete: Qui bibit ex negas, ex frischibus incipit ille,
den der lippehner Stadtpoet in obiger Weise verstand und übersetzte. Das
Erkenntnis trat sofort in Rechtskraft. Der Humpen wurde gestellt, und man
begann in alter Ordnung zu trinken; und der vorjüngste trank wieder bis
auf wenige Tropfen aus. Da ließ der Bürgermeister aufs Neue füllen, und
reichte selbst den vollen Humpen dem jüngsten Ratsherrn. So trat das re-
formierte Stadtrecht in Lippehne ins Leben. Der vorjüngste Ratsherr fiel
aber infolge dieser Neuerung vom Stuhle und mußte nach Hause getragen
werden. Die Urkunden dieses wichtigen Prozesses sind leider im Jahre
1826 durch den Brand des Gerichtsgebäudes zerstört worden.

Quelle: www.operone.de/spruch/563.html


Dia Schnitter is innen Soamer kên Bier tuo düer
un innen Winter kene Körschte tuo hart.


Schnitter heißen in der Neumark die Leute aus dem Wartebruche,
die während der Ernte auf Accord arbeiten, viel verdienen, aber
auch viel daraufgehen lassen.

Quelle: www.operone.de/spruch/254.html


Sie sind Freunde wie Katz und Ratz.

Es wird aus Königsberg i.d. Neumark von einer Katze berichtet, die sich
an Stelle einiger ihr geraubten Jungen vier junge Ratten gesucht, welche
in gemütlicher Eintracht unter den jungen Katzen lagen und zum Erstaunen
des Besitzers an der alten Katze sogen.

Schlesisches Morgenblatt, Breslau 1864

Quelle: www.operone.de/spruch/943.html


Die hassen sich wie SCHÖNING und BARFUß.

Bei der Belagerung von Ofen im Jahre 1684 durch das deutsche Reichsheer
hatte der Kurfürst von Brandenburg ein Hilfsheer von 8000 Mann gestellt,
das der General Hans Adam von SCHÖNING befehligte. Die eigentliche
Sturmkolonne vor Ofen führte der Untergeneral von BARFUß, der sechs
Jahre älter war, als der vom Glück begünstigtere von SCHÖNING. Dies
war Grund genug zur Bitterkeit und die Grundursache zu Zwisten zwischen
beiden Häusern, deren Besitzungen nicht weit auseinander lagen. Die
Reibereien zwischen beiden Teilen wurden so allgemein besprochen, daß
heute noch in der Gegend von Küstrin das obige Sprichwort lebt.

Quelle: www.operone.de/spruch/278.html


Er ist aus der Art geschlagen, wie jener Kracht.

Von jemandem, der das Maß nicht hat. Die KRACHTE sagten nämlich von
jedem Familiengliede, das unter 6 Fuss maß, es sei aus der Art geschlagen.
Ein Hildebrand von KRACHT war Kommandant von Küstrin.

Quelle: www.operone.de/spruch/467.html

Mitgeteilt von Hans-Dieter Zemke, Kornwestheim.

-------------------------------------------------------------------------------------------------
Benutzeravatar
-sd-
Site Admin
 
Beiträge: 6248
Registriert: 05.01.2007, 16:50

Zurück zu Landschaftsbezogene Sinnsprüche.

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast