Ostern. Ostermorgen.

Ostern. Ostermorgen.

Beitragvon -sd- » 04.03.2022, 13:20

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Ostermorgen.

Die Lerche stieg am Ostermorgen
empor ins klarste Luftgebiet
und schmettert hoch im Blau verborgen
ein freudig Auferstehungslied.
Und wie sie schmetterte, da klangen
es tausend Stimmen nach im Feld:
Wach auf, das Alte ist vergangen,
wach auf, du froh verjüngte Welt !
Wacht auf und rauscht durchs Tal, ihr Bronnen,
und lobt den Herrn mit frohem Schall !
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
ihr grünen Halm und Läuber all !
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
ihr sollt es alle mit verkünden:
Die Lieb ist stärker als der Tod.
Ihr sollt euch all des Heiles freuen,
das über euch ergosssen ward !
Es ist ein inniges Erneuen,
im Bild des Frühlings offenbart.
Was dürr war, grünt im Wehn der Lüfte,
jung wird das Alte fern und nah.
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte -
wacht auf ! Der Ostertag ist da.

Emanuel Geibel (1815-1884)

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Ostern.
Von Toni Schawaller

Es war ja nur ein Finkenschlag,
Nur einer Lerche Lieder,
Die mich geweckt am Ostertag.
Da wurd' die Sehnsucht in mir wach,
Ich sah die Heimat wieder.

Den Weidenbaum sah ich am Teich,
Mit Palmen weiß behangen.
Wie oft bin ich den Wiesensteig,
Umweht vom Morgenwinde weich,
Am Ostertag gegangen.

Ich sah ein Wasser silberhell,
Von Erlen halb verborgen.
Leis' schritt ich hin zu diesem Quell,
Schöpft Osterwasser vom Gefäll
Am heil'gen Ostermorgen.

Vorbei ging ich am Birkenhang,
Die ersten Lerchen sangen,
Es klang die weite Trift entlang,
Leis' wiegten sich die Birken rank.
Stumm bin ich heimgegangen

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Im Osterwehn.
Von Walter Scheffler

Im frischen Wind das weite, kahle Land,
vom Pflug zerwühlte feuchte Ackererde —
Ein silbrig Dämmern aus der Wolke Wand
und rings ein Warten, daß es Frühling werde.

Bei dunklem Braun der Wintersaaten Grün,
dazwischen stiller Teiche Augen quellen —
Ein Schwarm von Vögeln, die von Süd her ziehn
zu jener Wälder blauen Wipfelwellen.

Zu weißer Glut zerschmilzt der Wolke Blei,
ein goldig Jubellicht erfüllt die Leere,
und stark wie Schöpferatem wandert frei
ins junge Land der Salzgeruch vom Meere . . .

Was dir auch Gutes in der Fremde ward —
Wenn hier das Land erwacht im Osterwehen,
dein Herz geht dorthin wo die Heimat harrt
auf einen Osterruf zum Neuerstehen.

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