So fiel Königsberg / Ein authentischer Bericht.

So fiel Königsberg / Ein authentischer Bericht.

Beitragvon -sd- » 26.02.2020, 11:17

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Otto Lasch
'So fiel Königsberg. Kampf und Untergang von Ostpreußens Hauptstadt.'

Graefe und Unzer Verlag, München.
144 Seiten, 14 Kunstdrucktafeln. Leinen. DM 12,80

ISBN 9783938176191

Mancherlei ist über die Königsberger Tragödie geschrieben worden, Wahrheit hat
sich vermischt mit dichterischer Freiheit. Umso mehr können wir es begrüßen, daß
in diesem vom Verlag würdig ausgestatteten Buche endlich ein wirklich authentischer
Bericht vorliegt. Denn sein Verfasser ist der letzte Kommandant von Königsberg, der
erst im Herbst 1955 aus russischer Gefangenschaft heimgekehrte General Otto Lasch,
vielen schon vor dem Kriege bekannt durch seine lange Garnisonzeit in Ostpreußen.
Sein Werk kann fraglos als kriegsgeschichtliche Quelle gelten, es ist sachlich, aber
überall mit menschlicher Wärme geschrieben und mit wohltuender Liebe zu Königs-
berg und zu Ostpreußen mit seinen Menschen. Zahlreiche, zum Teil noch unbekannte
Bilder beleben die Darstellung, und besonders sei erwähnt, daß die Karten — leider
so oft ein Stiefkind derartiger Veröffentlichungen — hier in außerordentlich klarer,
fachmännischer Weise ausgeführt sind durch einen Mitkämpfer, den als ostpreußischer
Kriegsgeschichtler bekannten Oberbaurat und Major der Reserve Kurt Dieckert.

Nicht ohne innere Bewegung wird man das Buch lesen können. Von vornherein geht es
auf höheren Befehl um die Verteidigung eines verlorenen Postens, um eine Festung,
die längst keine mehr ist. Umso erstaunlicher erscheint, was diese, mit Ausnahme
einiger an Zahl schwacher ostpreußischer Regimenter fast nur zusammengewürfelte,
immer an Munitionsmangel leidende Truppe mit ihren kärglichen Verteidigungsmitteln
in wochenlangen heroischen Winterkämpfen leistete: 35.000 Mann gegen mehr als
250.000, nur zwei Panzer gegenüber hundert russischen, kaum ein einziges Flugzeug
gegen ein Drittel der gesamten sowjetischen Luftflotte, ganz zu schweigen von der
überwältigenden artilleristischen Überlegenheit. Trotzdem wurde Königsberg vom
Beginn des Angriffs am 26. Januar bis zum 9. April gehalten, wobei der russische
Würgegriff mit einer kurzen Ausnahme im Februar von Tag zu Tag immer drückender
wurde. Viel hätte nicht gefehlt, so wäre der Russe bereits am 28. Januar mitten in
die Stadt hineingestoßen. Von einer durchgehenden Hauptkampflinie konnte bald
fast auf keiner Front mehr die Rede sein, die Verteidigung mußte sich auf einzelne
Stützpunkte beschränken, bis dann zuletzt, vom 6. bis 9. April, als nur noch Teile
vom Sackheim, vom Rosengarten, vom Tragheim, Schloß und Steindamm in deut-
scher Hand waren, vier Tage lang nur noch gekämpft wurde um Häuserblocks und
einzelne Häuser.

Wie aus General Laschs Bericht klar hervorgeht, hätte sich vieles, vor allem der
rechtzeitige Abtransport von 130.000 Einwohnern, ganz anders gestaltet, wenn es
allein nach dem Willen der militärischen Dienststellen gegangen wäre und wenn
nicht Hitler, dauernd beeinflußt durch prahlerische Meldungen der Gauleitung,
immer wieder bestanden hätte auf den nutzlos gewordenen "Kampf um jeden
Fußbreit Bodens" — zu einer Zeit, wo schon fast kein Boden mehr zu verteidigen
war. Da nun am 9. April die Lage völlig hoffnungslos geworden war und da auch
Königsberg angesichts des bereits im Herzen Deutschlands stehenden Gegners vom
strategischen Standpunkt aus keinerlei Bedeutung mehr hatte, schloß General Lasch
die Kapitulation ab, um das wenige zu retten, was noch zu retten war. Hitler ließ
ihn dafür in Abwesenheit zum Tode verurteilen und seine Familie in Sippenhaft
nehmen — nur mit knapper Not entgingen seine Töchter dem Tode. Gauleiter und
Reichsverteidigungskommissar Koch, hatte es vorgezogen, schon am 26. Januar
mit seinem Anhang die gefährdete Stadt zu verlassen, um seinen Mut von Neutief
aus durch Funksprüche an Hitler zu beweisen.

Es ist im Übrigen ein Buch, das nicht nur dem Soldaten ein Denkmal setzt, sondern
nicht minder der tapferen Königsberger Bevölkerung, die bei allem Unheil nie den
Mut sinken ließ. Dr. Gr.

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, November 1958

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