Familienbibel - Bibliophile Kostbarkeit.

Familienbibel - Bibliophile Kostbarkeit.

Beitragvon -sd- » 19.07.2022, 10:12

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Familienbibel als letzter Besitz.

Nach einer Presse-Meldung besitzt die Familie Wenghofer in Bad Pyrmont eine
Bibel, die vor dreihundert Jahren in Augsburg gedruckt wurde. Die Wenghofers
kamen zu dieser Zeit aus Salzburg nach Ostpreußen. Die Heilige Schrift, in Holz
und Leder gefaßt, mit 600 wertvollen, etwa 40 Zentimeter hohen Blättern,
bildete damals den einzigen kostbaren Familienbesitz. Das Schicksal aber wollte
es, daß eben diese Bibel die Geschichte der Familie Wenghofer durch die Gene-
rationen hindurch widerspiegelt. 1757 überfielen die Russen das kleine Dörfchen,
in dem die Exulanten seßhaft geworden waren und ein Wenghofer wurde von
einer Kosakenlanze durchbohrt, als er das Familienheiligtum vor dem Zugriff
der Feinde retten wollte. Die Häuser gingen in Flammen auf. 1807 waren es zur
Abwechslung die Franzosen, die alles Hab und Gut der Wenghofers vernichteten.
Dann wiederum kam die große „Wassernot" - und alle Ereignisse wurden von
einem Wenghofer fein säuberlich auf einigen Seiten der Bibel eingetragen. 1914
fliehen die Wenghofers vor den Russen nach Berlin und 1945 ziehen wiederum
Wenghofers fast auf dem gleichen Wege zur Reichshauptstadt. Bei Potsdam
wurden die Trecks überholt und - ausgeplündert. Die Bibel flog in eine Ecke.
Zum letzten Male drohte der Verlust an der Zonengrenze, aber dann hatten die
Wenghofers dennoch Glück und so blieb ihnen die Heilige Schrift erhalten, die
ihnen naturgemäß mehr ist, als nur eine bibliophile Kostbarkeit.

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, April 1953

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