Friedrich der Große (1712-1786) und Westpreußen.

Friedrich der Große (1712-1786) und Westpreußen.

Beitragvon -sd- » 05.09.2022, 10:24

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Friedrich der Große und Westpreußen.
Ein Blatt aus dem Buch der Geschichte / Geschrieben von Gustav Freytag.

Im Jahre 1772 vereinigte Friedrich II. Westpreußen mit dem preußischen Staate. Die Mehrzahl
des Landvolks lebte damals in Zuständen, welche den Beamten des Königs jämmerlich erschien,
zumal an der Grenze Pommerns, wo die wendischen Kassuben saßen. Wer sich dort einem Dorf
nahte, der sah graue Hütten und zerrissene Strohdächer auf kahler Fläche, ohne einen Baum,
ohne einen Garten — nur die Sauerkirschbäume waren altheimisch. Die Häuser waren aus
hölzernen Sprossen gebaut, mit Lehm ausgeklebt, durch die Haustür trat man in die Stube mit
großem Herd ohne Schornstein. Stubenöfen waren unbekannt, selten wurde ein Licht angezün-
det, nur der Kienspan erhellte das Dunkel der Stube.

Wer einen Brief befördern wollte, mußte einen besonderen Boten schicken, denn es gab keine
Post im Lande; freilich fühlte man in den Dörfern auch nicht das Bedürfnis danach, denn ein
großer Teil der Edelleute konnte so wenig lesen und schreiben wie die Bauern. Wer erkrankte,
fand keine Hilfe als die Geheimmittel der alten Dorffrau.

Brachen die Pocken aus, kam eine ansteckende Krankheit ins Land, dann sahen die Leute die
weiße Gestalt der Pest durch die Luft fliegen und sich auf ihren Hütten niederlassen; sie wußten,
was solche Gestalt bedeutete, es war eine Verödung ihrer Hütten, Untergang ganzer Gemeinden.

Es gab kaum eine Rechtspflege im Lande, nur die größeren Städte bewahrten unkräftige Gerichte;
der Edelmann, der Starost verfügten mit schrankenloser Willkür ihre Strafen, sie schlugen und
warfen in scheußliche Kerker nicht nur den Bauern, auch den Bürger der Landstädte, der unter
ihnen saß oder in ihre Hände fiel. In den Händeln, die sie untereinander hatten, kämpften sie
durch Bestechungen bei den Gerichtshöfen, die sie aburteilen durften. In den letzten Jahren
hatte auch das fast aufgehört, sie suchten ihre Rache auf eigene Faust durch Überfall und blu-
tige Hiebe.

Es war in der Tat ein verlassenes Land, ohne Zucht, ohne Gesetz, ohne Herzen; es war eine Ein-
öde, auf 600 Quadratmeilen wohnten 500.000 Menschen, nicht 850 auf der Meile. Und wie eine
herrenlose Einöde behandelte der Preußenkönig seinen Erwerb, fast nach Belieben setzte er
sich die Grenzsteine. Westpreußen wurde, wie bis dahin Schlesien, sein Lieblingskind, das er mit
unendlicher Sorge wusch und bürstete, neu kleidete, zur Schule und Ordnung zwang und immer
im Auge behielt. Er warf eine beste Schar seiner besten Beamten in die Wildnis; wieder wurden
die Landschaften in Kreise geteilt, jeder Kreis mit einem Landrat, einem Gericht, mit Post und
Sanitätspolizei versehen. Eine Kompanie von 187 Schullehrern wurde in das Land geführt.
Im ersten Jahre nach der Besitznahme wurde der große Kanal gegraben, welcher in einem Lauf
von drei Meilen die Weichsel durch die Netze mit der Oder und Elbe verbindet; ein Jahr, nachdem
der König den Befehl erteilt, sah er selbst beladene Oderkähne von 120 Fuß Länge nach dem
Osten zur Weichsel einfahren. Durch die neue Wasserstraße wurden weite Strecken Landes ent-
sumpft und sofort durch neue Kolonisten besetzt. Unablässig trieb der König, er lobte und schalt,
wie groß der Eifer der Beamten war, sie vermochten ihm selten genug zu tun. Dadurch geschah es,
daß in wenig Jahrzehnten das wilde Unkraut gebändigt wurde, daß auch die polnischen Landstriche
sich an die Ordnung des neuen Lebens gewöhnten, und daß Westpreußen sich in den Kriegen seit
1806 fast ebenso preußisch bewährte wie die alten Provinzen.

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, November 1959

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Friedrich II. oder Friedrich der Große, volkstümlich der „Alte Fritz“ genannt,
war ab 1740 König, ab 1772 König von Preußen und ab 1740 Markgraf
von Brandenburg und somit einer der Kurfürsten des Heiligen Römischen Reichs.
Er entstammte der Dynastie der Hohenzollern. Wikipedia
Geboren: 24. Januar 1712, Berlin
Verstorben: 17. August 1786, Schloss Sanssouci, Potsdam
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