Torsaulen- oder Hofnamen.

Schreibvarianten von Familiennamen. Änderungen von Familiennamen. Namensähnlichkeiten. Beispiele.

Torsaulen- oder Hofnamen.

Beitragvon -sd- » 02.03.2023, 17:18

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Immer wieder stolpere ich über Kirchenbucheinträge, aus denen hervor-
geht, daß die Eltern einen Zunamen hatten und dann noch ein genannt
soundso dahinter steht. Bei meinen Ururgroßeltern ist es offensichtlich.
Hier hieß die Frau Twarz und der Mann Nowi, die Kinder nannten sich
dann entweder Twarz oder Nowi. Das ist in der Zeit zwischen 1850-1870
zu finden.

Es gibt jedoch auch Eintragungen, wo es sich mir überhaupt nicht erschließt,
weil ein Name vorkommt, der in der Ahnenreihe nicht zu finden ist.

Hat hier jemand Informationen, wie sich gerade in der Niederlausitz in
und um Werben vor 1850 die Zunamen zusammengesetzt haben ?

In Burg im Spreewald in der Nachbarschaft von Werben habe ich es oft
angetroffen, daß ein Mann nach der Einheirat in einen Hof den Namen
der Braut als Hofnamen weiterführt. Da ist auf den ersten Blick meist
nicht zu erkennen, welcher Name vor "genannt" steht und welcher danach.
Dabei gibt es nicht nur die Form A genannt B, sondern auch Namen wie
Borkow / Twarz, Böttcher / Kokkot oder "Casper oder Smogro". Letztere
haben mit der damals derzeitigen Ehefrau nichts zu tun, sondern sind
früher entstanden.

Hartmut Conrad

-

Wegen TWARZ und NOWI fragst Du vielleicht beim SORBEN-Institut in
Bautzen nach http://www.serbski-institut.de ...

In der Niederlausitz gab es in früheren Jahrhunderten den Brauch der
Torsaulen- oder Hofnamensitte, d. h. der eigentliche Familienname ver-
schwindet zu Gunsten des Hofnamens und kann aber später wieder in
den Kirchenbüchern auftauchen. Dies kann extrem verwirrend sein
wie zum Beispiel im früheren Kreis Sorau / Niederlausitz, heute Zary /
Polen.

Um diese Verwirrungen zu entwirren, müßtest Du aber sämtliche Grund-
besitzer Deines Ortes chronologisch erfassen und Dich auch mit der
Ortsgeschichte beschäftigen ....

Schau auch mal bei Wikipedia wegen Haus- und Hofnamen nach ....

Werner Girke

Hallo Dieter, diesen Text kannst Du gerne benutzen und viel Glück
bei der weiteren Suche. Werner Girke


-

Als Niederlausitzer muß ich Dir leider bestätigen, daß es bei der Eintra-
gung der Familiennamen in den Kirchenbüchern keine Regeln betreffs
der Verwendung der Hofnamen gab, jeder Pfarrer hatte da seine eigene
Methode. In Sielow z.B., ganz in der Nähe von Werben, schrieb der
Pfarrer ... Matthes Nowak, auch Pilan genannt ....
Damit kann man etwas anfangen, aber meistens ergeben sich leider
die von Dir geschilderten Schwierigkeiten.

Fritz Pohl hat in seiner Broschüre 'Gehöft- und Familiennamen
in der Niederlausitz', Cottbus, Verein für Heimatkunde, 1936,
= Familienkundliche Hefte für die Niederlausitz, Heft 1, bereits
auf diese Probleme hingewiesen. Ein Patentrezept, wie man
diesem Namens-Wirrwarr begegnet, habe ich leider auch nicht.

Was die Namen Twarz und Novy angeht - sie sind in unserer Gegend
sehr häufig, Novy gab es schon 1653 in Werben.

Karlheinz Kochan

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Hallo Dieter Sommerfeld, den Text dürfen Sie gern übernehmen.
Karlheinz Kochan
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