Die wolhyniendeutschen Waldkolonien.

Orientierungshilfen zur Vorfahrenssuche in Wolhynien. Möglichkeiten der Familienforschung. Karten und Pläne. Informationen zur Geschichte der Wolhyniendeutschen.

Die wolhyniendeutschen Waldkolonien.

Beitragvon -sd- » 22.08.2021, 10:18

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Die Wolhyniendeutschen / Die Waldkolonien.

Wenn von Wolhyniendeutschen die Rede ist, meint man gewöhnlich jene Gruppe von Deutschen,
die vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg in Wolhynien ansässig waren. Von entschei-
dender Bedeutung für das Deutschtum in Wohlynien waren die Ereignisse der 60er Jahre des
19. Jahrhunderts. In Polen wurde der 2. Aufstand gegen Rußland vorbereitet und es entstand
eine Unruhe unter den dortigen Deutschen, noch mehr als 1831. In Rußland wurde 1862 die Be-
freiung der Bauern von der Leibeigenschaft von Zar Alexander II. durchgeführt. Die Gutsbesitzer
verloren ihre billigen Arbeitskräfte, die Wälder brachten wenig ein, und die Wirtschaft stand vor
dem Ruin. Die einzige Rettung sah man in dem Verkauf und der Verpachtung von Ländereien an
deutsche Kolonisten. Man schickte Scharen von Werber nach Polen und Deutschland, und die
russische Regierung unterstützte diese Aktion. Die Werbung hatte Erfolg, und tausende von
Siedler strömten aus Polen und Deutschland ein. Die meisten kauften das Land zum Preis von
11 bis 16 Rubel für den Hektar, weniger Bemittelte wurden Pächter. Sie ließen sich in der Wolhy-
nischen Polessje der Kreise Shitomir und Nowogradwolynsk nieder und gründeten die sogenannten
Waldkolonien um das spätere Kirchdorf Heimthal. Auch bei Rowno entstand eine Gruppe
neuer Kolonien und in anderen Kreisen ebenfalls.

Bald zeichneten sich folgende Gruppen deutscher Kolonien ab:
1. Nördlich von Shitomir lagen, mit Heimthal als Mittelpunkt, 17 Kolonien.
2. Die zweite Gruppe bildeten die Mutterkolonien Annette und Josephine mit fünf Tochter
siedlungen bei Nowogradwolynsk.
3. Die dritte Gruppe, bestehend aus fünf Siedlungen, lag südlich von dieser.
4. Die vierte Gruppe bestand aus 16 Kolonien im westlichen Teil des Gouvernements
bei Rowno.
5. Zu keiner dieser Gruppen gehörten sechs verstreut liegende Bauerkolonien,
die Industriesiedlung Roshischtsche-Wolnianka und einige andere.

In den 70er Jahren kam die Einwanderung zum Stillstand und die Kolonien vermehrten sich nur
noch durch den Geburtenzuwachs ihrer Bewohner, der aber sehr erheblich war. Als in den Wald-
kolonien eine neue Generation heranwuchs, ging man nord- und ostwärts auf Landsuche, drang
in die Wälder der Wolhynischen Polessje vor und gründete Tochterkolonien im Kiewer Gouver-
nement, das spätere Kirchspiel Radomysl.

Die Bevölkerung stieg 1863 auf 5.684 Bewohner in 45 Kolonien; 1871 auf 28.560 in 139 Kolonien;
1889 auf 102.139. Die Zahl der Kirchen betrug in diesem Jahr dreizehn, die der Bethäuser 191.
Das bedeutete, daß es weit mehr als 200 Kolonien gab. 1904 zählte man 124.000 Seelen in 583
Kolonien; 1914 wurde die Einwohnerzahl der Kolonien auf 200.000 Seelen in 600 Kolonien geschätzt.

In dem wenig entwickelten Land waren die Wolhyniendeutschen ganz auf sich selbst angewiesen.
So bildete sich bei ihnen eine große Handfertigkeit heraus, man wußte sich in allen Lebenslagen
zu helfen. Der Deutsche wurde geschätzt als ein Mensch, dem man vertrauen und von dem man
etwas lernen konnte. Es gab viele Deutsche in Wolhynien, die nicht nur ihre Muttersprache, d.h.
Mundart oder Hochdeutsch, sondern im Umgang auch alle fünf Nachbarsprachen einwandfrei
beherrschten. Die sozialen Verhältnisse in den Kolonien waren bis zuletzt ausgesprochen gesund.
Es gab keine Oberschicht, aber auch kein Proletariat. Die jungen Leute aus den ärmeren Pacht-
kolonien gingen zu den Eigentümern in den Dienst, sparten ihren Lohn und wurden Pächter mit
der Aussicht, einst Herren auf eigener Scholle zu werden. Man darf wohl sagen, daß hier deutsche
Menschen in ihrem “faustischen Drang” sich eine Heimat erschlossen hatten, um “nicht sicher
zwar, doch tätig – frei zu wohnen”.

Kirche und Schule

Die evangelisch-lutherischen Kirchspiele in Wolhynien, Kiew und Podolien.

Die Einwanderer stammten aus den verschiedensten Gegenden des Deutschen Vaterlands, und
es mußten erst zwei Generationen vergehen, bis sich die Gegensätze zwischen “Preußen”,
“Schwaben” und “Kaschuben” ausgeglichen hatten. Auch die kirchlichen Bräuche, Sitten und
Gewohnheiten waren verschieden und es verging eine Zeit, bis sich jener Lebensstil heraus-
bildete, der für die Kolonien fromme Kirchlichkeit und große Sittenstrenge. Das Ehe- und
Familienleben war ohne Tadel. Trunksucht kam so gut wie nicht vor, in den Kolonien gab es
keine Gastwirtschaften. Die geschlechtliche Unberührtheit vor der Ehe war gleich strenges
Gebot wie für junge Mädchen, so auch für junge Männer. Bei aller wirtschaftlichen Fortschritt-
lichkeit der Kolonien blieben ihnen die weltanschaulichen und sozialen Krisen der Zeit erspart.
Ihre Kultur blieb von rein christlich-religiösem Gepräge bis zuletzt. Die Kolonisten gaben ihr
Deutschtum nicht auf, und den Ukrainern war der Übertritt aus der Orthodoxie zu einer ande-
ren Religion verboten. Wenn Fremde versuchten, durch den Kauf eines Hofs in die Kolonie
einzudringen, stießen sie auf Widerstand. Die kirchliche Versorgung der Gemeinden war in
den ersten Jahrzehnten ganz und gar unzureichend. Das zuständige evangelische Pfarramt
war in Shitomir. Zar Alexander I. hatte es erst 1801 als Gouvernementspfarramt für die
kirchliche Betreuung der evangelischen Militär- und Zivilbeamten gestiftet. Der erste Pastor
war Georg Burchhard von Rühl. Auf seinen alljährlichen Dienstreisen besuchte er auch die
Kolonien. Im Jahre 1820 verzeichnete er gelegentlich eines in Annette abgehalteten Gottes-
dienstes die Kommunikanten. Die Wegstrecke, die der Pastor in der Postkutsche zurücklegen
mußte, betrug von Shitomir bis Radsiwilow an der österreichischen Grenze 302 km, einige
Gemeinden im Norden des Gouvernements lagen noch weiter entfernt. Nach der Erledigung
der Amtsgeschäfte pflegte er sich mit den Kolonisten auch über andere Fragen zu unterhalten.
Oft konnte er den Neulingen einen guten Rat erteilen, oder er wußte von neugegründeten
Kolonien zu berichten, die er auf seiner Reise entdeckt hatte. Das Schulwesen lag bis nach
dem Ersten Weltkrieg ganz in der Hand des Pastors. Er prüfte und stellte auch die Lehrer an,
die in seiner Vertretung auch Taufen und Beerdigungen vollzogen, vor allem aber den sonn-
täglichen Lesegottesdienst zu halten hatten. Die Trauungen waren allein dem Geistlichen als
Standesbeamten vorbehalten. Da sich Schulen im schlechten Zustande befanden, ist es zu
verwundern, daß so viel geistig und geistlich reges Leben in den Kolonien zu finden war. Viel
trug dazu bei, daß die Bewohner aus verschiedenen deutschen Gegenden zusammenströmten,
und manche, wenn auch wenig geschulte, so doch geistig sehr begabte Leute mit sich brach-
ten. Es wurden Bücher, namentlich Traktate, Predigten, Missionsschriften sehr gesucht. Das
geistige Leben offenbarte sich in den Andachten, die sonntags und zweimal in der Woche
gehalten wurden. Ein guter geistlicher Fonds war vorhanden, es fehlte nur an gutem Unter-
richt und guten Schulbüchern. Die schulentlassene Jugend versammelte sich an den Winter-
abenden unter der Leitung eines guten Lehrers in einer Art Fortbildungsschule. Um die
Jahrhundertwende, als die Kolonien wirtschaftlich auf einer gewissen Höhe standen, brach
unter der Jugend ein großer Bildungsdrang auf. Nach 7-jährigen Bemühungen wurde endlich
gestattet, in Heimthal eine Lehrerausbildungsanstalt zu gründen, die für die Versorgung der
Kolonien in den Gouvernements Wolhynien, Podolien, Kiew, Poltawa und Tschernigow bestimmt
war. Sie wurde 1904 eröffnet. Aus Heimthal und einigen anderen Kolonien ging eine ganze
Anzahl von Lehrer, Missionaren, Auslandspastoren und anderen hervor. Annette allein stellte
damals einen Lehrer, zwei Oberlehrer, einen Arzt und drei Geistliche.

Sturmzeichen.

Als bald nach der Thronbesteigung Alexander III. im Jahre 1881 bei Hofe eine antideutsche
Strömung an Einfluß gewann, bekamen zuallererst die Deutschen in Wolhynien ihre Aus-
wirkung zu spüren. Die Befreiung von der Wehrpflicht war schon 1871 aufgehoben worden.
Jetzt aber wurde den Kolonisten der Landerwerb erschwert und oft genug untersagt. Die
Schule war zwar immer noch deutsche Kirchenschule, aber sie wurde unter Aufsicht des
russischen Schulinspektors gestellt, und es wurde darauf gedrängt, neben dem deutschen
Lehrer einen russischen Hauptlehrer anstellen zu lassen. Man wollte auch erreichen, daß
die Kolonisten, vor allem der Nachwuchs sich in Kaluga bei Moskau ansiedeln ließe. Man
hoffte, sie dort leichter russifizieren zu können. In einer russischen Presse wurde sogar
behauptet, die Kolonien wären planmäßig vom deutschen Kaiser angelegt, und allein bei
Kremenez säßen weit über 300.000 dieser Spione und Landesverräter. Diese Gehässigkeit
in einem einst so freien Land mit einer so noblen Regierung machte den Kolonisten das
Leben schwer. Viele, namentlich junge Leute, kehrten Rußland den Rücken und wanderten
nach Amerika aus. So kam das Jahr 1905 heran mit der erste Revolution, die eine neue
Verfassung brachte und auch die Kolonisten anfangs aufatmen ließ. Es kam aber schlimmer
als je zuvor, gerade jetzt, als die Kolonien wirtschaftlich gefestigt dastanden. Die wohl be-
deutendste Reform war die von Ministerpräsident Stolypin verfügte Agrarreform. Die
landarmen und landlosen ukrainischen Bauern sollten nach dem Muster der deutschen Kolo-
nien angesiedelt werden. Die zu diesem Zweck geschaffene Agrarbank kaufte von den Guts-
besitzern mit Vorliebe Kolonistenpachtland, das ja nicht erst urbar gemacht werden mußte.
Die betroffenen Kolonisten wurden auf die Straße gesetzt. Das ging so lange, bis Stolypin
einem Attentat zum Opfer fiel.

Der Erste Weltkrieg und die Deportation nach Sibirien.

Im 1. Weltkrieg holte die russische Regierung zum Vernichtungsschlag gegen die deutschen
Kolonien aus. Schon am 2. Februar 1915 erließ Zar Nikolai II. das sogenannte Liquidations-
gesetz, das nur auf die Wolhyniendeutschen Anwendung fand. Nach diesem Gesetz sollte
der gesamte Landbesitz der Kolonisten enteignet werden. Entschädigt sollten die Kolonisten
werden durch besondere Scheine, die aber erst nach 25 Jahren eingelöst werden konnten.
Das zweite Kriegsjahr neigte sich dem Ende zu, und die Lage an der Front war bedrohlich.
Westwolhynien war bereits von deutschen Truppen besetzt. Da kam der Befehl, binnen einer
Woche die Wolhyniendeutschen am 15. Juli 1915 von ihren Höfen zu vertreiben und nach
Sibirien zu deportieren. Der Befehl wurde mit rücksichtsloser Härte durchgeführt. Nur
Familien, deren Vater oder Sohn im Felde standen, durften auf ihren Höfen bleiben.
Ausgesiedelt wurden rund 150.000 Kolonisten, der Rest befand sich schon unter deut-
scher Besatzung. Die Ausgesiedelten bekamen keinerlei Bescheinigungen für ihr Eigentum.
Die schnittreife Ernte durfte nicht verkauft werden, nur einiges Inventar konnte man zu
Schleuderpreisen veräußern, um doch wenigstens etwas Geld auf der Reise zu haben.
Auf die Höfe der Kolonisten wurden ruthenische Bauernfamilien gesetzt, die sie bewirt-
schaften und wohl auch erben sollten. Diese zogen aber zu vier Familien auf einen Hof,
brachen die drei freigewordenen Gehöfte ab und gewannen auf diese Weise trocknes Brenn-
holz, ohne daß sie die Beschwerlichkeit des Holzfällens im Walde oder im Obstgarten auf sich zu
nehmen brauchten. Nach der Revolution gelang es den Kolonisten in den Jahren 1917/18 unter
viel Mühe, nach Wolhynien zurückzufahren. Aber die Pachtkolonien bestanden größtenteils über-
haupt nicht mehr, und viele Pächter wanderten nach Deutschland weiter und wurden dort Land-
arbeiter. Der Menschenverlust infolge der Vertreibung war sehr erheblich. Schon auf dem Trans-
port kamen viele um, noch mehr in Sibirien. Man schätzte die Toten auf nahezu ein Drittel der
Vertriebenen.

Das geteilte Wolhynien

Nach dem Abzug der deutschen Truppen 1918 führte Polen in Wolhynien Krieg mit den Bolsche-
wiken, der 1920 mit dem Frieden von Riga endete. Wolhynien wurde in zwei Teile, das westliche
Polnisch-Wolhynien und das östliche Sowjet-Wolhynien zerschlagen. In beiden Teilen arbeiteten
sich die Kolonisten wieder empor. In Polnisch-Wolhynien machte vielfach die Anerkennung der
Besitztitel bei den Behörden Schwierigkeiten, dann aber kehrte normales Leben ein. Auf den
Ausbau von Kirche und Schule wurde viel Mühe aufgewandt, auch das Genossenschaftswesen
gewann an Boden. Doch blieb zum Schluß auch die Verfolgung des Deutschtums nicht aus, und
das Lager Beresa-Katuska erwarb traurige Berühmtheit. Auch in Sowjet-Wolhynien kamen die
Kolonisten unter dem damals noch milden Regime gut vorwärts und erlebten sogar eine kurze
Blütezeit. Das fast geschlossene deutsche Siedlungsgebiet um Heimthal wurde als “Deutscher
Rayon Pulin” erklärt, mit deutscher Amtssprache und deutschen Schulen. Eine Statistik aus dem
Jahre 1930 weist aus:

1. In Polnisch-Wolhynien leben 48.000 Deutsche in über 300 Kolonien, sie besitzen 90 Schulen.
2. In Sowjet-Wolhynien leben 51.000 Deutsche, die ebenfalls 90 Schulen besitzen.

Von den nach Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg gebrachten 50.000 Wolhyniendeutschen
war ein Teil wieder nach Wolhynien zurückgegangen, andere waren mit Hilfe ihrer Verwandten
nach Amerika weitergewandert. Als 1939 Polnisch-Wolhynien zu Rußland kam, verlangte
Deutschland die Herausgabe der dortigen Kolonisten. Man stieß auf Schwierigkeiten, denn es
wurde erklärt, es gäbe dort keine Deutschen. Als jedoch ein Verzeichnis der Kolonien mit Angabe
der Lage und der Einwohnerzahl vorgelegt und auch eine Stelle des Völkerbunds eingeschaltet
wurde, entdeckte man 50.000 Kolonisten und entließ sie nach Deutschland. So kam der wolhynien-
deutsche Treck in dem sehr kalten Winter 1939/40 zustande.

Der Zweite Weltkrieg und das Ende der Kolonien

In Sowjet-Wolhynien lebten die Kolonisten bis 1930 ziemlich unangefochten. Die Verfolgung
begann aber, als bald darauf die Kollektivierung der Landwirtschaft einsetzte. Jetzt
wurden alle größeren Bauern und alle Bewohner, die Einfluß hatten, nach Sibirien und Zentral-
asien verschickt. Die anderen wurden größtenteils in ukrainische Kolchosen gebracht, und an
ihre Stelle kamen Volksfremde. Auch die Kirche wurde liquidiert. Pfarrer, Lehrer, die auch
Kirchendienst verrichteten sowie Kirchenvorsteher durften nicht bleiben. Manche Jungen und
Mädchen, deren Vater nicht da war, und manche Witwen gingen Ehen mit Ukrainern ein, um
auf diese Weise sich und ihren Angehörigen die Verschickung nach Sibirien zu ersparen. So
erklärt sich die große Zahl gemischter Ehen unter den Kolonisten. Als die deutschen Truppen 1941
Wolhynien besetzten, fand man keinen Pfarrer mehr und sämtliche Kirchen waren anderen
Zwecken zugeführt oder abgerissen, darunter auch die große Holzkirche in Heimthal. Die staat-
lichen Kolonistengehöfte waren bis auf ganz wenige abgerissen, die Obstgärten abgeholzt. In
der Mitte der Kolchose waren kleine Arbeiterhütten errichtet, und die ehemalige Kirchenglocke
rief nur noch zur Arbeit. Die eingesetzte deutsche Zivilverwaltung hatte mit Wolhyniendeutschen
große Pläne im Sinn. Man naturalisierte sie als "Volksdeutsche", die sich seitdem "unter dem
Schutz des deutschen Reichs" befinden sollten. Man brachte aber kein rechtes Verständnis für
deren Eigenart auf. Es war nicht möglich, zu überzeugen, daß die Kolonisten trotz Liquidation
der Kirche und Gottlosenpropaganda gute Christen geblieben und daß ihre Kultur und Weltan-
schauung auf der Bibel gegründet waren. 1943 wurde der Rest der Wolhyniendeutschen nach
Deutschland gebracht
, wo die Männer zum Militaerdienst einberufen wurden, um Deutschland
als Vaterland zu verteidigen. Nach der Kapitulation wurden sie aber zum größten Teil von russi-
schen Kommandos aufgegriffen und nach Sibirien und Asien verschickt.

Sie genießen dort nach der Entlassung aus den Arbeitslagern wieder eine gewisse Freizügigkeit,
nur in die alte Heimat dürfen sie nicht zurück. Auch das kirchliche Leben regt sich wieder. Wie
groß ihre Zahl ist, läßt sich kaum schätzen. In Wolhynien gibt es keine Deutschen mehr, aber es
gibt Wolhyniendeutsche in aller Welt. In fast allen Ländern Nord- und Südamerikas leben Wolhy-
niendeutsche. In Canada besteht eine Lutherische Synode überwiegend aus ehemaligen Wolhy-
niendeutschen, und die wolhynische Brüdergemeinde ist ebenfalls dort am stärksten vertreten.
Wenn ein Kolonist in Wolhynien sein Anwesen zeigte, pflegte er zu sagen: “Das alles haben wir
uns erobert.”

Emma Evgrafova (Klepps)

Quelle: Friedrich Rink 'Heimatbuch', 1959, Stuttgart.

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