Zisterziensermönche gründeten Oliva.

Zisterziensermönche gründeten Oliva.

Beitragvon -sd- » 20.08.2022, 10:27

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Oliva, ein stiller, durch seine schöne Lage inmitten von dichten
Laubwäldern des Landschaftsparks bezaubernder Danziger Stadt-
teil, wurde von Alexander von Humboldt als einer der drei
schönsten Orte der Welt beschrieben. In Oliva liegt der sorg-
fältig gepflegte Park des ehemaligen Zisterzienserklosters, der
vom Gartenarchitekten Andre La Notre entworfen wurde. Ein
Spaziergang durch die alte baumbestandenen Allee führt zum
Dom von Oliva. Diese von den Zisterziensern im 13. Jahrhundert
mit dem Grundriß eines Kreuzes errichtete gotische Kirche hat
eine Länge von 107 Metern und ist damit die längste Kirche in
Polen. Sie beherbergt unzählige Kunstwerke wie den Hauptaltar
aus dem Barock und zwanzig Seitenaltäre, eine Kanzel aus dem
Rokoko, reichverziertes Gestühl, Renaissance-Portäts von Perso-
nen, die sich um das Kloster und die Kirche verdient gemacht
haben. Schmuckstück der Kirche ist jedoch die berühmte Orgel
aus dem Rokoko, die von Johann Wulf und Friedrich Rudolf
Dalitz erbaut wurde. Die Orgel bezaubert durch ihren einmaligen
Klang, der als Echo von den hohen Kirchenmauern die Zuhörer
fasziniert. Eine Besonderheit dieser Orgel sind die beweglichen
Dekorationen - sich drehende Sterne, Trompeten und Engels-
glocken.

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Zisterziensermönche gründeten Oliva.

Mehr als sieben Jahrhunderte sind bereits ins Land gegangen, seit
die ersten deutschen Menschen in das Weichselgebiet gezogen sind.
Über das Deutschtum in diesem Gebiet entschied eine Unterredung,
die anno 1226 zwischen dem deutschen Kaiser Friedrich II. und
seinem Freund Hermann von Salza, dem damaligen Hochmeister
des Deutschen Ritterordens in Rimini geführt wurde. Das dort aus-
gearbeitete Programm sah vor, das ganze Land am Weichseldelta
binnen kurzer Zeit mit Kirchen, Burgen und Bauernhöfen zu durch-
setzen und die Christianisierung und Kolonisierung rasch voran zu
treiben.

Aber schon fünfzig Jahre vor ihnen waren Deutsche zu den waldigen
Hügeln vorgedrungen. Deutsche Mönche, aus dem Zistersienserkloster
Clairvaux hervorgegangen, gründeten 1170 neben der alten Fischer-
siedlung auf dem Boden Danzigs einen Markt. Ihre Tätigkeit, die so-
gleich deutsche Bauern nachzog, führte acht Jahre später zur Stiftung
eines Klosters. Die lateinisch ausgefertigte Gründungsurkunde mit dem
Datum vom 11. März 1178 trägt die Unterschriften des Pormoranen-
fürsten Sambor, der von der Danziger Burg aus über das schöne Land
zwischen Weichsel und Radaune herrschte, und des Abtes Eberhard
von Kolbatz bei Stettin. Sie ist die älteste Urkunde aus ostdeutschen
Landen überhaupt. Der Seehandel Danzigs empfing von der Tüchtigkeit
der Mönche, unter denen sich auch hervorragende Techniker befanden,
die ersten Impulse. Sie unterhielten die erste Landungsbrücke bei dem
späteren Danziger Koggentor, bis sie von der Hanse abgelöst wurden.

Die altersgraue, schon 1225 errichtete Klosterkirche, hat 700 Jahre
Brandschatzungen und Kriege überdauert, auch den letzten noch.
Freilich, die gotische Fassade der Zisterzienser ist längst dahin.
Zwischen den beiden schlanken Türmen, die dem Mittelschiff vorge-
baut sind, hat sich das Barock eingenistet. Aber die ursprünglichen
Formen zisterziensischer Gotik, der wundervolle polygonale Chor,
die Rundbogenfriese erschließen sich dem Besucher, wenn er vom
Mittelpunkt der Kirche aus in das Langschiff und die Seitengänge
hineinblickt, und Weihe ist über ihm, wenn er den Blick in den Chor
hinaufgibt. Die Ostwand schmückt ein Olivenbaum, in dessen Zweigen
die Mutter Gottes thront. Er hat dieser Kulturstätte den Namen gegeben.

In den Seitenschiffen der Basilika liegen die Gebeine Pommereller
Herzöge und Äbte, ihr Bild mit Mitra und Krummstab tief in den Stein
geschnitten.

Fast genau 600 Jahre, bis 1823, hat es Äbte in Oliva gegeben. Einer
der kunstsinnigsten unter ihnen, Rybinski, erbaute 1736 ein Schloß
in dem Park, der die alte Kirche umgibt. Dem feingegliederten Bau
mit dem festlichen Mitteltrakt und schwingenden Flügeln gab das
Rokoko die heiter strahlenden Züge. In Liedern und Erzählungen des
Romantikers Josef Freiherrn von Eichendorff, der etliche Jahre in
Danzig als Regierungsrat verbrachte, kehrt die köstliche Freiheit von
Kirche, Schloß und Park zu Füßen des Karlsberges wieder. Der Welt-
reisende Alexander von Humboldt nannte Oliva den drittschönsten
Ort der Erde. 1945 sank das verträumte Schloß in Schutt und Asche.

Im Klausurgebäude des Klosters wurde 1660 der denkwürdige Olivaer
Friede geschlossen, der den schwedisch-polnischen Krieg beendete.
Fast ganz Europa war in diesen Krieg verwickelt. Der nach Frieden
lechzende Kontinent gab dem Namen Oliva in der Umstellung auf
„Viola" die Deutung des Veilchens, das seinen Duftbalsam über die
Kriegswunden haucht. Brandenburgs Kurfürst, Friedrich Wilhelm,
erreichte in diesem Frieden die Anerkennung der Souveränität des
aus dem geistlichen Ordensstaat hervorgegangenen weltlichen Herzog-
tums Preußen. Vierzig Jahre später sollte es dem entstehenden
brandenburgisch-preußischen Königtum den Namen geben.

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, Juli 1959

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