Abschaffung der Lebensmittelkarten.

Informationen im Zusammenhang mit der ehemaligen 'Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)' und späteren DDR.

Abschaffung der Lebensmittelkarten.

Beitragvon -sd- » 15.11.2018, 21:52

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Abschaffung der Lebensmittelkartenvon den Kleinen bezahlt.

Volle neunzehn Jahre haben die unter Hitler 1939 eingeführten Lebensmittelkarten
im sowjetisch besetzten Mitteldeutschland ihre Gültigkeit behalten. Mehr als ein
halbes Dutzend Male kündigten die Pankower Machthaber in den letzten vier Jahren
die Abschaffung der Karten an, aber jedes Mal mußte nach kurzer Zeit diese
"Freudenbotschaft" widerrufen werden. Jetzt haben die Ulbricht, Grotewohl, Rau
und Konsorten endlich die Lebensmittelkarten außer Kraft gesetzt, wobei sie nicht
verfehlten, von einem angeblichen 'Sieg des sozialistischen Wohlstands' zu sprechen.
Wie üblich wurden der rote Rundfunk und die gesamte Zonenpresse aufgeboten,
um angeblich spontane Freudenkundgebungen und den höchst fragwürdigen 'Sieg'
des Systems lauthals zu verkünden.

Für die breitesten Bevölkerungskreise Mitteldeutschlands ist dieses "Geschenk"
eine höchst fragwürdige Errungenschaft. Gerade die Rentner, mit ihnen aber
auch der gesamte selbständige Mittelstand und alle Gruppen der schlechtbe-
zahlten und vom kommunistischen System nicht geförderten Arbeiter und Ange-
stellten müssen nunmehr die bisher noch bewirtschafteten Güter, zum Beispiel
Fleisch, Fett und Zucker, aber auch Milch und vieles andere zu ganz erheblich
heraufgesetzten Preisen kaufen. Eine Tabelle, die wir hier veröffentlichen, gibt
unseren Lesern einen Einblick, um wieviel höher die Hausfrauen drüben heute
Fleisch, Brotaufstrich, Fette, Zucker und Milch bezahlen müssen. Die Sieger sind
in diesem Fall jene von jeher verhätschelten und bevorzugten hochbezahlten
Funktionäre und Lieblinge des Kommunistenregims, die auf Grund ihrer beacht-
lichen Einkünfte schon früher in der Lage waren, sich alles, was ihr Herz begehrt,
zu hohen Preisen bei den sogenannten HO-Läden oder sogar in Sondermagazinen
der Spitzenfunktionäre zu kaufen. Für sie sind die Preise praktisch etwas gesenkt
worden. Alle anderen dagegen müssen viel mehr aufwenden als bisher.

Die heuchlerischen Versicherungen der Pankower, man werde durch eine "ange-
messene Anhebung der Löhne, Gehälter und Renten" einen Ausgleich schaffen,
kann jedermann recht bald als eine durchsichtige Lüge entlarven. Wenn früher
die arme Bevölkerung der Zone sich ihre Fleisch- und Wurstwaren in schmaler
Ration auf Marken kaufte, dann hatte die Hausfrau dafür ungefähr vier DM-Ost
(Kaufkraft etwa vier DM-Ost = eine DM-West) aufzuwenden. Heute muß sie dafür
das Doppelte und sogar das Dreifache veranschlagen. Einen geradezu lächerlich
geringen "Teuerungszuschlag" von nur vierzehn Ostmark erhalten dabei nur
Arbeiter und Angestellte mit dem höchst geringen Monatsverdienst bis zu 410 DM-
Ost. Wer den für unsere Begriffe höchst unzureichenden Monatslohn von 800 Ost-
mark erhält, bekommt nur einen "Zuschlag" in Höhe von sage und schreibe fünf
Ostmark. Die Renten, die in der Zone immer weit unter dem Existenzminimum
lagen, werden um ganze neun Ostmark und die Studentenstipendien um zehn
Ostmark "aufgebessert". Angehörige des Handwerks, private Unternehmer,
Gewerbetreibende und Angehörige der sogenannten "freischaffenden Intelligenz-
berufe" bekommen nicht nur keine Zuschläge, sie werden auch, wie so manche
anderen Berufsgruppen, die nicht in der höchsten Gunst der Ulbricht und Grote-
wohl stehen, noch mit erhöhten Steuern bedacht. Man muß sich einmal ausmalen,
was es für alle diese Leute bedeutet, wenn sie künftig für ein Pfund Rinderschmor-
fleisch nicht mehr 1,57 Ostmark, sondern beinahe fünf Ostmark, und für ein Pfund
Gehacktes statt 1,40 jetzt vier Ostmark zu bezahlen haben. Familien mit mehreren
Kindern werden es besonders spüren, daß sich der Preis für einen Liter Milch ver-
dreifacht hat.

So sieht also in Wahrheit das "Geschenk" der Pankower Kommunisten an die sieb-
zehn Millionen Mitteldeutschen aus. Das Terrorregime von Ostberlin hat sich wieder
als das erwiesen, was es seit 1945 immer war: als der Peiniger und Bedrücker der
gesamten Bevölkerung, soweit sie sich nicht zu den Kreisen der skrupellosen Funk-
tionäre und Zutreiber des Kommunismus rechnet. Es bleibt im Übrigen abzuwarten,
ob nun die Läden auf die Dauer überhaupt ausreichend mit Ware versorgt werden.

Das Preisgefälle zwischen Ost und West

Kartenpreis / HO-Preis / Neuer Preis Zone / Preis in West-Berlin DM-West
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je Pfund in Ostmark
Landleberwurst .......... 1,97 ..... 6,10 ..... 3,35 ..... 2,55
Bockwurst ................. 1,50 ..... 6,20 .... 4,00 ......1,55
Schweinekotelett ........ 2,86 ..... 5,60 .... 4,40 ...... 3,55
Schmorfleisch ............ 1,57 ..... 5,40 .... 4,90 ...... 3,20
Butter ..................... 2,10 .....10,00 .... 4,90 ...... 3,40
Margarine (mittel) ....... 1,10 ..... 2,66 .... 1,82 ...... 1,02
Zucker ..................... 0,54 ..... 1,45 .... 0,90 ...... 0,62
Trinkmilch (je Liter) .... 0,28 ..... 1,12 .... 0,80 ...... 0,44
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Die bisherigen Preise für die genannten Lebensmittel sind dem Statistischen Jahr-
buch der Zone entnommen, das 1957 erschienen ist. Die Angaben über die HO-
Preise und die neuen Preise machte der Pankower Minister Rau vor der Volks-
kammer. Auf die Lebensmittelkarten gab es für den Normalverbraucher monatlich
1300 Gramm Fleisch, 915 Gramm Fett und 1240 Gramm Zucker.

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 7. Juni 1958

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