Ostpreußische Divisionen 1939-1945.

u.a. Personenbezogene Unterlagen militärischer Herkunft bis 1945.
Fragen nach Vorgängen zum Diensteintritt, Dienstzeiten usw.

Ostpreußische Divisionen 1939-1945.

Beitragvon -sd- » 25.06.2017, 08:33

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Unsere Divisionen 1939 – 1945.

Im Dezember 1951 veröffentliche die 'Ostpreußen-Warte' als einzige deutsche
Zeitung im Vorabdruck Auszüge aus der ersten Truppengeschichte des Zweiten
Weltkriegs: '61. Infanterie-Division, Kampf und Opfer ostpreußischer
Soldaten' von Prof. Dr. Hubatsch. Dieser Vorabdruck fand ein starkes Echo in
unserem Leserkreis und mit Genehmigung des Verlags H. H. Podzun, Bad
Nauheim, haben wir auch die weiteren Berichte über ostpreußische Divisionen
stets ausführlich gewürdigt. Heute geben wir eine zusammenfassende Übersicht
über das Verlagsprogramm und insbesondere den Teil, der ostpreußischen
Truppen gewidmet ist.

Schlicht und ohne Pathos.

Schon die ersten, schlicht aufgemachten Bändchen der Reihe 'Die deutschen
Divisionen 1939 – 1945' zeigten ganz eindeutig, daß es sich nicht um "Kriegs-
bücher" handelt, sondern um sachliche Berichte, frei von Schönfärberei und
ohne jedes Pathos. Die Namen der Autoren und Mitarbeiter des Podzun-
Verlags bürgen dafür, und der Verlag selbst umreißt dieses Programm mit
folgenden Sätzen:

„Die Bände dieser Reihe wollen die Taten und Opfer deutscher Truppen im
Zweiten Weltkrieg würdigen. Die Ereignisse seit dem Frühjahr 1944 führten
zur vollkommenen Zertrümmerung der Fronten, viele Verbände gingen unter
chaotischen Umständen zugrunde, das Schicksal ganzer Einheiten blieb
ungeklärt. An eine ordnungsgemäße Abwicklung der Formationen, wie sie
1918/19 stattgefunden hat, war unter den Verhältnissen von 1945 nicht zu
denken. Im Zuge der allgemeinen Auflösung und der Verirrungen in der
Nachkriegszeit gingen überdies die meisten amtlichen und privaten Auf-
zeichnungen über den Einsatz und das Ende der einzelnen Verbände ver--
loren. Der Verlag hat bereits frühzeitig in weiten Kreisen dazu angeregt,
die Reste solcher Aufzeichnungen zu sammeln und durch Augenzeugen-
berichte zu ergänzen, so daß die Reihe der Truppengeschichten 1952 er-
öffnet werden konnte.

Die einzelne Darstellung hält sich an den Rahmen einer Division, die mit
ihren verschiedenen Kampf- und Versorgungstruppen eine geschlossene
Schicksalsgemeinschaft bildete. Die Berichte gelten in erster Linie den
Angehörigen der Gefallenen und Vermißten und den Beteiligten selbst;
zugleich wollen sie in ihrer Bedeutung über reine Erinnerungsschriften
hinausgehen und das Bild des modernen Vernichtungskrieges festhalten,
der über alle betroffenen Völker unsagbares Leid gebracht hat.

Bereits fünf ostpreußische Divisionsgeschichten.

Es ist kein Zufall, daß von den ersten acht Bänden allein fünf ostpreußischen
Divisionen (11., 21., 61., 206., 291. Inf.-Div.) gewidmet sind und daß auch
die Geschichte der berühmten 1. (ostpr.) Infanterie-Division seit langem
vorbereitet wird. Der junge Verleger Hans-Henning Podzun stammt selbst
aus Ostpreußen und weiß als ehemaliger Offizier der 21. Inf.-Div. aus eigener
Erfahrung, welche Schwierigkeiten gerade die ostpreußischen Divisionen
durch den Verlust der Heimat bei der Vermißtensuche haben und daß die
Angehörigen von unzähligen Gefallenen 1945 nicht mehr benachrichtigt
werden konnten, weil sie sich bereits auf der Flucht befanden. Aber auch
nach Nordrhein-Westfalen, von wo fast alle ostpreußischen Divisionen Ersatz
erhielten, der eine besonders glückliche Ergänzung bedeutete, gelang die
Benachrichtigung der Angehörigen der Gefallenen und Vermißten häufig
nicht mehr, weil deren Heimatorte durch schwere Luftangriffe getroffen
wurden. Die knappen Divisionsgeschichten können zwar kaum direkte Aus-
künfte geben, aber sie bieten doch einen wertvollen Anhalt, auch über das
Endschicksal der Truppenteile, das solange kaum bekannt war.

Alle Autoren haben den von ihnen beschriebenen Divisionen selbst lange Zeit
hindurch angehört, und ihre wertvollste Grundlage bilden das persönliche
Miterleben und vielleicht noch erhalten gebliebene private Aufzeichnungen.
Sie alle aber waren auf viele Darstellungen und Einzelangaben von Seiten
ihrer Divisionskameraden angewiesen, ohne deren Hilfe keine Divisions-
geschichte erscheinen könnte. Nur mit großer Geduld lassen sich die Lücken
schließen; wer selbst einmal versucht hat, einen Vorgang aus dem wechsel-
haften Ablauf des Krieges den wahren Tatsachen entsprechend zu rekon-
struieren, der ahnt, wieviel Zeit und Mühe in diesen Divisionsgeschichten
stecken. Auch wo Kriegstagebücher, Karten und Gefechtsberichte vorliegen,
verlangt die Auswertung fachliche Qualifikation und einen klaren Blick für
das Wesentliche. Im Laufe der Jahre hat der Verlag ein eigenes Archiv zur
Geschichte des letzten Krieges aufgebaut, das ständig erweitert wird und
künftig auch den Verfassern von Divisionsgeschichten manche Hilfe bieten
wird.

11. Infanterie-Division.

Acht Jahre lang hat Werner Buxa der 11. Inf.-Div. angehört, zuletzt als
Bataillonskommandeur (Ritterkreuzträger) im Grenadier-Regt. 44. Sein
flüssiger Bericht ist eine überzeugende Würdigung der unauslöschlichen
Leistungen dieser ostpreußischen Division, die auch vom Gegner mehrfach als
eine der besten des deutschen Heeres bezeichnet wurde. Bild reiht sich an
Bild: Der Kampf um Kuluczyn und der Einmarsch in Warschau, die Zeit der
Erholung am Strand von Biarritz, der Durchbruch aus dem Memelland über die
Jura und das erste Panzergefecht bei Korklamy, der Angriff über den Mschaga,
das Ringen um Schum, der erste Rückzug im bitterkalten Winter 1941 /42, der
verzehrende Einsatz im Brückenkopf Kirischi, in dem auch mehrere ostpreus-
sische Schwesterndivisionen Ströme von Blut lassen mußten, die Schlachten
mit General Thomaschki auf den Höhen von Ssinjawino, der Rückzug zum
Peipus-See, der Kampf an der Narwa und das Ende in Kurland. Bei aller Sach-
lichkeit zeichnet Buxa zugleich ein lebendiges Bild des erbarmungslosen und
heimtückischen Wolchowkampfes, der großen Materialschlachten um die
Schlüsselstellungen des Nordabschnittes und des Ausharrens auf verlorenem
Posten in Kurland, wo die 11. Division am 8. Mai 1945 mit Teilen in musterhafte
Ordnung nach Westen eingeschifft werden konnte.

Werner Buxa 'Weg und Schicksal der 11. Infanterie-Division.'
80 Seiten Text, 7 Skizzen, kartoniert 4,80 DM.

21. Infanterie-Division.

Die Kriegseinsätze dieser Division ähneln sehr denen der 11. Inf.-Div., mit der
sie häufig Schulter an Schulter in schwersten Kämpfen ausharrte. Der Verfasser
streift die ersten Kriegsjahre nur kurz und widmet den Hauptteil der Broschüre
den verlustreichen Rückzügen durch das Baltikum und insbesondere dem auf-
opfernden Endkampf um die engste Heimat im Brückenkopf Heiligenbeil, im
Samland und auf der Frischen Nehrung. Der Verfasser gibt auch eine Erklärung
für die unvorstellbar harten und verlustreichen Endkämpfe: „Wenn trotz aller
ernüchternden Erkenntnisse die Frontkommandeure in diesem Kessel
(Heiligenbeil) immer wieder neue Riegel aufbauen, wenn sich einzelne Kampf-
gruppen trotz des Gefühls, "verheizt" zu werden, immer noch mit aller Erbit-
terung wehren, und wenn die rückwärtigen Dienste bei der totalen Luftüber-
legenheit des Gegners nach wie vor die Versorgung der Truppe aufrecht zu
erhalten versuchen, so steht ihnen allen ein Ziel vor Augen: die Frist zu ver-
längern, die der unsagbar leidenden Zivilbevölkerung und den vielen Verwun-
deten noch die Möglichkeit zum Abtransport nach Westen geben kann. Dieses
Ziel gibt den Kämpfen die Härte, den Opfern ihren Sinn."

H. H. Podzun 'Weg und Schicksal der 21. Infanterie-Division.'
40 Seiten, brosch. 2,85 DM.
Der Restauflage liegt die amtliche Stellenbesetzung vom 03.01.1939 bei.

22. Infanterie-Division.

Diese aktive Bremer Division wurde bereits 1940 als Luftlande-Division im
Westen bekannt und hat sich bei der Einnahme von Sewastopol höchsten Ruhm
erworben. In der Ukraine wurde sie längere Zeit durch eine ostpreußische
bespannte Artillerie-Abteilung vorbildlich unterstützt. Später lag die Truppe
auf Kreta und hat zuletzt den schwierigen Rückzug durch den Balkan gedeckt.

Friedrich-August v. Metsch 'Die Geschichte der 22. Infanterie-Division.'
98 Seiten Text, 19 Skizzen, kart. 5,80 DM.

58. Infanterie-Division.

Vielen ostpreußischen Soldaten wird diese Division mit den niedersächsischen
Pferdeköpfen aus dem Nordabschnitt vertraut sein, wo sie u. a. um den
Wolchowkessel und an der Narwa kämpfte. Allein für ihre Kämpfe im Samland
mit der Herstellung der Verbindung nach Königsberg wurde sie im Februar 1945
zweimal im Wehrmachtbericht genannt.

Kurt v. Zydowitz 'Die Geschichte der 58. Infanterie-Division.'
160 Seiten, 19 Skizzen, 4 Abbildungen, Halbleinen 8,20 DM.

61. Infanterie-Division.

Die 61. Inf.-Div. ging bei der Mobilmachung aus den drei aktiven ostpreußischen
Divisionen hervor und wurde durch mehrere Sondereinsätze schnell bekannt:
Eben-Emael, Dünkirchen und Eroberung der Inseln Moon, Ösel und Dagö. Vor
Tichwin hielt sie die östlichste Stellung im Nordabschnitt, am Wolchow, an der
Narwa und im Kessel von Heiligenbeil lag sie stets im Brennpunkt und die Reste
verteidigten bis zur letzten Stunde die Bastion Sternwarte in Königsberg.
In Professor Dr. Hubatsch hat die 61. Division einen Autor gefunden, der diese
Vorgänge mit den Kenntnissen und dem Verantwortungsbewußtsein des geschul-
ten Historikers darstellt. Der langjährige Kommandeur der 61. Inf.-Div., General
a.D. Krappe, schreibt im Vorwort: „Diese Geschichte wird zum Spiegel des ost-
preußischen Menschen."

Walther Hubatsch
'61. Infanterie-Division, Kampf und Opfer ostpreußischer Soldaten.'
84 S., 17 Skizzen, kart. 4,80 DM.

170. Infanterie-Division.

Auch diese Hamburger Division kam nach ihren erfolgreichen Einsätzen auf der
Krim an die Front vor Leningrad. Bei Treuburg kämpfte sie um ostpreußisches
Grenzland und im Januar 1945 trat sie nach einem Gewaltmarsch zu dem berühmt
gewordenen Angriff auf Pr. Holland an, der der 4. Armee den Ausbruch nach
Westpreußen öffnen sollte, jedoch von Hitler verboten wurde.

Hennecke Kardel 'Die Geschichte der 170. Infanterie-Division.'
88 Seiten, 20 Skizzen, kart. 4,80 DM.

206. Infanterie-Division.

Ernst Payk gehörte zu den ersten Mitarbeitern, die der Podzun-Verlag gewin-
nen konnte. Als Pastor an der St. Stephani-Kirche in Goslar hatte er sich schon
vorher des Suchdienstes für die ostpreußische 206. Division angenommen, so
daß auch die Divisionsgeschichte bei ihm in den besten Händen lag. Der erste
Teil wurde von dem ersten Divisionskommandeur, Generalleutnant a. D. Höfl,
geschrieben. Auch die 206. Inf.-Div. Wurde schon in Polen und Frankreich einge-
setzt, doch ihre Geschichte wurde gekrönt durch die Einnahme von Rshew, und
im Raum dieser Stadt bildete sie immer wieder einen Eckpfeiler in der Front des
Mittelabschnittes. Höchste Standhaftigkeit zeigte diese brave Truppe in den
Schlachten um Witebsk, bis sie dort während des Zusammenbruchs der Heeres-
gruppe Mitte nach einem verzweifelten Ausbruchversuchs ihr tragisches Ende
fand.

Ernst Payk 'Die Geschichte der 206. Infanterie-Division.'
64 Seiten, 13 Skizzen, kartoniert 4,80 DM.

291. Infanterie-Division.

Professor Dr. Conze hat der 291. Inf.-Div. als Reserveoffizier von der Aufstel-
lung bis zu seiner letzten Verwundung angehört und dabei einen umfassenden
Überblick über das Geschehen gewonnen. Sein Bericht zeugt bei aller Sach-
lichkeit von seiner tiefen Verbundenheit mit der tapferen "Elch-Division", sein
Herz gehört dem einzelnen Soldaten als dem fairen Kämpfer und opferbereiten
Kameraden, sein Gedenken gilt den Gefallenen, Vermißten und Gefangenen.
So reiht sich dieser zuletzt erschienene Band würdig an seine Vorgänger. Die
einzelnen Kapitel dieser Divisionsgeschichte deuten bereits an, daß auch diese
ostpreußische Truppe ein wechselhaftes und schweres Kriegsschicksal hatte:
Aufstellung in Arys, Feldzug in Frankreich mit schweren Kämpfen am Aisnekanal,
Baltikum und Ingermanland, Winterkampf zwischen Ladogasee und Tigodamündung,
Schlacht um den Wolchowkessel, Welikije Luki und Newel, von Kiew bis Schepetowka,
Hubekessel, Brückenkopf Baranow und das Ende in Polen. Im Anhang finden sich
u. a. Originalberichte, Stellenbesetzungen und ein Verzeichnis der Feldpostnummern.

Werner Conze 'Die Geschichte der 291. Infanterie-Division.'
120 Seiten, 21 Skizzen, kart. 5,80 DM.

Schon zwei Jahre lang arbeitet Prof. Dr. Ipsen an der Geschichte der 1. Infanterie-
Division, die von vielen Ostpreußen mit besonderem Interesse erwartet wird. Die
'Ostpreußen-Warte' wird voraussichtlich noch im Herbst 1953 Auszüge aus diesem
Werk veröffentlichen können. Auch die Bände der 24. Panzer-Division (vorher ostpr.
1. Kav.-Div.) und 121. Inf.-Div. werden vorbereitet. Die Materialsammlung ist je-
doch gerade für die ostdeutschen Divisionen besonders schwierig, und zunächst
wird der Podzun-Verlag die Bände über die 1. und 4. Gebirgs-Division, die 4. Panzer-
Division und die 278. Infanterie-Division herausbringen.

Die jüngste Neuerscheinung ist das große Nachschlagewerk 'Das deutsche Heer
1939, Gliederung, Standorte, Stellenbesetzung und Verzeichnis sämtlicher
Offiziere am 03.01.1939.' Dieses Buch, das bei 1160 Seiten 48,-- DM kostet,
werden sich nur wenige Privatpersonen leisten können, aber in den Bibliotheken
wird es einen wichtigen Platz einnehmen. Da es die Namen und Rangdienstalter
sämtlicher Offiziere, nennt, wird dieses Werk, das die fotomechanische Wieder-
gabe der amtlichen Stellenbesetzung enthält, künftig bei der Regelung der Rechts-
ansprüche (§ 31) von entscheidender Bedeutung sein. Gerade die Vertriebenen
konnten eine solche Unterlage nur schwer beschaffen. Wer sich für die aktiven
Truppenteile und Standorte, selbstverständlich auch in Ostpreußen, interessiert,
findet hier eine erste und vollständige Zusammenstellung.

Es gibt viele erhebende und erschütternde Zeugnisse über Ostpreußen und seine
Menschen. Diese nüchternen Divisionsgeschichten gehören wohl mehr zu den
erschütternden Dokumenten, aber sie erinnern daran, in welcher Treue und
Opferbereitschaft unsere Truppen an den Grenzen und noch in den letzten
Bastionen unserer Heimat gekämpft haben.

Quelle: Ostpreußen-Warte, September 1953

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Endkampf um Ostpreußen.

Man hat häufig die Schlacht um Stalingrad als Wendemarke des Krieges bezeichnet
und in der Tat hat die deutsche Wehrmacht – von dem hohen substantiellen Verlust
ganz zu schweigen – diesen Schlag nie ganz überwunden. Der Glaube an ihre Unbe-
siegbarkeit war tief erschüttert und das unselige Unternehmen Kursk im Juli 1943,
das den Rückzug der Heeresgruppen Mitte und Süd zur Folge hatte, ließ die Schlag-
barkeit dieser Truppen für immer erlahmen und ist mittelbar auch mit dem Schick-
sal Ostpreußens verwoben.

Die Gefahr rückt näher.

Seit jenem Zeitpunkt lag das Gesetz des Handels eindeutig beim Feind, der die
deutsche Wehrmacht von nun an in die Abwehr drängte. Zwar gelang es eine neue
Front aufzubauen, aber leider nur für kurze Zeit. Ein neuer Einbruch in diese
Front mußte für die deutschen Ostprovinzen, vor allem für Ostpreußen zur töd-
lichen Gefahr werden. Diese sowjetische Großoffensive ließ nicht lange auf sich
warten. Sie setzte Mitte Oktober auf breiter Front und mit dem Angriffsziel
Romintener Heide — Königsberg ein. Die wechselvollen Kämpfe, die auf beiden
Seiten mit erbitterter Hartnäckigkeit geführt wurden, zogen sich über Wochen
hin. Aber trotz des ungleichen Kräfteverhältnisses von 5 zu 1 gelang es den
Sowjets nicht, die elastisch geführte Verteidigung zu durchbrechen. Als in den
letzten Oktobertagen die Angriffe zum Stillstand gebracht werden konnten,
war die Front noch immer geschlossen aber um 40 Kilometer zurückgedrängt
und Ostpreußen damit zum Schlachtfeld geworden. Hervorragend hatten sich
in diesen pausenlosen Kämpfen im Norden die 5. Panzerarmee und südlich
davon die 4. Armee unter der Führung von General Hoßbach geschlagen, her-
vorragende Einzeltaten an Tapferkeit hatten Soldaten aller Einheiten vollbracht
und doch verlief die Hauptkampflinie auf deutschem Gebiet. Hier mußte die
Front unter allen Umständen gehalten werden, sollte nicht deutsches Land der
Willkür der roten Horden preisgegeben werden. Die Lage verlangte den Einsatz
und die Konzentration aller Kräfte auf den deutschen Osten, um die tödliche
Gefahr zu bannen.

Traf den deutschen Soldaten eine Schuld ?

Es wäre müßig, zehn Jahre nach Ablauf der ostpreußischen Tragödie erneut
die Schuldfrage aufzuwerfen. Die inzwischen geschichtlich gewordene weitere
Entwicklung des Krieges hat sie zudem so eindeutig beantwortet, indem sie
die oberste Führung dafür verantwortlich macht, so daß sich jede weitere
Untersuchung erübrigt. Wenn wir uns dennoch hier kurz mit den militärischen
Ereignissen in unserer Heimat auseinandersetzen, so geschieht dies zur Ehren-
rettung für die deutschen Wehrmachtseinheiten, insbesondere auch für unsere
in Ostpreußen garnisonierten Truppenteile, für die ungezählten Soldaten, die
auf ostpreußischer Erde kämpften und starben.

Nach Klausewitz ist die stärkere Kampfesform die Verteidigung. Eine einleuch-
tende These — denn in den meisten Fällen kämpft der Verteidiger um sein
Recht und seine Scholle. Das gibt ihm bereits eine ethisch moralische Über-
legenheit. Die Kenntnis des Geländes, das man außerdem leicht verstärken
kann, kommt ihm zugute. Die Kenntnis der Landessprache erleichtert seine
Tätigkeit und er genießt die ihn nach jeder Richtung hin gern gewährte
Unterstützung durch die Bevölkerung. Dies alles sind Vorteile, die hoch zu
bewerten sind. Sie konnten aber keinen Ausgleich bieten für das, was die
deutschen Truppenteile nicht besaßen. — Es fehlte an schweren panzer-
brechenden Waffen und vielfach auch an Munition.

Es mangelte an Kraftstoff und an Wehrmachtsfahrzeugen, die zwei, drei
andere im Schlepp hinter sich herzogen, war keine Seltenheit. Die Panzer
waren oft genug zur Untätigkeit verurteilt, weil sie keinen Betriebsstoff
hatten, um fahren zu können. Sie konnten deshalb ihren bedrängten Kame-
raden von der Infanterie keine Hilfe und Entlastung bringen. Es fehlten vor
allem starke Reserven, die, weit in die Tiefe gestaffelt, schlagkräftig genug
waren, um einen Einbruch des Gegners abzuriegeln. Es rächte sich auch die
Ausbildungsmethode des Heimatheeres, die ihren Ersatz noch immer für den
Angriff drillte, obwohl seit Jahren schon der Krieg rein defensiv geführt
werden mußte. Diese wenigen Beispiele nur für viele, deren Reihe sich
beliebig fortsetzen ließe.

Zusammenfassend muß man feststellen, daß die Truppen durch die lange an-
haltenden Abwehrkämpfe physisch und psychisch viel zu geschwächt waren,
um den zu erwartenden neuen schweren Kämpfen, bei denen es um die Ent-
Scheidung ging, gewachsen zu sein. Daran änderte auch nichts die seelische
Vorbereitung der Soldaten, die durch ihre Vorgesetzten immer wieder auf das
große Ziel der Verteidigung des ruhmreichen Ostpreußenlandes hingeführt
wurden. Alle Hoffnungen auf Verstärkung der Front mußte seit Beginn der
Ardennenoffensive im Dezember 1944 fallen gelassen werden. Und so konnte
man nur mit banger Sorge in die nahe Zukunft blicken. Noch bestand die
Möglichkeit für eine geordnete Evakuierung der Zivilbevölkerung. Aber alle
Warnungen und Vorstellungen der militärischen Führung waren vergeblich.
Von den verantwortlichen politischen Stellen wurde keine oder eine späte
Entscheidung getroffen. Den militärischen Befehlshabern waren die Mittel
genommen, für die Bevölkerung etwas zu tun. Und gerade die unterlassene
oder viel zu spät durchgeführte Evakuierung sollte sich später rechtver-
hängnisvoll auf die militärischen Operationen auswirken.

Der Entscheidungskampf beginnt.

Am 13. Januar 1945 setzt die russische Offensive in einer Ausdehnung und
mit einer Wucht ein, die keinen Zweifel darüber bestehen ließ, daß die
Entscheidungsschlacht begann. Die Schwierigkeiten bei der Truppenführung,
die von der obersten Führung im Stich gelassen wurde, steigerten sich täg-
lich. Die grimmige Kälte verschärfte die Lage noch mehr. Volkssturmverbände,
von denen sich die oberste Führung eine Wendung versprach, wurden den
Truppenverbänden angegliedert, konnten aber trotz größter Opferfreudigkeit
und Einsatzbereitschaft als Kampftruppe keine Verwendung finden. Sie leiste-
ten dagegen im Stellungsbau außerordentliches. Die Lage wird verhängnisvoll,
als starke sowjetische Panzerverbände im Süden durchbrechen und in einem
weiten Bogen nach Norden durchstoßen. Um ein zweites Stalingrad zu ver-
meiden, muß auch General Hoßbach sich mit seiner Armee absetzen, da auch
seine Nachbaren im nördlichen Ostpreußen dem Ansturm erlegen waren.

Nur starke aus der Heimat oder von der Westfront herbeigeführte Kräfte
hätten zu dieser Zeit eine Lösung und eine Wendung für das Schicksal Ost-
preußens herbeiführen können. Aber solche Kräfte waren nicht mehr vor-
handen. Die Kriegführung Hitlers hatte die deutsche Wehrmacht verbraucht
und sie zum Schutz der Heimat unbrauchbar gemacht.

Die Kämpfe um Ostpreußen ziehen sich noch Monate hin und in diesen Kämp-
fen zeichnen sich immer erneut auch unsere ostpreußischen Truppenteile aus.
Aus dem belagerten Königsberg heraus waren es vor allem die Kampfeinheiten
der 1. Ostpreußischen Infanterie-Division, die einen erfolgreichen Ausfall
unternahmen und am 4. Februar die Straße nach Pillau freikämpften und noch
einmal den stählernen Ring sprengten. Der Brückenkopf im Samland wird bis in
den März hinein von der 21. Ostpreußischen Division verteidigt und fünf Mann
vom IR 45 halten unter einem Hauptmann die Schloßruine von Balga und sichern
damit die Absetzbewegung ihrer Kameraden, bis auch sie noch in einem Sturm-
boot am 29. März abgeholt werden.

Mit großer Tapferkeit kämpften die zahlenmäßig weit unterlegenen deutschen
Truppen. Ihre Niederlage war nicht ihre Schuld, ihr Ende aber der Untergang
Ostpreußens.

Mit dem Gedenken an unsere unvergessene Heimat wird deshalb auch stets ein
Gedenken an unsere ostpreußischen Soldaten verbunden sein. Wenn sie auch
der Übermacht unterlagen — so stellt ihre Tapferkeit sie doch würdig an die
Seite ihrer Väter, die sieben Jahrhunderte hindurch der ostpreußischen
Heimaterde Schutz boten.

Quelle: Ostpreußen-Warte, April 1955

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Materialsammlung über die Kriegsereignisse im Samland 1945.

Beitragvon -sd- » 07.01.2019, 10:44

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Materialsammlung über die Kriegsereignisse im Samland 1945
von Hugo Kaftan, Stadtbürodirektor von Pillau.


Gesucht wird die 30 Titel umfassende Eigensammlung von Hugo Kaftan
mit mehreren Berichten über die letzten Kampfhandlungen der Wehr-
macht im Samland bis hin zu Tatsachenberichten von Zeitzeugen über
die Ereignisse während und nach der Eroberung durch die Rote Armee:
u.a. Neuhäuser 1945, Heiligenkreuz 1945, Pokalstein 1947,
Pfarrer Ernst Glaubitt: Liska-Schaaken bis 1948, Palmnicken
1947, Pobethen 1946, Wargen 1945 u.v.m.

Hugo Kaftan lebte nach 1945 in Vluyn, Kreis Moers.

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Nachfolgend einige Hinweise.

Hugo Kaftan 'Beim Standesamt Seestadt Pillau in der Zeit
vom 1. Januar bis 31. März 1945 beurkundeten Sterbefälle
von Zivilpersonen.' – APG 42.(1994), Bd.24, S.331-386.

Reinhold Heling 'Zu den Aufzeichnungen von Hugo Kaftan:
Pillauer Totenbuch 1945.' – APG 42.(1994) Bd.24, S.327-330

Andreas Meininger

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Ich biete an die Totenliste von Pillau. Wenn ich mich recht erinnere,
dann wurde diese auch von Kaftan geführt. Darin enthalten die Namen
von 1.000 toten Zivilisten von Januar bis März 1945 aus der Stadt Pillau.

Martin Kunst

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Das "Pillauer Totenbuch" habe ich mir heruntergeladen.

In der Publikation von Barry Turner: Countdown to Victory, 2004,
heißt es in Anm. 31: Leutnant Dr. Arnold Schön, Pillau. BA Bayreuth:
Stadt- und kriegsgeschichtliche Aufzeichnungen, Bd. 1: 1944-1945;
Bd. 2: 1945 und Nachkriegszeit, ed. von Hugo Kaftan, Stadtbüro-
direktor Pillau, Kempowski Archive.

Nach Auskunft des BA Bayreuth befindet sich dieser umfangreiche
Bericht (über 120 Seiten) von Hugo Kaftan über die Seestadt
Pillau im Bestand "Ost-Dok 8". Man erhält auf Anfrage Kopien.

Im 'Sachthematischen Inventar zur Nachkriegsgeschichte des
nördlichen Ostpreußen (Kaliningrader Gebiet) 1945 – 1955'
kann man gezielt die Gemeindeseelenlisten und Gemeindeschicksals-
berichten der einzelnen Orte heraussuchen und Kopien bestellen.
Auch zum Teil schon erledigt.
https://www.bundesarchiv.de/imperia/md/ ... russvi.pdf

Bei meiner Frage geht es um Zeitzeugenberichte, die an Hugo
Kaftan gingen bzw. von ihm gesammelt wurden und vielleicht
irgendwo in einer Kreisgemeinschaft oder in einer privaten
Schublade liegen.

Brigitta Seidel

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Es ist ja nur ein winziger Schnipsel von mir, aber gut, ich bin
damit einverstanden. Übrigens keine Reaktion auf unseren Aufruf !
Brigitta Seidel
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