Förster, Revierförster, Forstmeister usw.

Einige Berufsgruppen und deren Arbeitsbedingungen
u.a. Eisenbahner, Postbedienstete, Lehrer/innen, Förster, Müller, 'Unstete Berufe'.
Biographien deutscher Parlamentarier 1848 bis heute.

Förster, Revierförster, Forstmeister usw.

Beitragvon -sd- » 14.04.2009, 11:00

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Betreff: Forstbedienstete

Der Begriff 'Förster' ist ein wenig unklar.
Genauer wäre: Revierförster oder Forstmeister.
Eine Differenzierung könnte die Suche erleichtern.

FORSTMEISTER jener Zeit in Preußen hatten studiert an einer der beiden
Königl. Preuß. Forsthochschulen: Eberswalde oder Hannoversch Münden.

"Eberswalde" gibt es heute noch: Fachhochschule, im Internet mit eigener
Homepage zu finden. Die Leiterin des Archivs und der Bibliothek ist sehr
freundlich und gibt sicher gerne Auskunft über die Studenten.

REVIERFÖRSTER waren damals in aller Regel gediente Soldaten
(Feldwebel = Oberjäger) aus den Königl. Preuß. Jägerbataillonen.
Man diente dort so lange, bis ein Revierförsterdienstposten im staatl.
Forstdienst frei wurde. Die Ausbildung war zweigeteilt: militärfachlich
und forstfachlich.

In Steinbusch (bei Hochzeit an der Drage) war damals die
Forstlehrlingsschule. Ob es davon noch ein Archiv gibt,
weiß ich nicht (vielleicht bei unseren pommerschen Kollegen ?).

Ernennungen wurden in den Amtlichen Mitteilungen der Regierung
zu Frankfurt a. O. (= RegPräsident Frankfurt, die gesamte Neumark
gehörte zum RegBez.) mitgeteilt. Eine Sammlung dieser Mitteilungen
des RegPräs. gibt es u.a. im Landeshauptarchiv zu Potsdam und
im Stadtarchiv Frankfurt / Oder (Tel.: 0335-6803004).

Achtung: Um 1897 hat es in der Forstverwaltung des RegBezirks ein
Größeres Revirement gegeben. Sehen Sie also zuerst Quellen nach
1897 durch.

Es kann natürlich auch sein, daß der Mann Privatförster war.
Dann wurde seine Anstellung in den Landräthlichen Mitteilungen
des Kreises bekannt gegeben. Auch in Güteradreßbüchern müßte
etwas zu finden sein.

Ulrich Schroeter, Strausberg

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Textveröffentlichung dankenswerterweise von Ulrich Schroeter gestattet.
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Forstleute / Forstwesen: Fragen und Antworten.

Beitragvon -sd- » 12.10.2015, 11:52

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Forstleute / Forstwesen: Fragen und Antworten.

Zur Frage zum Forstwesen kann ich ein Wenig beitragen:

Stand einem Unterförster im königl. Dienst auch ein Forsthaus zu ?

Ja, als Dienstwohnung. Sie war Teil des Gehalts.

Wenn ja, was passierte mit den Kindern und der Ehefrau,
mußte die Forst-Wohnung / das Forst-Haus für den Nachfolge-Förster
geräumt werden ?


Die Dienstwohnung mußte umgehend frei gemacht werden.
Das galt gleichermaßen für z. B. Pastoren oder Schullehrer.

Wo gingen die Kinder zur Schule ?

Im nächsten Dorf - egal, wie weit der Fußweg war.

Ulrich Schroeter *)

*) Ulrich Schroeter ist am 13. April 2015 verstorben.

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Genaue Angaben findet man in Otto Müller
'Forstliches Adreßbuch sämtlicher Preußischen Staats-Oberförstereien'.
Verlag J. Neumann, Neudamm. 1929.
Nachdruck unter ISBN 978-3-7888-1160-0
In Bibliotheken ausleihbar.

Norbert Gschweng

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Des weiteren ist mir bei der Durchsicht einiger Amtsblätter aufgefallen,
daß in den Stand eines Unterförsters sehr häufig invalide Feldjäger,
Landjäger ect. befördert wurden.
War diese Beförderung eine Art Danksagung für geleistete Dienste ?

Marion Pollakowski, Halle / Saale

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Hallo Dieter,
natürlich darfst Du den Text übernehmen, meine Erlaubnis hast Du dazu.

Meine Förster-Vorfahren mußten nach dem Tod ihres Ehemannes bzw.
Vaters auch das Forsthaus gleich verlassen haben und sind dann zum Teil
unbekannt verzogen. Marion
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Kreplin 'Hegen und Jagen im ehemaligen Kreis Bütow.'

Beitragvon -sd- » 11.09.2017, 19:41

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Liebe Pommernfreunde !

Anläßlich des Bütower Treffens 2017 in Frankenberg / Hessen hat
Klaus-Dieter Kreplin wieder ein Buch zum Kreis Bütow herausgegeben:

'Hegen und Jagen - Forsten, Förster und Jäger im ehemaligen
Kreis Bütow in Pommern'.


Nach einer ersten Durchsicht bin ich hoch begeistert und vom dem
Werk und der immensen Arbeit, die darin steckt, beeindruckt.
Dazu gratuliere ich Charly voller Respekt.

Das 288seitige Werk enthält Kapitel und Anhänge zu

- Wald und Bewirtschaftung,
- Forstverwaltung,
- Die Förstereien und Förster im Kreis,
- Försterfriedhof Pischen / Zerrin,
- Nebennutzungen der Forstwirtschaft,
- Ordnungen und Regelungen,
- Dokumente 1939-1945,
- Geschichten und Sagen,
- Quellen und Register.


Nähere Angaben zur Ausgabe mit Bezugsmöglichkeit sowie
einem Register von erwähnten Personen finden sich unter
http://grosstuchen.de/Forsten-Buetow.htm

Mit Gruß aus Zürich
Heinz Radde

https://uk.groups.yahoo.com/neo/groups/ ... iffin/info
http://grosstuchen.de/

Mitglied in Pommerscher Greif e.V.

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Jägersoldaten, spätere Revierförster.

Beitragvon -sd- » 21.10.2019, 21:38

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Am 11.03.2010 schrieb Ulrich Schroeter:

> ... davon ausgehen, daß die Witwe mit den Kindern nach dem Tod
> des Ehemannes umgehend in die nähere oder weitere Umgebung
> verzogen ist.

Ja. Und hier griff wohl häufig eine gute alte Gewohnheit. So war es
noch um 1860 bei meinem Vorfahr (Dorfschullehrer). Die Witwe zog
zum ältesten Sohn, der sich, was den Unterhalt anging, in der Pflicht
sah.

> Wurden die Hinterbliebenen dabei unterstützt ?

Jein. Also, eine staatliche Rente gab es nicht. Es gab generell die
Fürsorge für die "Ortsarmen", d. h. das Dorf hatte für diese Armen,
die kein eigenes Einkommen hatten, zu sorgen. Siehe: Armenhaus.
Der Landkreis gab dem Ort ein Geldunterstützung, um die Belastungen
der Dörfer auszugleichen. Diese Armen waren wirklich arm dran.
Da zog man lieber, vor allem, wenn man Witwe eines Gehobenen war
(Ständische Gesellschaft), zum Sohn.

Später - vielleicht gab es das in Försterkreisen schon zu Lebzeiten
Ihres Vorfahrs - zahlten Schullehrer, Pfarrer, Förster aller Grade in
eine Art berufseigene Hinterbliebenenkasse. Pflichtbeitrag. Daraus
wurde der Witwe und den Waisen geholfen. Ob das 1822 bei Ihrem
Förster schon so war, ist unsicher. Denn der preuß. Staat war ja gerade
durch Napoleon zusammengebrochen, jahrelange Besatzungskosten
waren zu zahlen, Staatsbankrott, er hatte 1813-35 Krieg geführt,
preuß. Reformen ab so etwa 1809, die oft erst richtig griffen so
einige Jahre nach 1815.

> ... in den Stand eines Unterförsters sehr häufig invalide Feldjäger,
> Landjäger ect. befördert wurden. War diese Beförderung eine
> Art Danksagung für geleistete königliche Dienste ?

Jein. Wir sind in der Umbruchphase, wie gesagt. Im Zuge der preuß.
Reformen gab es auch eine Heeresreform. Diese erfaßten auch die
Förster, Haumeister etc. Der Forstmeister / Oberförster war ein
Studierter (Forstakademie Eberswalde oder auch Hannoversch Münden).
Alle anderen Förster hatten vorher gedient. Sie dienten in den Jäger-
bataillonen; jede Provinz hatte eines, das brandenburgische lag in Lübben.
Der Soldat dort erhielt eine zweifache Ausbildung: zum Jägersoldaten
und zum Förster. Er blieb so lange Soldat, bis eine Förstersstelle
(Revierförster) irgendwo frei wurde. Ihr Vorfahr hat also sicher einen
Soldaten aus Lübben zum Nachfolger gehabt. Ihr Vorfahr war aber
schon älter, hatte noch in der altpreußischen Armee gedient
(untergegangen 1806 bei Jena und Auerstädt). Daß er Förster war,
ist ein ziemlich sicheres Zeichen, daß er lange Soldat gewesen war.
Und man versorgte Invaliden gern mit solchen Posten wie Revierförster,
Mauteinnehmer an Chausseen, Wallmeister etc.
Übrigens, wenn Ihr Vorfahr ins Feld zog, ging seine Frau mit. Das war so.

Vielleicht haben Sie Glück in einem Archiv und stoßen auf eine Namens-
liste der Oberförsterei Neuhaus (einer der alten königlichen) und finden
Ihren Vorfahren. Sie sollten sich an die freundlichen Leute im Archiv
der Fachhochschule in Eberswalde wenden.

Gerne weiter zu Diensten. Es grüßt aus Strausberg nach Halle

Ulrich Schroeter *)

*) Ulrich Schroeter ist am 13. April 2015 verstorben.

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