Hände weg vom Familien-Weltbuch !

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Hände weg vom Familien-Weltbuch !

Beitragvon -sd- » 29.06.2011, 10:24

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Hände weg vom sogenannten Familien-Weltbuch !

Ein "individuelles Familien-Weltbuch" wird derzeit Einwohnern des Kreises Königs Wusterhausen von
einem amerikanischen Verlag angeboten. Angeblich wird jedes Buch nur auf Bestellung angefertigt
und soll der internationalen Ahnenforschung der Familien dienen. Beim Vergleich solcher Bücher wurde
festgestellt, so die Verbraucherzentrale, daß deren Inhalte im Wortlaut identisch sind. Lediglich das
Familienwappen und der jeweilige Name wurden ausgetauscht.

Quelle: Berliner Zeitung, 28. April 1997.

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Stiftung Warentest warnt: Ahnen-Abzocke.

Ahnenforschung ist spannend – und mühsam. Doch halt: Wer blaublütige Vorfahren entdecken will,
braucht nur 49,95 Euro. Dafür liefert Wilhelm von der Aa eine Chronik Ihres Geschlechts. Bei jahrzehnte-
langen Forschungen stieß der angebliche Genealoge immer wieder ausgerechnet auf Ihren Namen.
Jedenfalls behauptet er das in Briefen, die er bundesweit verschickt. Merkwürdig nur, dass diese Briefe
– immer mit demselben Inhalt – an Verbraucher mit ganz unterschiedlichen Namen gingen.

Wer die "Chronik" bestellt, erlebt eine üble Enttäuschung. Kern ist ein nichtssagender Adreßteil mit
Menschen gleichen Namens. Dazu Allgemeines über Geschichte, Wappen und Vornamen. Das Ganze
ähnelt 'Halberts Familien-Weltbuch' – einer Bauernfängerei, vor der wir schon 1994 warnten. Die neue
Chronik wird vom selben Anbieter vertrieben: Fulfillment Directmarketing aus Bretten. Die Staatsanwalt-
schaft Karlsruhe stellte Strafbefehl wegen Betrugs – die Hauptverhandlung steht noch aus.

"Die bloße Aufzählung von Namensvorkommen hat mit Ahnenforschung nichts zu tun", erklärt der Genea-
loge Lothar Müller-Westphal. Namen allein bringen nicht viel: "Unsere Nachnamen entstanden meist im
16. und 17. Jahrhundert." Bis dahin konnten selbst Brüder verschieden heißen: Voß (Fuchs) der Rothaarige,
Schneider wegen des Berufs, Urberger für den im gleichnamigen Dorf. Es hilft nichts: Wer Ahnen sucht,
muß Generation für Generation rückwärts gehen, Kirchenbücher sowie Archive durchstöbern – und meist
im 17. Jahrhundert aufgeben: Im 30-jährigen Krieg sind fast alle Papiere verbrannt.

Quelle: test 03/2003.

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