Was mußte bewacht werden ?

Was mußte bewacht werden ?

Beitragvon -sd- » 14.10.2020, 18:00

----------------------------------------------------------------------------------------

Ich kenne zwei Wächterberufe:

a) Feldschütz / Flurschütz / Schütz(e), auch Tagwächter:
Wacht gegen Diebstähle von Obst + Feldfrüchten, ackerlichen Geräten,
Tiere auf der Weide usw. Risikozeit: Erntejahreszeiten, Weidegang-
jahreszeiten: Dämmerungszeit morgens und abends, ggf. nachts
stichprobenartig.

b) Nachtwächter: Wacht gegen Feuer, Diebstähle und Ruhestörung
in der Ortschaft. Das größte Risiko war das Feuer. Am Beginn der
Nachtruhezeit (nach Jahreszeiten verschieden) Kontrolle, wo evtl.
noch Schornsteine rauchten und man nachfragen mußte, ob das Feuer
gelöscht ist oder noch wird; stündlicher / zweistündlicher
(nach Regen geringeres Risiko !) Rundgang, um Feuer frühzeitig
zu erkennen (eng bebaute Ortschaften bargen das Risiko, daß Feuer
auf Nachbarhäuser übergriff. Nach Heueinbringung größere Gefahr
der Selbstentzündung. Wenn Feuer nach evtl. Brandstiftung vorkamen,
wurde durch Freiwillige die Nachtwache verstärkt.

In meiner hessischen Heimat wurde in den 50er Jahren ein gefähr-
liches Feuer durch den Lokomotivführer gemeldet, der im ersten Zug
gegen 5 Uhr in der Dunkelheit das Feuer im Dorf gesehen und am
Bahnhof gemeldet hatte. Da gab es keine Nachtwächter mehr !

Wacht gegen Diebstahl war eher ein Nebeneffekt, außer wenn
fahrendes Volk in der Nähe war, da lebte vor allem Federvieh und
Stall-Hasen gefährlich ! Es gab allerdings auch Dorf-Arme, die
schon im Dunkeln mit Handwagen zur Ernte fuhren, obwohl sie gar
keine Felder besaßen. Meine Mutter, die das schon mal zufällig
beobachtet hatte, sagte aber auch: wie hätten die ihre Kinder
anders ernähren sollen ? Auch dafür gab es Nachtwächter.
Eine besondere Ausbildung gab es dafür wohl nicht. Vielleicht
nahm man erfahrene Soldaten/Heimkehrer. Es waren wohl sicher
nicht die reichsten Bürger, aber es waren aber auf jeden Fall
Vertrauenspersonen, teilweise für die "Schütze" sogar Respekts-
personen. Über die Bezahlung kann ich leider nichts berichten.

In der Nazizeit gab es noch die Blockwarte, die aber auch andere
Aufgaben hatten (z.B. hören, wer evtl. BBC - englische Nachrichten-
hörte, wer schwarz schlachtete, wer die Kriegsgefangenen /
Zwangsarbeiter am Tisch mit der Familie essen ließ, wer sich
nachts noch zu unerwünschten Feiern im Dorf herumtrieb, usw.),
die deswegen nicht sehr beliebt waren, wie man so hört.

Albrecht Kauschat

----------------------------------------------------------------------------------------
Lieber Forscherkollege Sommerfeld, natürlich dürfen Sie gerne
meinen Text übernehmen. Vielleicht können Sie außer meinem Namen
auch den Namen meiner verstorbenen Mutter
"Emma Kauschat geborene May, Glauberger Heimatforscherin",
dazu setzen, da ich von ihr die meisten Informationen habe. Sie war
die Enkelin des örtlich sehr bekannten Heimatforschers Johannes May
(+ 1930), der den Glauberg schon im 19. Jahrhundert erforschte.
Glauberg wurde in den 1990ern durch den Fund des Keltenfürsten
vom Glauberg sehr bekannt, was die Deutsche Bundespost durch eine
Briefmarke dokumentierte.
Insofern liegt mir die Heimat (auch die schlesische und ostpreußische
meiner väterlichen Linie) im Blut und sehr am Herzen.

Schlesien Glückauf ! Albrecht Kauschat
Benutzeravatar
-sd-
Site Admin
 
Beiträge: 4772
Registriert: 05.01.2007, 16:50

Zurück zu Die Not der frühen Nachkriegsjahre.

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast