Schickt zu Bett die dummen Jungen ...

Schickt zu Bett die dummen Jungen ...

Beitragvon -sd- » 18.04.2020, 11:13

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Emil Rittershaus 'Altes Rheingold'.

Schickt zu Bett die dummen Jungen
sagt den Weibern gute Nacht -
alter Wein, von Glut durchdrungen,
werde dann heraufgebracht.

Alter Wein ist's, den wir lieben.
Flaschen her mit moos'gem Bauch !
Junger Most, so steht's geschrieben,
paßt nicht für den alten Schlauch.

Wein, der halb erst aus dem Wickel,
ist für uns nicht richt'ge Art,
und das leichte Schaumgeprickel
ziemt für Lippen ohne Bart.

Das auf Rheinlands Hügelnacken
quoll aus Trauben, segenschwer,
altes Rheingold, frei von Schlacken,
dunkles Weingold bringt uns her !

Langsam gießt ins Glas, ins blanke,
sorgsam nun den edlen Saft -
und aus altem Rebentranke
holen wir uns Jugendkraft !

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Gotthold Ephraim Lessing
'An den Wein'.

Wein, wenn ich dich jetzo trinke,
wenn ich dich als Jüngling trinke,
sollst du mich in allen Sachen
dreist und klug, beherzt und weise,
mir zum Nutz, und dir zum Preise,
kurz, zu einem Alten machen.

Wein, werd' ich dich künftig trinken,
werd' ich dich als Alter trinken,
sollst du mich geneigt zum Lachen,
unbesorgt für Tod und Lügen,
dir zum Ruhm, mir zum Vergnügen,
kurz, zu einem Jüngling machen.

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Theodor Storm 'Oktoberlied'.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub,
schenk ein den Wein, den holden !
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden !

Und geht es draußen noch so toll,
unchristlich oder christlich,
ist doch die Welt, die schöne Welt,
so gänzlich unverwüstlich !

Und wimmert auch einmal das Herz -
stoß an, und laß es klingen !
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
schenk ein den Wein, den holden !
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden !

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
doch warte nur ein Weilchen !
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
und ehe sie verfließen,
wir wollen sie, mein wackrer Freund,
genießen, ja genießen !

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