Herbert Hupka 'Letzte Tage in Schlesien'.

Herbert Hupka 'Letzte Tage in Schlesien'.

Beitragvon -sd- » 22.11.2020, 12:53

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Die Eroberung Schlesiens durch die Rote Armee der Sowjetunion,
die sich anschließende Inbesitznahme des Landes an der Oder von
Oberschlesien bis ins Riesengebirge durch Polen hat den Betroffenen,
den Schlesiern, unendliches Leid gebracht. Das Recht des Siegers und
neuen Herren wurde brutal durchgesetzt, Rache unvorstellbaren
Ausmaßes forderte vieltausendfaches Opfer.

Was sich seit den Januartagen des Jahres 1945 bis zur Kapitulation
der deutschen Wehrmacht, was sich dann bis zur Unterzeichnung
der Potsdamer Protokolle im August 1945, was sich im ersten Winter
unter fremder Herrschaft in Schlesien ereignet hat, was für den
einzelnen, für die Familien, für die Alten und die Kinder, die heute
selbst schon wieder Eltern sind, die Vertreibung aus der Heimat
bedeutet hat, ist in diesem Buch der letzten Tage in Schlesien aus
Erinnerungen und Dokumenten zusammengefaßt. Eine derartige,
ganz Schlesien einbeziehende Darstellung der vielen Schicksale der
Schlesier hat es bislang noch nicht gegeben.

In Oberschlesien, im Industriegebiet, begannen die Stunden des
Leids bereits in der zweiten Januarhälfte des Jahres 1945, in der
Grafschaft Glatz und im Riesengebirge drang die Rote Armee erst
nach dem 8. Mai 1945 ein. Evakuierung ganzer Dörfer und Städte,
Erschießungen von angeblich Schuldigen, Vergewaltigungen,
Deportationen, die Trennung von Eltern und Kindern, Hunger-
epidemien, Taten der Verzweiflung, Plünderungen und Annexion
durch eine neue polnische Verwaltung sind in die hier veröffent-
lichten Aufzeichnungen geschichtsnotorisch eingegangen. Die
Görlitzer Neiße wurde plötzlich zur Grenzlinie erklärt. Hundert-
tausende Flüchtlinge, die vor der Roten Armee ihr Leben gerettet
hatten und jetzt in die Heimat zurückdrängten, wurden zu Ver-
triebenen, denn man ließ sie nicht mehr nach Hause, während
gleichzeitig die Zurückgebliebenen von Daheim verjagt und in
Güterwagen gepfercht in des Wortes wahrer Bedeutung abtrans-
portiert wurden.

Das Heldenlied der Frauen und Mütter wird gesungen, denn alles,
was geschah, und jede Entscheidung war auf sie, den Mittelpunkt
der Familie, zugeordnet, waren doch die Männer und Söhne noch
an der Front oder in Gefangenschaft geraten oder sogar bereits
gefallen. In welcher Weise gerade die Frauen ihren Mann gestan-
den haben - und man sollte sich nicht scheuen, es heldenhaft zu
nennen -, leuchtet in diesen Tagebüchern, Erinnerungen und
Dokumenten immer wieder auf.

Eine Bewältigung dieser bitteren Erfahrungen sollte möglich sein -
nicht indem die Wahrheit verschwiegen, sondern indem sie beim
Namen genannt und aufgearbeitet wird. Einer der Berichterstatter
schreibt: "Echte Versöhnung ist nur dann möglich, wenn Deutsche
und Polen sich zu ihrer Schuld in der Vergangenheit ehrlich beken-
nen. Nur die Wahrheit führt zur Freiheit und neuer Nachbarschaft."

Quelle: Buchklappentext
'Letzte Tage in Schlesien.'
Tagebücher, Erinnerungen und Dokumente der Vertreibung
zusammengestellt und herausgegeben von Herbert Hupka.

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