Rückkehr zivilverschleppter Deutscher.

Rückkehr zivilverschleppter Deutscher.

Beitragvon -sd- » 02.11.2017, 20:36

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Die Zivilverschleppten.
In der Sowjetunion zur Registrierung aufgefordert.


Das Deutsche Rote Kreuz äußerte dieser Tage die Hoffnung, daß die Sow-
jetunion in absehbarer Zeit weitere und zwar größere Heimkehrertransporte
nach Deutschland schicken werde. Man erklärte in Bonn, das Deutsche Rote
Kreuz hoffe auch, daß es Moskau gelingen werde, die Masse der in der Sow-
jetunion noch befindlichen deutschen Zivilverschleppten festzustellen. Nach
vorliegenden Unterrichtungen habe die Sowjetregierung damit begonnen,
die in vielen hundert Orten der Sowjetunion noch lebenden Deutschen zu
registrieren.

Bei dieser Gelegenheit wurde auch erklärt, daß die Zusammensetzung der
letzten in Deutschland eingetroffenen Großtransporte zeige, daß ein Teil
der Sorgen unbegründet sei, die man sich wegen der angeblich umstrittenen
Staatsangehörigkeit vieler Heimkehrwilliger gemacht habe. Mit den Trans-
porten vor Weihnachten seien sowohl Personen eingetroffen, die von jeher
die deutsche Staatsangehörigkeit besessen hätten, wie auch Volksdeutsche,
die erst nach den Staatsverträgen von 1939 über die Umsiedlung aus den
baltischen Ländern, aus Bessarabien, Galizien usw. die deutsche Staats-
angehörigkeit erhielten. Einige Heimkehrer seien sogar erst durch Verhei-
ratung Deutsche geworden. Wie in Bonner Regierungskreisen geäußert wird,
besteht die Gefahr, daß die Öffentlichkeit das Problem der Zivilverschlepp-
ten nicht in seiner großen Bedeutung erkennt. Er wurde daran erinnert, daß
1945 durch die Rote Armee eine systematische Verschleppung von mindestens
750.000 Deutschen aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und den anderen
Provinzen einsetzte. Auch Volksdeutsche, die ursprünglich aus dem Südosten
nach den deutschen Ostprovinzen gekommen waren, wurden verschleppt.
Nach sorgfältig durchgeführten Erhebungen ist man davon überzeugt, daß
annähernd hunderttausend Zivilverschleppte noch jetzt in der Sowjetunion
leben. Ihre Namen sind leider zum großen Teil noch nicht bekannt. Es gehört
zu den vordringlichen Aufgaben der nächsten Zeit, eine möglichst große
Anzahl von ihnen namentlich festzustellen. Sehr erschwert wurde die Namens-
feststellung dadurch, daß oft ganze Familien, ja sogar ganze Ortschaften,
geschlossen verschleppt wurden, so daß niemand mehr da war, der Auskunft
über das Schicksal der Verschleppten erteilen konnte. Aus Heimkehreraus-
sagen geht hervor, daß viele der Verschleppten Personen, auch wenn sie
von den Russen Schreiberlaubnis erhielten, deswegen nicht schreiben
konnten, weil sie gar nicht wußten, wo ihre vertriebenen Angehörigen
nunmehr in Deutschland wohnen.

In jüngster Zeit sind erfreulicherweise erstmalig auch Suchanträge von Ver-
schleppten selbst aus der Sowjetunion mit Genehmigung der Moskauer
Behörden an die DRK-Suchdienststellen gerichtet worden. Heimkehrer be-
richteten, daß in verschiedenen sowjetrussischen Ortschaften Verschleppte
durch einen öffentlichen Anschlag zur Registrierung aufgefordert wurden.

Ein erheblicher Mangel an Arbeitsplätzen für Spätheimkehrer besteht, wie der
Heimkehrerverband mitteilte, gegenwärtig im Bundesgebiet. Während für die
Spätheimkehrer eine große Zahl von Heiratsangeboten eingegangen sei, lasse
die Zuweisung von Arbeitsplätzchen noch zu wünschen übrig.

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 18. Februar 1956

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Die Rückkehr der zivilverschleppten Deutschen.
Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes verhandelt in Moskau.


Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Dr. Weitz, ist am Mittwoch
zusammen mit dem Leiter des DRK-Suchdienstes, Dr. Wagner, nach Moskau
geflogen, um sich in direkten Besprechungen mit dem sowjetischen Roten
Kreuz in die Nachforschung nach dem Schicksal der vermeinten Deutschen
und in die Zusammenführung der Familien einzuschalten. Die Rückkehr der
noch immer, in der Sowjetunion lebenden rund 100.000 zivilverschleppten
Deutschen, wird in Moskau zur Diskussion stehen. Von über 16.000 liegen
dem Deutschen Roten Kreuz sogar nähere Angaben über ihren jetzigen
Aufenthalt in der Sowjetunion vor. Am letzten Wochenende ist der sowje-
tischen Regierung bereits die siebente offizielle Liste der Bundesregierung
mit den Namen von weiteren rund 1.000 Deutschen überreicht worden, die
nachweislich in der Sowjetunion leben und den dringenden Wunsch haben,
endlich wieder in die Heimat zurückkehren zu können.

Weitere Listen werden vorbereitet. Allein 50.000 Briefe dieser Deutschen
mit Hilferufen an die deutsche Botschaft in Moskau liegen heute bereits
beim Deutschen Roten Kreuz vor.

Wie aus Berlin bekannt wird, führt auch eine Delegation des sowjetzonalen
Roten Kreuzes unter Leitung von Dr. Werner Ludwig, des Präsidenten des
sowjetzonalen Roten Kreuzes, Verhandlungen in Moskau.

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 23. Februar 1957

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