In Königsberg i. Pr. starben täglich 800 Menschen.

In Königsberg i. Pr. starben täglich 800 Menschen.

Beitragvon -sd- » 14.11.2018, 11:24

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Altersheim Königsberg-Speichersdorf.

Auf eine Anfrage im Ostpreußenblatt im Mai 1950 nach der Leiterin des Altersheims
Königsberg erhielt eine Leserin, Frau G. Reichert in Marienwolde bei Mölln, im Oktober
einen erschütternden Bericht von dem Schicksal der Insassen dieses Heimes von Schwester,
Auguste Bähr, die wie durch ein Wunder gerettet wurde. Schwester Bähr schrieb:

„Am 6. April 1945 lag der Russe früh vor unserm Heim. Es wurde schwer im Park gekämpft.
Abends um sechseinhalb Uhr wurden wir Schwestern mit zwanzig Insassen und einigen
Mädchen nach der Stadt getrieben. Am 8. April früh gerieten wir in Gefangenschaft und
wurden vierzehn Tage im Lande herumgetrieben, wobei wir uns nach und nach alle ver-
loren. Bei der Rückkehr am 21. April wurden wir mit 33 anderen Menschen in einem Raum
untergebracht und erkrankten schwer. Das Heim war zum größten Teil ausgebrannt. Von
den Insassen war niemand am Leben. Wir durften nicht hin. Als wir nach der Krankheit
aufstanden, mußten wir für die Russen arbeiten. Jedenfalls sind alle umgekommen. Nicht
nur in unserem Heim, sondern auch in allen anderen Heimen sind alle an Hunger und
Krankheit ums Leben gekommen. Es starben in Königsberg im Sommer 1945 täglich etwa
800 Menschen, die von einem bekannten Herrn, der durch die Krankenhäuser ging, notiert
wurden. Wie viele noch nebenbei starben, wird man wohl niemals erfahren. Daß wir,
beide Schwestern, mit dem Leben davongekommen sind, ist ein Wunder von Gottes Hilfe.
Am 30.10.1947 wurden wir endlich ausgewiesen und kamen nach Schleswig-Holstein. …“

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 20. Februar 1951

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