Mitochta = "Min Tochter".

Mitochta = "Min Tochter".

Beitragvon -sd- » 26.11.2018, 20:10

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Das Kosewort der Großmutter.

Viele Mütter hängten in den ungewissen Tagen der Flucht ihren Kindern ein Papp-
täfelchen um, auf dem der Name des Kindes, Geburtsort und -datum angegeben
waren. Diese Vorsichtsmaßnahme hat sich oft bewährt, denn die Kleinsten vergaßen
leicht ihren Familiennamen, während sie sich an andere Dinge ganz gut erinnerten.

Ein kleiner Junge aus dem Kreise Tilsit-Ragnit nannte sich Hans-Joachim Mitochta,
und wurde unter diesem Namen auch in die Kartei eingetragen; doch unter den
Millionen Namen, die in der Vertriebenen-Kartei geführt sind, gab es diesen
Namen nicht.

Der kleine Hans-Joachim erzählte auf weiteres Befragen eine Menge Dinge von da-
heim. Der Vater habe eine große Tasche umgehabt und viele Briefe weggetragen;
er habe ihn aber schon lange nicht mehr gesehen; nur die Oma sei immer bei der
Mutti gewesen. Und die Oma habe auch immer zur Mutti "Mitochta" gesagt, so hieße
er also doch auch !

"Min Tochter" hatte die Großmutter die Mutter angeredet, in der traulichen, ost-
preußischen Mundart und darauf fußend hatte der Enkel seinen angeblichen Familien-
namen abgeleitet und unbewußt den Suchdienst irregeführt. Später gelang es, zwei
Tanten des Jungen zu ermitteln. Sein Name wurde festgestellt: Joachim Kimminus,
geboren am 24. April 1939, aus Pogegen stammend. Die Tanten bestätigten, was der
Neffe erzählt hatte. Sein Vater war wirklich Briefträger gewesen und ist Anfang des
vorigen Jahres gestorben. Die Mutter wird noch vermißt. Sie hatte mit der über
achtzig Jahre alten Großmutter zusammengelebt; auch die Schilderung, die der
Knabe von der elterlichen Wohnung gegeben hatte, entsprach den Tatsachen.

Die Identifizierung des Joachim Kimminus wurde durch die Angabe der Tanten er-
leichtert, das Kind habe eine Narbe vom Haaransatz über die Mitte der Stirn gehabt.
Diese war schon verwachsen, aber der Kinderarzt konnte doch noch die Spuren auf
der linken Seite feststellen. Eine andere Angabe der Tanten bereitete Schwierig-
keiten; beide sagten aus, der Junge habe blaue Augen gehabt. Hier ergab die ärzt-
liche Untersuchung, daß die inzwischen nachgedunkelten Kinderaugen einen blauen
Rand an der Iris aufwiesen. Nun wartet der bald Zwölfjährige auf seine Mutter.
Ob er sie findet ?

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 20. März 1951

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Ergänzende Bemerkung von Inge Barfels v. 23.11.2018, Telefonat mit seiner Frau.
Herr Joachim Kimminus ist vor vier Jahren verstorben. Ein Bericht über ihn soll im
'Dampfboot' erschienen sein. Es sollen noch Verwandte leben.
Frau Kimminus hat erlaubt, daß ich ihre Telefonnummer an die Ostpreußen
weitergeben darf.
Kimminus, Joachim u. Marianne, 59872 Meschede, Tel. 02903 61 21.
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