Woher kommt der Ausdruck ?

Woher kommt der Ausdruck ?

Beitragvon -sd- » 25.01.2017, 18:27

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Woher kommt der Ausdruck 'Einen Bock schießen ?'

Welch eine fatale Angelegenheit, wenn man "einen Bock geschossen" hat,
das heißt, sich irgend einen Fehlgriff geleistet hat. Eine solche nicht eben
rühmenswerte Fehlleistung hat nichts mit der stolzen Freude zu tun, die
der Jäger empfindet, wenn er im Revier mit lautem Halali sein Jagdglück
verkündet. Die Bezeichnung ist von den Schützenfesten hergeleitet, wo
derjenige, der den schlechtesten Schuß abgab, mit "Bock" benannt wurde,
als Trostpreis sogar mitunter einen Bock erhielt. "Etwas verbocken", das
ist halt etwas sehr schlecht, sehr verquer ausführen. Da verdienen wir es
manchmal nicht besser, als daß der Bock uns auf seine Hörner nimmt,
und daß wir nur so springen.

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, April 1960

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Woher kommt der Ausdruck 'Er hat Lunte gerochen ?'

Das heißt, er ist wohl mißtrauisch geworden, er hat wohl "Wind bekommen"
von unseren Plänen. So spricht man es hin, aber wer weiß heute noch, was
eine Lunte ist ?
Als man anfing, bei kriegerischen Auseinandersetzungen sich der Feuer-
waffen zu bedienen, spielte die "Lunte" eine große Rolle. Dies war eine
lange Zündschnur aus Hanfstrick, die zum Glimmen gebracht wurde, und
langsam kroch der glimmende Funke bis zur "Pfanne" der Gewehre oder
der Geschütze und brachte dort das Pulver zur Entzündung. Der brenzlige
Geruch, den die glimmende Lunte verbreitete, wurde oft zum Verräter.
Der Feind nahm den brenzligen Geruch wahr, bevor geschossen wurde,
und konnte sich in Sicherheit bringen.

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, Juni 1960

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Woher kommt der Ausdruck 'Die Sache hat Hand und Fuß ?'

Also ist man vollauf beruhigt, denn eine Sache mit Hand und Fuß ist ein
komplettes Ding, etwas Vollständiges, in das man Vertrauen setzen kann.

Wenn Hand und Fuß für das Rechtsempfinden sich als besonders bedeutungs-
voll einbürgern konnten, so hat das seine Erklärung darin, daß die Hand und
der Fuß, exakter gesprochen: die rechte Hand und der linke Fuß einen Mann
als vollgültig erscheinen ließen. Mit der rechten Hand führte er sein Schwert,
mit dem linken Fuß trat er in den Steigbügel seines Pferdes. Der Verbrecher
wurde bestraft, indem man ihnen die rechte Hand und den linken Fuß ab-
schlug: jetzt war er nicht mehr kriegstüchtig. Nehmen Sie einer Sache Hand
und Fuß, und sie ist belanglos geworden. Eine Sache hat Hand und Fuß:
das ist etwas Rechtes !

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, Juni 1960

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Woher kommt der Ausdruck 'Leben wie Gott in Frankreich' ?

Also sorglos und bequem, ohne Bemühung. Zur Zeit der Französischen
Revolution war der Herrgott für eine Zeitlang abgeschafft, man glaubte
nur mit Vernunft die Menschen regieren und das Christentum entbehren
zu können. Der liebe Gott war sozusagen nicht mehr nötig und brauchte
sich um seine Menschen nicht mehr zu kümmern, die Sorge, hatte der
revolutionäre Mensch ihm abgenommen.
"Der lebt ja wie Gott in Frankreich" heißt also heute, der lebe sorglos
und bar aller Verantwortung, einfach so in den Tag hinein. Diese etwas
frivole Redewendung schließt jedoch auch immer eine kleine Rüge
in sich für alle diejenigen, die allzu sorglos und allzu gemütlich sich
gehen lassen.

Quelle: OSPREUSSEN-WARTE, August 1960

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Woher kommt der Ausdruck 'Der ist nicht von Pappe' ?

Sondern eben ein recht kräftiges Bürschchen, einer von jenen, denen der
Bizeps schwillt, bei dessen Anblick naive Gemüter gern in rettungslose
Bewunderung versinken. — Man sollte meinen, an diesem Ausdruck gäbe
es nicht viel zu erklären. Pappe, dieses weiche, nachgiebige Material, ist
nicht der Baustoff von diesem und jenem. Doch hier irrt der Laie. Gemeint
ist ursprünglich der weiche "Papps", mit dem man früher ganz allgemein
die Säuglinge "päppelte", der ja, neuzeitlichen Ernährungswissenschaften
zufolge, nicht gerade kernige Gewebe und schwellende Muskeln aufbaut.
"Der ist nicht von Pappe !" — der ist nicht mit Kinderbrei gepäppelt worden,
sondern nehmen wir an, es ist jemand, dessen verständnisvolle Mutter ihm
'Bircher-Müesli' gab!

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, September 1960

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Woher kommt der Ausdruck 'Hinter dem Busch halten' ?

Mit der Sprache nicht herausrücken, nicht klar zu erkennen geben, was
man im Schilde führt. Wie so viele unserer bildhaften Redewendungen
stammt auch diese aus den Zeiten des Rittertums, allerdings des schon
entarteten, berüchtigten Raubrittertums. Der edle Stand der Ritter war
allmählich herabgesunken zu bloßen Wegelagerern. Sie lauerten den
Handelsreisenden und Bauern an versteckter Stelle auf — hinter einem
Bergvorsprung, hinter einem Busch, bis der Augenblick günstig war, her-
vorzusprengen mit ihrem "Buschklepper" und die Reisenden auszurauben.
Das Hinterhältige, ist beiden Situationen gemeinsam, dem schnöden
Raubritter aus mittelalterlichen Zeiten ebenso wie seinem Nachfolger,
der etliche Jahrhunderte später sein verstecktes Spiel im heutigen
zivilisierten Leben treibt.

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, November 1960

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