Oxboel - Ein Ehrenmal soll errichtet werden.

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Oxboel - Ein Ehrenmal soll errichtet werden.

Beitragvon -sd- » 18.10.2018, 21:15

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Oxboel ruft uns !
Wir wollen den Friedhof würdig gestaltenEin Ehrenmal soll errichtet werden.


Nahe dem jütländischen Städtchen Varde liegt Oxboel, ein kleines Heidedörfchen nur
wie viele andere an der Westküste Dänemarks, — und doch lebt sein Name in der
Erinnerung vieler ostpreußischer Menschen. Für sie ist er verbunden mit der Erinner-
ung an sehr viel Not und Sorge, Entbehrung und Hoffnungslosigkeit. Für Hunderte
von ihnen wurde der Ort zur schicksalhaften Erfüllung, — sie wurden während der
Internierungsjahre auf dem Lagerfriedhof zur Ruhe gebettet.

Hinter uns liegt Varde, - unser Ziel ist jetzt Oxboel. Aus einem breiten Gürtel von
Laubbäumen schimmern uns bald die weißen Häuser des Dörfchens entgegen, und
über ihnen grüßt uns der wuchtige Turm der Kirche. Unser Weg führt vorbei am
Bahnhof und dem kleinen Hotel, und wir nähern uns schließlich der „Halle“. Sie hat
sich nach den Aussagen derer, die sie von früher kennen, nicht verändert. Weiter
führt der Weg an schönen Einfamilienhäusern vorbei zum Wald. Die alten „Oxboeler“
würden sich heute kaum mehr zurechtfinden. Aus den Schonungen sind inzwischen
richtige kleine Wäldchen geworden, und kaum mehr etwas läßt darauf schließen,
daß in ihnen damals lange Reihen von Baracken gestanden haben. Selten nur wird
die Ruhe durch einen Laut unterbrochen, so ist auch der Friedhof eine Stätte voll-
kommener Ruhe. Zunächst bemerkt man kaum, daß man schon am Friedhof steht.
Die damals noch kleinen Bäume haben sich prächtig herausgemacht. Zusammen
mit den Sträuchern haben sie sich zu einem festen Gürtel entwickelt, und jedem
Beschauer bleibt daher zunächst der Blick auf den Friedhof verschlossen.

Den Friedhof selber würden die „alten Oxboeler" heute kaum mehr erkennen, auch
er hat sich verändert. Verschwunden sind die Grabhügel, an ihre Stelle sind Massen-
gräber getreten. Verschwunden sind auch die Kreuze mit den Namen, — an ihrer
Stelle stehen an den Fußenden kleine Blechnummern. Nur das Holzkreuz in der Mitte
steht unverändert an der alten Stelle, umgeben von einem Kranz von Blumen.

Am Ende der Internierungszeit wurden die Angehörigen der Toten in alle Winde zer-
streut. Viele können die Fahrt hierher nicht mehr machen. So stehen denn wir nun
schon zum vierten Mal — in jedem Jahre einmal — hier an dieser Stelle. Wir sind
stellvertretend für alle unsere Landsleute und bringen alle Liebe unserer Herzen
den Toten unserer Heimat. Niemand hat uns aufgefordert. Viele von uns stehen
zum ersten Mal hier, und doch ist die Sorge für diesen Friedhof für uns Aufgabe
und Auftrag geworden.

Stets haben wir den Friedhof sauber vorgefunden, und wir können zur Ehre der
dänischen Menschen sagen, daß sie ohne ein Dankeswort aus christlicher Nächsten-
liebe die Arbeit verrichtet haben, um uns allen diesen Friedhof zu erhalten. Von
ihnen aber können wir nicht auch noch verlangen, daß sie jedes Grab mit einer
persönlichen Note versehen.

Jedes Mal, wenn unsere Arbeit auf dem Friedhof getan war, zeigte sich uns ein
schönes Bild: geharkt waren alle Wege, zu hohes Gras war gerupft, auf den Grab-
reihen lagen Kreuze aus Heidekraut, und ein Blumenmeer umgab das Kreuz im
Mittelpunkt. Drei Jahre lang haben wir, Mädel und Jungen der ostpreußischen
Jugendgruppe aus Kamen, diese Arbeiten alleine verrichtet. Im letzten Jahr bildeten
wir nur den Kern einer Fahrtengruppe junger Ostpreußen, die aus allen Teilen der
Bundesrepublik zusammengekommen waren. Damit wurde diese Aufgabe in Oxboel
über den Kreis der Mädel und Jungen aus Kamen hinaus erweitert auf die gesamte
ostpreußische Jugend.

An dem Vertriebenenfriedhof in Oxboel wird sich sicher nichts mehr ändern, sein
Ausmaß und seine Anlage gelten als abgeschlossen. Keine deutsche Stelle hat es
bisher gemeinsam mit den maßgebenden Stellen in Dänemark unternommen, die
endgültigen Anlagen der deutschen Friedhöfe in diesem Lande zu gestalten. Wir
haben einen großen Teil dieser Friedhöfe in Jütland gesehen. Ihr Aussehen ist gleich,
sie alle wirken aber neben den Friedhöfen der Amerikaner oder Engländer direkt
kümmerlich und sind beschämend für unser Volk.

Wenn wir versuchen, objektiv zu denken, müssen wir erkennen, daß die Internierung
unserer Landsleute damals aus einer gewissen Zwangslage heraus geschah. Sie ist nicht
etwa aus Drang nach Vergeltung oder aus Boshaftigkeit vollzogen worden. Einsichtige
unter unseren Landsleuten hatten dies schon zurzeit der Internierung eingesehen.
Gewiß ist jedes Leben hinter Stacheldraht erniedrigend. Verkennen wir aber nicht die
Leistungen des dänischen Volkes, die es für alle Internierten aufbringen mußte, und
das nach einer wirklich schwierigen Besatzungszeit. Die Bundesrepublik zahlt an viele
Staaten Wiedergutmachungsgelder, die kaum so unter der Last des Krieges gelitten
haben wie gerade Dänemark, und ich meine, daß es auch an der Zeit wäre, daß wir dem
dänischen Volk wenigstens einen Teil der Kosten erstatten, die ihm durch die Internierung
entstanden sind. Wie könnten wir da verlangen, daß Dänemark die Kosten für die Instand-
haltung aller Friedhöfe aufbringen sollte ?

Wir haben eine Zusammenarbeit mit dänischen Jugendgruppen gefunden. Über den
Gräbern unserer Toten haben wir uns die Hände gereicht und versucht zu zeigen, daß
es keinen gegenseitigen Haß mehr zwischen unseren Völkern gibt.

Die Kirchenleitung von Oxboel hat versichert, daß der Friedhof so lange erhalten bleibt,
wie wir ein Interesse daran bekunden. Nach Kenntnis der Dinge habe ich der Kirchen-
leitung Vorschläge für die Gestaltung des Friedhofs unterbreitet, deren Durchführung
bereits eine mündliche Erlaubnis erhalten hat. Zurzeit liegen Pläne bei der Oxboeler
Kirchenleitung vor. Die Umgestaltung berührt nur Teile der Anlage, erstreckt sich jedoch
keinesfalls auf die Gräber. An Stelle des jetzigen Kreuzes im Mittelpunkt wird sich ein
massives Ehrenmal erheben. Der alte Haupteingang des Friedhofes ist an eine andere
Stelle verlegt worden, und wir werden noch in diesem Jahre den neuen Eingang errichten.
Er soll aus zwei massiven Pfeilern und einem handgeschmiedeten Tor bestehen. Die
Kirchenleitung will von sich aus eine Bronzetafel mit allen Namen der Toten am Eingang
aufstellen. Später wird ein Zaun den Friedhof umgeben.

Ihr könnt Euch nun alle vorstellen, daß neben den Arbeiten, die zu leisten sind, das
Material für das Ehrenmal und das Tor sehr viel kosten wird. Die Zechenleitung in
Kamen stellt uns das Holz für das vorgesehene Doppelkreuz kostenlos zur Verfügung.
Daneben fuhren wir mit Steinbrüchen Verhandlungen über eine kostenlose Lieferung
der notwendigen Steine. Wir hoffen so das Material aus Spenden zusammenbringen
zu können. Unsere Jungen werden das Denkmal so vorbereiten, daß in Oxboel nur der
Aufbau erfolgen muß.

Wir hoffen, daß uns die Landsmannschaft auch in diesem Jahr eine finanzielle Unter-
stützung gewähren wird. Allein können wir das erforderliche Geld für das Baumaterial
und den Transport nicht aufbringen. Die Deutsche Kriegsgräberfürsorge wird uns auch
nicht helfen können, denn sie hat noch gewaltige Aufgaben in anderen Ländern zu be-
wältigen. Wir wollen jedoch nicht verzagen, vielleicht findet sich auch der eine oder
andere unter unseren Landsleuten bereit, unsere Arbeit zu unterstützen.

Ostpreußische Mädel und Jungen ! Mit dem Wiederaufbau unserer Heimat können wir
noch nicht beginnen, aber mit dem Bau des Ehrenmals in Oxboel können wir beweisen,
daß wir auch hier im Westen in Treue zum ostpreußischen Gedanken stehen.
Ich rufe Euch alle zur Mitarbeit auf ! Helft mit ! Hans Linke, Kamen.

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 22. Februar 1958

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