Frische Nehrung. Kuhrische Nehrung.

Familienforschung / Recherchen in Preußisch-Litauen.

Frische Nehrung. Kuhrische Nehrung.

Beitragvon -sd- » 13.12.2018, 21:46

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Einsame Welt der Frischen Nehrung.

Das war an einem sonnigen Julitag, mittags auf der Frischen Nehrung bei Narmeln:
Das Land scheint den Atem anzuhalten in dieser Stunde und in die Stille zu lauschen,
die von den Horizonten des Haffs herüberwächst. Einsamkeit ist auch um das Fischer-
gehöft am Strand; es mag verlassen sein wie die Boote am Ufer und wie der Wagen
hinter dem Haus, unter dem Schirm der Kiefern. Draußen, auf dem kaum bewegten
Wasser, blinkt ein Segel in der Sonne, und ganz in der Ferne, schwer mit bloßem Auge
wahrzunehmen, verblaut die Küste zwischen Balga und Braunsberg im Dunst der
Sommerglut.

Weil die Sonne schon frühzeitig hinter den grünen Nehrungshängen versinkt, kommen
die Schatten der Dämmerung in diesen Winkel eher als anderswo. Die offene weite
über dem Haff aber bleibt noch lange von dem Widerschein des Lichts erfüllt, und in
den Hochsommernächten ist es, als leuchten der Himmel, das Wasser, der Sand und
die ferne Küste wie aus sich selber mit aufgespeicherter Kraft bis zum kommenden
Morgen, seltsam und schön.

Über das Erlebnis einer Nachtwanderung auf der Frischen Nehrung und über das
harmonische Zusammenspiel von Wald und Meer, vom Rauschen der Brandung und
von dem Schweigen der Natur, berichtet ein Beitrag auf Seite 9 dieser Ausgabe.

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 5. Juli 1958

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Von den Wogen aufgeworfen. Wanderdüne als Naturdenkmal.

Die Frische Nehrung in ihrer heutigen Gestalt ist eine junge Erdbildung. Sie entstand,
als das eiszeitliche Meer zurückflutete. Das Land hob sich, und die Flußmündungen
versumpften. Im Widerspiel der Meereswogen und des anströmenden Flußwassers
lagerten die Wellen mitgeführte Sinkstoffe ab. Es bildete sich eine immer weiter
wachsende Sandbank, die sich zu einem Wall auftürmte und zu festem Land wurde.
Dieser schmale Landstreifen trennt das Frische Haff von der Ostsee.

Die rund 60 Kilometer lange Frische Nehrung ist an ihrer schmalsten Stelle 400 Meter
breit; bei Pröbbernau erreicht sie eine Breite von drei Kilometern. Bis zum Ende des
17. Jahrhunderts war die ganze Nehrung bewaldet. Von Pillau bis nördlich vor Kahlholz
wurde der Wald geschlagen, und es bildeten sich Wanderdünen, die — wie auf der
Kurischen Nehrung — Dörfer und Waldstücke verschüttet haben. Durch künstlich
geschaffene Vordünen und Wiederanpflanzungen wurde ein Weiterrücken der Sand-
massen verhindert. Erhalten blieb jedoch als Naturdenkmal die 26 Meter hohe, kahle
Wanderdüne zwischen Straubucht und Forsthaus Grenz.

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 5. Juli 1958

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Ergänzende Erläuterungen zum Begriff 'Haff':

Ein Haff ist ein durch eine Nehrung oder durch vorgelagerte Inseln vom tieferen Haupt-
teil des Meeres getrennter Brackwasserbereich. Das Haff gehört damit zu den inneren
Küstengewässern.

Beispiele sind:
das Frische Haff mit den Flüssen Nogat, Pregel (Прего́ля, Pregolja),
das Kurische Haff mit der Memel (Nemunas).

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Balga bei Heiligenbeil, auf der Westseite einer in das Frische Haff hinein-
ragenden Landzunge, nordöstlich von Elbing und südwestlich von Königsberg i. Pr.,
auf einer Landkarte von 1910:

https://de.wikipedia.org/wiki/Balga#/me ... rg1910.jpg

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