Besonderheiten zu und über Familiennamen.

Schreibvarianten von Familiennamen. Änderungen von Familiennamen. Namensähnlichkeiten. Beispiele.

Besonderheiten zu und über Familiennamen.

Beitragvon -sd- » 04.08.2017, 16:22

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Eine interessante Quelle zu und über Familiennamen fand sich *)
unter http://www.phil-gesch.uni-hamburg.de/ed ... enealogie/

5.3 Besonderheiten

a) Rückbildung von Familiennamen zu Rufnamen

In Nordwestdeutschland (aber auch in England) kam es vor, daß sich
Familiennamen zu Rufnamen zurückbildeten. So erhielt der Sohn den
Familiennamen der Mutter als Rufnamen, wenn sie die letzte ihrer
Linie war oder dem Sohn ihr väterliches Gut vererbte.

Zwei ähnliche Phänomene sind zu beobachten: Der Bauernstand ver-
erbt den Hofnamen dem Sohn als Familienname, wenn die Mutter die
Erbtochter des Hofes ist. Der Adel hingegen behält den alten Fami-
liennamen bei und vererbt den Familiennamen der Mutter den Nach-
kommen als Rufname. Ein Beispiel sei gegeben:

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es zu einer doppel-
ten Heirat innerhalb von zwei Familien. Albert von Haxthausen hei-
ratete Jutta von Elmeringhausen. Eine Schwester von Albert heira-
tete einen Bruder Juttas. Man schloß einen Erbvertrag. Der Familien-
zweig, der überlebt, sollte die Güter übernehmen und den Familien-
namen der ausgestorbenen Familie als Rufnamen weitergeben. Die
Elmeringshausen starben 1470 aus, so daß ein Urenkel Alberts die
Güter des anderen Zweiges übernahm und dann Elmerhaus von Haxt-
hausen (1587) hieß. Elmerhaus wurde bis in die Neuzeit als Vorname
immer wieder vergeben.

Nicht allzu häufig kam es vor, daß der eigene Familienname als Ruf-
name weitergegeben wurde: Kanne Kanne (1371-1430) hatte einen
Enkel, der auch Kanne Kanne hieß (1448-1474), und dieser hatte
eine Schwester, die Friedrich Schwartz heiratete, die zusammen
den Sohn Kanne Schwartz bekamen.

b) Übersetzte und fremdsprachige Familiennamen

Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit wurden Namen hebräi-
siert, gräzisiert und latinisiert. Diese Mode erfreute sich besonders
bei Humanisten großer Beliebtheit. Der Pfarrer und Historiograph
Andreas Engel fügte an seinen Namen zuweilen die lateinische
Endung -ius an oder latinisierte ihn völlig. Die Ergebnisse waren
Andreas Engelius oder Andreas Angelus. Auch Mönche legten sich
lateinische Beinamen zu. Bekannt ist Notker Balbulus, was soviel
bedeutet wie Notker der Stammler. Auch kam die römische Drei-
namigkeit wieder in Mode. Familiennamen fremder Herkunft kamen
meistens aus dem polnischen, wendischen, litauischen, masurischen
oder preußischen, die im Zuge der mittelalterlichen Ostsiedlung an-
genommen wurden. Familiennamen anderer Herkunft sind hingegen
seltener.

c) Der Briefadel

Dem Familiennamen des Briefadels wurde in der Regel ein Ortsname
angefügt, der aber nicht existieren durfte. Der Name Müller von
Rosenberg war nicht möglich, da es einen Ort "Rosenberg" gab. Müller
von Rosenstein hingegen war möglich. Aufgrund von Adelserhebungen
kam es auch zu besonders bemerkenswerten Namensauswüchsen. So
gab es einen Pferdeliebhaber, der sich nach der Erhebung Kadich Edler
von Pferd nannte. Durch die Untersuchung des Namens kann also Brief-
von Uradel unterschieden werden.

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*)
Die Herkunft dieses Textes konnte (bisher) nicht festgestellt werden.
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