Aus Frankreich über die Pfalz nach der Uckermark.

Aus Frankreich über die Pfalz nach der Uckermark.

Beitragvon -sd- » 17.07.2013, 11:06

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Vor rund 300 Jahren kamen die ersten hugenottischen Ansiedler aus Frankreich
über die Pfalz nach der Uckermark. Ihnen folgten viele Pfälzer, die mit den
Hugenotten die reformierten Gemeinden bildeten.

Während der schweren zum großen Teil kriegerischen Auseinandersetzungen
der katholischen Herrscher in Frankreich und den Kreisen, die der calvinisti-
schen Lehre anhingen, flohen viele Familien der Letzteren während des 16.
und 17. Jahrhunderts ins Ausland. Sie wurden als Hugenotten bezeichnet und
kamen aus den spanischen Niederlanden, zu denen Flandern mit dem Ländchen
L'Alloeu, das Calaisis, die Thièreche, der belgische Hennegau und das Artois
gehörten. Ferner flüchteten aus allen Teilen Frankreichs reformierte Gläubige
nach der Pfalz. In der Zeit zwischen dem Pyrenäenfrieden um 1659 und dem
sogenannten Revolutionskrieg 1667 war die Auswanderung am stärksten.
Über die Schweiz waren ebenfalls viele französische Flüchtlinge gekommen,
denen sich Schweizer der reformierten Lehre angeschlossen hatten.

Als 1685 der reformierte Kurfürst Karl II. von der Pfalz starb, übernahm ein
katholischer Nachfolger das Land, und die hierher geflüchteten Hugenotten
sahen sich neuen Repressalien ausgesetzt, zumal auch der französische
König Ludwig XIV Ansprüche auf die Pfalz geltend machte und zum Krieg
rüstete zu dem es 1688 kam. Infolgedessen zogen viele Hugenotten und
Pfälzer nach anderen Gebieten.

Der Große Kurfürst von Brandenburg, der reformierten Glaubens war, erließ
am 10. Januar 1686 das Edikt von Potsdam, das Flüchtlingen in seinen vom
30jährigen Krieg verwüsteten Ländern Asyl bot und ihnen Glaubens- wie
Gewerbefreiheit zusichert. Vorwiegend wurde die Uckermark für ländliche
Berufe eine Zufluchtstätte, wo fast 3.000 Bauernstellen wüst gelegen hatten.
Die nach der Uckermark gekommenen Franzosen waren meist wallonischer
Abstammung und wie 1752 von P. Robert berichtet wird, hatten sie schon
über 20 Jahre in der Pfalz gelebt. Sie erhielten neben Land und freiem Bau-
holz einen Vorschuß an Geld zu Anschaffungen von Vieh und Gerät und zehn
Jahre völlige Steuerfreiheit und weitere zehn Jahre halbe Steuerfreiheit.

Diese Privilegien der Kolonisten beschwörten bei den Alteingesessenen Miß-
gunst herauf, und es kam vor, daß auch lutherische Prediger ihren reformier-
ten Amtsbrüdern bei der Ausübung ihres Berufes Schwierigkeiten machten.

Besonders möchte ich der eingewanderten Prediger gedenken, von denen mir
leider nur spärliche Angaben zugängig waren. Sie waren meist schon mit ihren
Heimatgemeinden auf der Flucht über die Pfalz nach Brandenburg gekommen
und hatten alle Not und Kümmernisse mit ihnen getragen. Sie waren die am
schwersten und härtesten Verfolgten und hatten oft schon ihres standhaften
Verhaltens wegen in Kerkern gesessen, ehe ihnen die Flucht gelang, die unter
Todesstrafe stand. In der neuen Heimat waren es wieder die Prediger, die den
Glauben der Väter wach hielten, ihn weitergaben und die französische Sprache
am längsten pflegten. Die Gottesdienste und der Schulunterricht wurden in
französischer Sprache gehalten. Die Kirchenbücher sind bis ungefähr 1840 in
französischer Sprache geführt worden.

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Der vorstehende Text stammt von der mittlerweile verstorbenen Johanna Oqueka.
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