Basisinformationen.

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Beitragvon -sd- » 14.07.2012, 10:07

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Hugenotten (franz. Huguenots), Name der französischen Protestanten, der wahrscheinlich von den protestantischen
Genfern herrührt, die im Kampfe gegen Savoyen sich an die Schweizer anlehnten und deshalb die Partei der 'Eidgenossen'
oder in französischer Verstümmelung Huguenots genannt wurden.

Schon unter König Franz I.hatte der unter den Gebildeten herrschende, der alten Kirche feindliche Humanismus der Reforma-
tion Eingang verschafft, die, von des Königs Schwester Margarete von Navarra begünstigt, besonders unter den Gelehrten
große Verbreitung fand. 1523 entstand in Meaux die erste lutherische Vereinigung. Indes politische Rücksichten und despo-
tische Gesinnung veranlaßten Franz I. zur Verfolgung der Lutheraner, deren viele seit 1525 hingerichtet wurden. Nichtsdesto-
weniger dehnte sich der Protestantismus schnell unter Adel und Bürgertum aus, und gerade die Verfolgung ließ an Stelle des
friedfertigern Luthertums die streitbare und tatkräftige Lehre Calvins treten. Vergebens steigerte Heinrich II. (1547-1559)
noch die Schärfe der Verfolgung. Bei seinem Tode zählten die Reformierten schon 400.000 Anhänger und hatten im Mai 1559
ihre erste große Landesversammlung gehalten, die sie in Gemeinden, Provinzialsynoden und einer Nationalsynode in demo-
kratischem Sinn und auf praktische Weise organisierte und zugleich in 40 Glaubens- und ebensoviel Disziplinarartikeln ihr
Bekenntnis auf Calvinscher Grundlage feststellte. Die prinzliche Familie Bourbon und das mächtihe Haus Chatillon übernahmen
ihre Führung, während die Guisen ihre erbittersten Gegner wurden. Da diese unter dem König Franz II. (1559-1560) die Regie-
rung in Händen hatten, verhängten sie über die Hugenotten die schlimmsten Verfolgungen. Indes ehe die Guisen ihren Zweck
erreicht hatte, starb Franz II., und für dessen minderjährigen Bruder, Karl IX., übernahm die Königin-Mutter Katharina von
Medici die Regentschaft, die sie, aus Eifersucht gegen die Guisen, derart hugenottenfreundlich gestaltet, daß man an ihren
Übertritt zum Calvinismus glaubte.

Die Ständeversammlung von Orléans (im Dezember 1560) zeigte sich, mit Ausnahme der Geistlichkeit, diesem Bekenntnis
durchaus geneigt. Katharina veranstaltete zwischen katholischen und reformierten Geistlichen zu Poissy (im September 1561),
ein Religionsgespräch, das mit dem Siege der Protestanten endete. Darauf wuchs die Zahl derneugläubigen Gemeinden auf
2.500, und fast der gesamte Adel ging zu den Hugenotten über, denen das sogenannte Januaredikt (17. Januar 1562) freie
Übung des Gottesdienstes außerhalb der Städte gestattete. Die eifrig katholische Partei antwortete darauf durch Niedermet-
zelung der Hugenottengemeinde von Vassy. Dieses Blutbad von Vassy (1. März 1562) führte den ersten Hugenottenkrieg
herbei. Katharina von Medici vermittelte einen Frieden, der am 19. März 1563 in Form des Edikts von Amboise verkündigt
wurde, freilich aber die Hugenotten mehr einschränkte, als das Januaredikt dies getan.

In den folgenden Friedensjahren vollendeten die Hugenotten ihre starke politische und militärische Organisation. Strenge
Sittlichkeit wurde unter ihren Anhängern aufrecht erhalten und besonderes Gewicht auf den Schulunterricht gelegt, der in
den fünf Akademien zu Montauban, Nimes, Saumur, Montpellier und Sedan gipfelte. Aber die Hugenotten verscherzten end-
gültig die Gunst der öffentlichen Meinung Frankreichs, als Condé durch den vergeblichen Versuch, sich durch Überfall des
jungen Königs im Landhause Monceau zu versichern ( 27. Sept. 1567), den zweiten Hugenottenkrieg herbeiführte.

Von den deutschen Glaubensgenossen mit Truppen unterstützt, nötigte Condé den Hof zum Frieden von Longjumeau
(23. März 1568), der den Hugenotten günstig war. Aber wie die große Mehrheit des Volkes, so war auch die Regentin durch
die ungerechtfertigte Empörung der Hugenotten mit ihnen unheilbar verfeindet. Blutige Gewaltakte wurden allerorten gegen
sie verübt, bis sie im August 1568 den dritten Hugenottenkrieg begannen. Herzog Heinrich von Anjou, des Königs Bruder,
besiegte Condé bei Jarnac (13. März 1569). Da Condé in dieser Schlacht gefallen war, ging die Leitung der Hugenotten an
den Admiral Coligny über. Zwar wurde auch dieser von Anjou bei Montcontours (3. Okt. 1569) geschlagen; allein die Festig-
keit des Admirals, der Mut der Protestanten und die Unterstützung ihrer deutschen Glaubensbrüder zwangen schließlich
den Hof zum Frieden von St. Germain en Laye (8. Aug. 1570), der den Hugenotten vollkommene Glaubensfreiheit, Sicherheit
vor Gericht und vier Festungen zu ihrem Schutze gewährte.

Der jugendliche König Karl IX. schloß sich politisch ganz den Hugenotten an, berief Coligny als seinen vertrautesten Berater
an den Hof und vermählte seine Schwester Margarete mit dem jungen protestantischen König Heinrich von Navarra (18. Aug.
1572). Allein die Eifersucht Katharinas auf die Macht Colignys führte den Beschluß der Niedermetzelung aller Hugenotten
herbei, den die Königin-Mutter und Anjou durch Aufgebot ihrers ganzen Einflußes dem König abrangen. In der Nacht zum
24. August 1572, der Bartholomäusnacht, (la Saint-Barthélemy), begann das Morden in Paris, worauf es in den Provinzen
nachgeahmt wurde: Mindestens 30.000 Hugenotten wurden binnen vier Wochen hingeschlachtet. Heinrich von Navarra und
der junge Heinrich von Condé retteten ihr Leben durch Übertritt zum Katholizismus.

Allein in dieser furchbaren Krise bewährte sich der französische Protestantismus auf das glänzendste. Nach kurzer Entmu-
tigung griffen die Überlebenden zu den Waffen, unter Führung des heldenkühnen La Noue (Vierter Hugenottenkrieg).
Die königlichen Truppen vermochten weder La Rochelle noch andere protestantische Festungen einzunehmen.

Das Edikt von Boulogne (30. Juni 1573) gewährte den Hugenotten wenigstens persönliche Gewissensfreiheit sowie Übung
des Gottesdienstes in den ihnenneingeräumten drei Sicherheitsplätzen. Die Hugenotten fanden Unterstützung bei der
Partei der 'Politiker', der gemäßigten Katholiken, an deren Spitze sich der jüngere Bruder des Königs, der Herzog von Alencon,
stellte.

Als der neue König Heinrich III. die Hugenotten bedrängte (1574), begannen diese mit Hilfe der 'Poliker' den fünften Huge-
nottenkrieg. Alencon wie Navarra entkamen vom Hofe, und der zweite von ihnen trat, ebenso wie Condé, 1576 wieder zu
den Hugenotten über, die er von nun an mit ebensoviel Mut wie Einsicht leitete. Katharina vermittelte den Frieden, der am
8. Mai 1576 zu Beaulie geschlossen wurde, den Hugenotten neue Sicherheitsplätze einräumte und ihren Gottesdienst im
ganzen Reiche, mit Ausnahme der Hauptstadt, zuließ, außerdem bei den Parlamenten zur Entscheidung aller Rechtshändel,
bei denen Protestanten beteiligt seien, eine aus diesen und Katholiken zu gleichen Teilen gemischte Kammer (chambres
mi-Parties) einrichtete. Vier Jahre nach der Bartholomäusnacht zustande gekommen, war dieser Friede der glänzendste
Triumph der Hugenotten. Leider war in dem wilden Kriegstreiben Zügelosigkeit und weltliches Interesse bei ihnen eingeris-
sen, während nunmehr ihre Gegner sich in der sogenannten Ligue zusammenschlossen.

Die Stände von Blois faßten (Dezember 1676), der damaligen Stimmung der großen Mehrheit des französischen Volkes ent-
sprechend, Beschlüsse, die auf Vernichtung der Hugenotten zielten. Diese begannen den sechsten Hugenottenkrieg, der
zwar im September 1577 durch den Frieden von Bergerac beendigt wurde, aber bald im siebenten Hugenottenkrieg wieder
auflebte. Anjou (der frühere Alencon) vermittelte dann im November 1580 einen neuen Frieden zu Fleix, der gleichfalls den
Hugenotten sehr günstig war. Aber die ganze Lage der Dinge wurde verändert durch den Tod Anjous (10. Juni 1584); nun-
mehr war der rückfällige Ketzer Heinrich von Navarra der präsumptive Thronfolger, eine Aussicht, , die auch die gemäßigten
Katholiken erschreckte. Unter diesen Umständen nötigte die Ligue, von dem König von Spanien unterstützt, Heinrich III.
zu dem Edikt von Nemours (7. Juli 1585), das sämliche Reformierte bei Todesstrafe aus dem Reich verbannte.

Am 10. September 1585 schleuterte Papst Sixtus V. den Bannstrahl gegen Heinrich von Navarra und Heinrich von Condé,
die er von jedem Recht der Thronfolge ausschloß. Aber die Hugenotten erhoben sich zum achten Hugenottenkrieg, in dem
sie ebenso von ihren deutschen und englischen Glaubensgenossen unterstütz wurden, wie die Ligue vom Papst und dem
König von Spanien. Navarra schlug die Königlichen bei Coutras (20. Okt. 1587), nutzte aber den Sieg wenig aus, während
seine Gegner Heinrich von Guise die deutschen Hilfstruppen der Protestanten bei Auneau warf und sie zum Rückzug aus
Frankreich nötigte, dann an dem sogenannten Barrikadentag (12. Mai 1588) den König aus Paris vertrieb und ihn zu dem
Unionsvertrag von Rouen (15. Juli 1588) zwang, der Heinrich III. zum Sklaven der Ligue machte. Der König entledigte sich
zwar Guises durch Meuchelmord (23. Dez. 1588) rief aber dadurch nur einen Aufstand in Paris und in den meisten großen
Städten hervor, die sich für die Ligue erklärten. Im Hauptquartier zu St. Cloud fiel der letzte Valois unter dem Messer des
fanatischen Dominikaners Jacob Clément (2. Aug. 1589), und der Bourbon Heinrich von Navarra ward nun legitimer König
als Heinrich IV. Indes noch jahrelang hatte er ohne entscheidenden Erfolg gegen die Ligue und deren spanische Hilfs-
truppen zu kämpfen. Schließlich konnte er eine Entscheidung nur herbeiführen, indem er zum zweitenmal zur katholischen
Kirche übertrat (25. Juli 1593) , zum großen Schmerz der Hugenotten. Allein im Grunde gewannen sie dadurch, da Heinrich
seinen früheren Glaubensgenossen stets gewogen blieb. Nachdem er allgemeine Anerkennung erlangt hatte, erteilte er
25. April 1598 das Edikt von Nantes, das den Hugenotten vollkommene Gewissensfreiheit gewährte; überdies erzwangen
sie in demselben Genehmigung ihrer straffen relegiösen, politischen und militärischen Organisation sowie die Einräumung
von nicht weniger als 200 Sicherheitsplätzen.

Ungünstiger war den Hugenotten König Ludwig XIII. Zwar bestätigte er das Edikt von Nantes bei der Erklärung seiner
Volljährigkeit 1614 und zwei Jahre später in dem Vertrag von Loudun. Als er aber 1620 die katholische Religionsausübung
in der rein protestantischen Provinz Béarn wieder einführen wollte, erregten die Hugenotten einen Aufstand (bisweilen
als neunter Hugenottenkrieg bezeichnet). Indes die frühere Überzeugungstreue und Festigkeit waren besonders aus
ihrem Adel gewichen, und dessen Feigheit und Selbstsucht brachten sie derart in Nachteil, daß sie im Frieden von Mont-
pellier (19. Okt. 1622) den größten Teil ihrer Sicherheitsplätze sowie das Recht verloren, ohne Genehmigung des Königs
ihre Versammlungen abzuhalten. Richelieu, der bald daraufallmächtig wurde, beschloß, mit voller Wahrung der Gewissens-
freiheit der Hugenotten, doch deren politisch-militärische Sonderstellung im Staate zu vernichten. Als die Hugenotten 1625
die Waffen ergriffen, wurden sie trotz englischer Hilfe besiegt, ihre Hauptfestung, La Rochelle, im Oktober 1628 zur Erge-
bung gezwungen.

Am 27. Juni 1629 schlossen die Hugenotten mit dem Kardinal den Frieden von Alais, der das Edikt von Nantes erneuerte,
jedoch nur unter der Bedingung, daß jene auf ihre Sicherheitsplätze verzichteten. Mit der politischen und militärischen
Macht der Hugenotten war es vorbei, und sie waren dem Belieben der Staatsgewalt preisgegeben.

Unter der Regierung Richelieus und Mazarins wurden die Hugenotten durchaus nicht belästigt. Anders wurde es unter
Ludwig XIV. Dieser Herrscher wollte in seinem Reiche keine von der seinen abweichende Meinung dulden; überdies
wünschte er, gerade wegen seiner Mißhelligkeiten mit dem Papst, der Geistlichkeit einen Beweis seiner katholischen
Eifers zu geben. Seit seinem Regierungsantritt wurden die Hugenotten zurückgesetzt und beeinträchtigt, der Abfall vom
Protestantismus durch Gnadenstellen und die 'Bekehrungskasse' gefördert.

Besonders aber steigerte sich die Verfolgung seit 1680. Die Chambres mi-parties wurden aufgehoben, die Hugenotten
von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, zahlreiche rformierte Kirchen gesperrt, die Betversammlungen mit Waffen-
gewalt gesprengt. Endlich (1685) erfand der Intendant von Beárn, Foucault, die Dragonaden, Zwangseinquartierung von
Soldaten, zumal Dragonern, bei den Hugenotten, gegen welche die Soldaten die ärgsten Gewalttätigkeiten anzuwenden
geradezu befehligt wurden. Diese Maßregeln hatten in der Tat den scheinbaren Übertritt des größten Teiles der Huge-
notten zum Katholizismus zur Folge. Nun hob der König 22. Oktober 1865 das Edikt von Nantes förmlich auf, mit Verbot
jeder religiösen Übung für die Hugenotten, zugleich aber auch der Auswanderung, bei Galeeren- und selbst Todesstrafe.
Trotzdem gelang es etwa 200.000 Hugenotten, über die Grenzen nach den protestantischen Ländern zu entkommen,
wo diese Réfugiés auf das gastlichste aufgenommen wurden
. In Frankreich aber wurden immer strengere Maßregeln
ergriffen: Die Ehen der Hugenotten wurden für nichtig erklärt, ihre Kinder ihnen entrissen. Diese Verfolgungen riefen
1702 in dem Gebirgslande der Cevennen, wohin sich viele Hugenotten geflüchtet hatten, den Aufstand der Kamisarden
hervor.

Unter dem Regenten gestattete man den Hugenotten wieder größere Freiheit; und selbst die Verfolgungsdekrete,
die Ludwig XV. auf Andrängen der Jesuiten gegen sie erließ, wurden durch den humanen Sinn der Behörden kraftlos.
Die Hugenotten hielten nach wie vor im geheimen, "in der Wüste" (désert), wie sie sagten, ihre gottesdienstlichen
Versammlungen ab. Einzelne Unduldsamkeiten, wie die Ungültigkeitserklärung der protestantischen Trauungen
und Taufen
(1752), der Fall Calas u.a., riefen nun von seiten Voltaires und der übrigen 'Philosophen' eindrucksvolle
Proteste hervor.

Ludwig XVI. erließ schon 17. November 1787 ein Toleranzedikt, und die konstituierende Nationalversammlung verlieh
1791 den Reformierten den Vollgenuß aller bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte
. Wenn auch im Beginn der
Restauration der 'weiße Schrecken' der Ultraroyalisten und Ultraklerikalen vorübergehend in Südfrankreich Verfolgung
über die Protestanten verhängte, ist doch ihre rechtliche Stellung nicht mehr angetastet worden, und sie konnten in
ihren Konsistorien und ihrem Zentralkonsistorium die Angelegenheiten ihrer Religionsgemeinschaft frei ordnen.

Quelle: 'Meyers Großes Konversations-Lexikon', Neunter Band. Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien. 1908.

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