Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt und Land.

Teilweise mit Nennung zugehöriger Orte, Landkarten, Stadtpläne.

Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt und Land.

Beitragvon -sd- » 23.12.2014, 14:46

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Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt und Land:
http://www.insterburger.de/


Kirchspielvertreter Aulowoenen / Aulenbach / Kreis Insterburg / Ostpr.
der Kreisgemeinschaft Insterburg Stadt & Land e. V.:
Peter Gettkandt

Durch Zufall entdeckt und evt. von Interesse !
Google View hat nicht nur die Ansichten verbessern können,
sondern konnte / durfte auch mit einem Fahrzeug in diverse Orten
Aufnahmen erstellen (z.b. im Kirchspiel Aulenbach, Kr. Insterburg).
Mit dem nachfolgenden Link kommt man auf die Google Map
Karte mit dem Ausschnitt Aulenbach. Bitte drücken:
https://maps.google.de/maps/ms?msid=205 ... dg=feature

Wenn weitere Tips zur Ansicht gebraucht werden,
bitte ich um eine Anfrage unter meiner Mailadresse:

Peter.Gettkandt(at)gmx.de

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Die Kirchspiele im Kreis Insterburg in Ostpreußen:
http://www.insterburger.de/18.html


Der Landkreis Insterburg hatte 13 Kirchspiele, dazu kommen noch
die Ortschaften, die als Abbauten zur Stadt Insterburg gehörten.

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Der Landkreis Insterburg / Ostpreußen. Ein Ortsnamen-Lexikon.
Mit geschichtlichen Daten, Namen, Zahlen und Begebenheiten
aus mehr als 600 Jahren.


Ermittelt, gesammelt, geordnet und niedergeschrieben
von Kurt Hennig und Frau Charlotte geb. Zilius.
Grasdorf-Laatzen, 1. Ausg. 1981. Selbstverlag der Autoren.
Kart., DIN A4, 558 S. / ISBN B004A0JF3E

Ortsnamenverzeichnis mit 1.347 Ortsnamen, die im Lexikon erläutert
werden. Zusammenstellung von Familiennamen mit 1.866 im Lexikon
vorkommenden Familiennamen. Quellenverzeichnis mit 140 Titeln
von Büchern, Schriften und Aufsätzen, in denen über den Landkreis
Insterburg berichtet wird. Zu jedem Kirchspiel ein Kartenausschnitt,
Begebenheiten und viele Namen, Namensdeutungen (Herkunft),
Entstehung der einzelnen Orte usw.

Nur in wenigen Bibliotheken zu finden:
http://www.ubka.uni-karlsruhe.de/kvk.html

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Der 'Insterburger Brief' erscheint alle zwei Monate.
Es ist möglich, eine Suchanzeige aufzugeben. Sie kostet nichts.
E-Mail: info(at)insterburger.de

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Kartenausschnitte von den nachfolgend aufgelisteten Ämtern:
http://www.familiennamen.org/index.php/hauptamt/


Quelle: Ingo Brockmann 'Familiennamen - baltische und deutsche'

Amt Althof-Insterburg
Amt Brakupönen
Amt Bredauen
Amt Budupönen
Amt Budwetschen
Amt Buylien
Amt Dinglauken
Amt Georgenburg
Amt Gudwallen
Amt Jurgaitschen
Amt Kussen
Amt Mattischkehmen
Amt Moulinen
Amt Nassawen
Amt Plicken
Amt Stannaitschen
Amt Tollmingkehmen
Amt Waldaukadel
Amt Danzkehmen
Amt Gaudischkehmen
Amt Szirgupönen
Amt Göritten
Amt Weedern
Amt Königsfelde
Amt Maygunischken
Amt Kattenau
Amt Lappönen
Amt Kiauten
Amt Saalau

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"… nach köllmischem Recht wohnen und handeln."

Zum 375. Jahrestag der Stadtgründung Insterburgs am 10. Oktober 1958.

In diesem Jahre könnte Insterburg die 375. Wiederkehr seiner Stadtgründung
feiern. Die Anfänge reichen allerdings, wie der Chronist Hartknoch berichtet,
bis in das Jahr 1336 zurück. Damals erbauten die Ordensritter in dem alt-
preußischen Gau Nadrauen an Stelle der 1256 zerstörten Preußenburg
Usantarpis auf einem steilen Berge aus dicken Eichenstämmen und Pallisaden-
wall ein „festes Haus" und gaben ihm nach der in einiger Entfernung vorbei-
fließenden Inster den Namen Insterburg. Von Angerapp, Tschernuppe
(zu Deutsch Dachsfluß) und einem breiten Wassergraben umgeben,war hier
ein schier uneinnehmbarer Waffenplatz entstanden, der die Zugänge nach
Masuren und zum Memelstrom beherrschte.

In 'Hakelwerk', einer Wehranlage aus Graben und Wall, gegenüber der Inster-
burg, ließen sich die Ordensbediensteten mit ihren Familien nieder, während
sich freie Arbeiter und Kolonisten am nahen Kapellenberge auf der sogenannten
"Freiheit" anzusiedeln begannen.

Das Dorf Sparge, wie diese Siedlung genannt wurde, begann rasch aufzublühen.
Bald darauf privilegierte Ordensmarschall Hinnig Schindekopf, ein eifriger
und umsichtiger Kolonisator, hier den ersten Insterburger Krug und verlieh
ihn erbeigen dem Paul von der Wederich für treue Dienste. Es war der
„Pangerwitzer Krug", dem „Heeringskrug", „Kranichenkrug" und der berühmte
„Neue Krug" folgten. Die Krüger waren gleichzeitig privilegierte Kaufleute
des Ritterordens, hatten die nicht im Lande hergestellten Waren, wie Salz,
Tuche, Eisen usw., herzuschaffen und durften dafür die überflüssigen Vorräte
des Landes, hauptsächlich Getreide, Wachs, Honig, Pelzwerk und auch Bier
vertauschen und verkaufen. Außerdem hatten sie die Gäste des Ordens bei
sich zu beherbergen und ihnen Pferd und Wagen für die Weiterreise bis zu
bestimmten Orten zu stellen. „In ausziehen bis ken Cropiszken, herabreisen
aber nach Taplaken, mit Pferde und Wagen führen und fördern helfen, auch
in Kriegsläuften die Warpenwagen (d. s. gedeckte Frachtwagen) zum vierten
Teil an halten und ausrichten“. Die letztgenannte Verpflichtung bestand
übrigens noch bis Ende des 17. Jahrhunderts.

Erhebung zum Stadtflecken.

Die Einwohner von Sparge, das ungefähr das heutige Gebiet des Alten Marktes
und einen Teil der Hindenburgstraße umfaßte, baten immer wieder den je-
weiligen Landesherrn um Verleihung des Stadtrechts. Herzog Albrecht gab
schließlich seine Zusicherung, und alle Vorbereitungen zur Stadtgründung
waren bereits getroffen. Aber dann kam es 1541 zur großen Enttäuschung aller
Sparger, nur der „Zulass zur Anlegung des Stetleins Inster", wonach der Ort
zum Flecken erhoben wurde: „Wir von Gottes Gnaden Albrecht, Markgraf von
Brandenburg, Herzog in Preußen, bekennen und tun kundt jedermann, der es
wissen will. Nachdem Unsre lieben getreuen Insassen des Insterburgschen
Gebiets es für gut und nützlich gefunden haben, daß zu Insterburg ein neuer
Stadtflecken angelegt werde, und Uns darauf in Untertenigkeit gebeten haben.
Wir wollten zur Wohlfahrt und Entwicklung dieses Gebiets gnädig solche
Anlegung gestatten und bestetigen, so haben Wir in Erwegung der Nützlichkeit
und Wohlfahrt Unsren Unterthanen ihnen ihre Bitten nicht gänzlich abschlagen
mögen. Wir wollen demnach den Platz hinter dem Schlosse etwa da, wo ein
Dorf, die Sparge genannt, lieget hierzu verordnen. Wir verordnen demnach
kraft dises Unsres Briefs, daß ein Jeder der Lust hat hier zu bauen sich nieder-
lassen kan. Zu diesem Bau sol ihme, er sei Krüger oder ein andrer, Unser Amt-
mann Länge und Breite zuweisen und genau anzeigen, zu welchem Maß einem
jeden Gebäude aufzurichten gestattet sind; ebenso welche Freiheiten, Äcker,
Wiesen, Holzung und Fischerei ein jeder haben und wo er sie haben darf. Den
Einsassen gestatten wir auch, daß sie dort nach Köllmischen Recht wohnen,
frei handeln und allerhand Ware verkaufen, die zum Markt gebracht wird, ins-
besondere aber am Mittwoch, der zum Markttag bestimmt und ausgerufen
werden sol. Ausgenommen ist die Ware, die Uns als der Obrigkeit an Honig,
Wachs, Wildbret und anderem nach der Billigkeit zustehet. Doch haben sich
die Untertahnen des Flecks jedes Verkaufs auf dem Lande zu enthalten.
Von dem Fleisch, das von jedem Fremden zum Markt gebracht wird, mag es
großes oder kleines Vieh sein, sol Unsrem Haus die rechte Vorderhälfte
gegeben werden.

Schuster, Bäcker, Schneider, Tuchmacher, Balbiere und andere Handwerker
haben sich mit Unsrem Amtmann über das Stangengeld und was sonst für jedes
Handwerk zu entrichten sind ebenso über die Fischerei in dem Angerappfließ
nach Billigkeit zu vergleichen.

Wenn es geschieht und es bemerkt werden sollte, das der Stadtfleck zur Stadt
geeignet ist und zunimmt, und Gericht und Gerechtigkeit zu verordnen noth-
wendig ist, wollen Wir Unsren lieben, getreuen Einsassen des Stadtfleckens
fernerhin nach Gelegenheit und Geburt mit Gericht Stadtgerechtigkeit und
anderen Privilegien versehen und versorgen.

Zur Urkund gegeben mit Unsrem Siegel versehen zu Königsbergck,
am 12. März eds Jahres 1541“.

Erst nach dem Tode Albrechts erfuhr man durch dessen Sohn Albrecht II. im
„Abschied" vom Jahre 1572, daß die „lieben, getreuen Einsassen" seinem
Vater sehr erzürnt hätten, weil sie ungeachtet des Bauplanes wild drauf los
bauten, auch Stadtäcker „habgierig unter sich gezogen", zudem sich ständig
mit dem Amtshauptmann in den Haaren lagen. Herzog Albrecht hatte deshalb
damals beschlossen, Insterburg soll bis „in alle Ewigkeit" ein Dorf bleiben.

Die Stadtgründung.

Der gutmütige Albrecht II. verzieh seinen lieben Insterburgern alle früheren
Sünden und versprach die baldige Verleihung des Stadtrechts und zwölf neue
Krüge. Aber erst Georg Friedrich, Markgraf von Ansbach, der für den erkrankten
Albrecht II. von 1577 - 1603 regierte, verlieh dem Flecken Insterburg „das bisher
umb etzlicher eingefallener verhinderlicher Ursach willen aufgehaltene und
vertröstete Privilegium.

Insterburg war endlich Stadt geworden. Die Stadtrechtsurkunde trägt das
Datum: „Gegeben zu Königsberg, den 10. Oktober 1583“.

Als Stadtwappen wurde verliehen „ein weißer Schild, auf dem sich unten ein
grüner Berg, darauf ein schwarzer Behr auf allen Vyeren stehend und zu
beiden Seiten inwendig des Schildes die beiden Buchstaben G. F. (Georg
Friedrich), auch oben auf dem Schild ein Brustbild, einem Jäger gleich, so
sein Horn in Händen hält befindet". Der im Wappen dargestellte „Behr" war
übrigens eine pietätvolle Erinnerung an den weiland zürnenden Landesfürsten;
denn nach der Überlieferung hatte Herzog Albrecht der Ältere einst bei
Insterburg einen Bären erlegt.

Amtshauptmann Hans von Tettau erhielt den Auftrag, „jedem gemeinen
Einwohner" der neuen Stadt ein Stück Ackerland für drei Mark preußischen
Hubenzins abzugeben, und die Bürger durften zudem einen Teil der „Wildnis"
roden, „damit es umb die Stadt desto mehr Raum habe, und sie umb so viel
desto eher zu mehrem Acker- und Feldbau kommen können". Für Bau- und
Feuerholz wurden 20 Huben herzoglichen Waldes freigegeben und jedem
Wohnhaus ein Garten in der Stadt zugeteilt.

Der Bau von Kirche und Pfarrhaus, Schule und Hospital schritten rüstig voran.
Es entstanden Marktplatz und Kirchhof. Die bisher in Sparge üblichen Knüppel-
dämme wichen aufgeschütteten Straßen mit Wasserabzug. Die über Georgenburg
nach Litauen führende Handelsstraße wurde am Pangerwitzer Krug über die
Angerapp geführt und erhielt eine Brücke, zu der der Landesherr den „Stuhl"
und die Stadt „Decke und Schelhölzer" lieferten. Die Brücke stand an dieser S
telle bis 1874 und wurde dann unterhalb der Gasanstalt wieder aufgebaut.

Die Stadtverwaltung oblag gemeinsam Bürgermeister, Rat und Richter, deren
Neuwahl alljährlich am Sonntag Reminiscere durch den Amtshauptmann statt-
fand. Die Rechtsprechung erfolgte nach köllmischem Recht. Kirche, Schule,
Markt, die Brotbänke, Badstuben und Krüge hatten ihre Einnahmen an die
Stadtobrigkeit abzuliefern.

Nach dem Marktrecht wurde am Sonntag Trinitatis ein freier Jahrmarkt abge-
halten, ein weiterer acht Tage nach dem Tilsiter Michalismarkt. An jedem
Sonnabend war zudem Wochenmarkt. Ein Marktaufseher gab Acht, daß nur
richtige köllmische Ellen und gut gemessene Tilsitsche Scheffle und Maße
benutzt wurden.

Im Angerappfluß war eine Meile stromauf und stromab den Insterburgern
„freye Fischerei zu ihres Tisches Notdurfft" erlaubt, jedoch sollte nicht
„geräubert" werden, auch war darauf zu achten, „das der Strom nicht gantz
und gar verstellet werde, sondern der Fisch sonderlichen in der Mitten seinen
freyen Gang haben möge". Zu jenen Zeiten war die Angerapp besonders reich
an Lachsen und Stören. Im Mai 1772, so berichtet ein Chronist, ist bei
Insterburg ein Stör ins Garn gegangen, der 7 Zentner und 28 Pfund wog.

Noch 1541 bezogen die Insterburger ihr Bier aus der hiesigen Schloßbrauerei
sowie aus Königsberg, Wehlau und Friedland. Nach dem Stadtrecht durfte
jetzt jeder Stadtbürger von seinem Hausbesitz selbst Bier von 16 Tonnen Last
brauen, und zwar gegen geringe Mietzahlung in den zwei großen städtischen
Braupfannen, die in der heißen Jahreszeit wassergefüllt auf dem Alten Markt
standen, um bei Feuersbrünsten als Wasserreservoir zu dienen. Gebraut wurde
ein braunes oder Weißbier und ein schwarzes oder Doppelbier, „Zinnober"
genannt. Letzteres soll so vorzüglich gewesen sein, daß es für sechs Mark
je Tonne bis nach Litauen und Polen ausgeführt wurde. 1735 schreibt ein
Zeitgenosse: „Das dasige Bier soll ganz schwartz und so stark seyn, das es
sich wie Branntweyn anzünden läßt. Was die Eynwohner vornehmlich in Nahrung
setzet, ist der Getreydehandel und der Abgang des trefflichen Bieres“. 1753
waren noch über 100 Mälzenbrauer in der Stadt.

Schloss Insterburg.

Wechselvoll ist auch die Geschichte von Burg und Schloß Insterburg. Immer
wieder wurde das 1336 erbaute „feste Haus" von den aufrührerischen Nadrauern
hart bedrängt und die Schloßsiedlungen eingeäschert. Erst 1375 gelang es beim
Einfall des litauischen Großfürsten Keistutis dessen Heerführer Schwerdeyke
die Insterburg zu erobern und zu zerstören. Wieder aufgebaut, wurde sie 1457
von den Söldnern der preußischen Städte, die sich im Bündnis mit Polen gegen
die Ordensherrschaft empört hatten (Städtekrieg), abermals zerstört.

Das heutige Schloß Insterburg wurde Ende des 15. Jahrhunderts erbaut. Die
hohen und zwölf Fuß dicken Mauern sind aber schon lange verschwunden und
von den vier mächtigen Türmen stand nur noch der „Peinturm", von dem ein
unterirdischer Gang unter der Angerapp bis zur nahen Georgenburg geführt
haben soll. Wieviel mittelalterliche Grausamkeit mag wohl die Folterkammer
des Peinturmes gesehen haben. Das letzte Marterinstrument, ein eiserner
Käfig ist 1879 als Alteisen verkauft worden.

In den stark vergitterten Zellen harrten die Delinquenten, an zwei Meter
lange Eisenketten geschmiedet, ihres letzten Stündleins. Anno 1693 ist es
trotz scharfer Bewachung dem wegen Mordverdacht unschuldig zum Galgen
verurteilten Schwertfeger Barnicki mit Hilfe eines ihm heimlich zugesteckten
Brecheisens gelungen, aus dem Peinturm zu entfliehen. Die Inschriften der
beiden Glocken der Turmuhr besagen, daß sie Anno 1512 der Nürnberger
Glockengießer Medardus in Konstanz am Bodensee gegossen hat.

In den Wohngebäuden waren im Erdgeschosß die Unterkünfte der ledigen
Ordensknechte und Diener, während sich die Ordensbrüder in kleinen kahlen
Zellen im Obergeschoß aufhielten. Remter und Schlafsäle reichten durch zwei
Stockwerke hindurch.

Die zuerst von einem Komtur verwaltete Insterburg erhielt ab 1347 einen
Pfleger und wurde 1522, als Preußen weltliches Herzogtum geworden, Sitz des
Amtshauptmanns. Das Hauptamt Insterburg war damals das größte und wichtigste
des Landes.

Viele hohe und seltene Gäste hat das Schloß gesehen. 1612 nahm Kurfürst
Johann Sigismund hier die Erbhuldigung der Stände und des Volkes entgegen,
die sehr prunkvoll gewesen sein soll. Zu längerem Gast- und Jagdaufenthalt
weilte öfter der Große Kurfürst. Dessen Tante, Königin Maria Eleonore, suchte
1642 hier Zuflucht und lebte zehn Jahre bis zu ihrem Tode auf dem Schloß.

Von 1702 - 1735 hielten die Hugenotten in einem Seitenflügel des Schlosses
ihren reformierten Gottesdienst ab, denn die Ordenskirche diente schon seit
langem als Korn- und Mehlspeicher. Die übrigen Gebäude waren seit 1724 zu
Magazinen umgewandelt, und von 1807 bis 1812 war Schloß Insterburg
französische Kaserne und Lazarett.

Als 1723 das Hauptamt durch das Hofgericht abgelöst wurde, wohnte im Ost-
flügel der Hofgerichtspräsident; seit 1808 war hier das Oberlandesgericht.
1879 wurde der Südflügel Ulanenkaserne, der Nordflügel wurde vom Land-
gericht bezogen. Zuletzt diente ein großer Teil des Alten Schlosses als Heimat-
museum, also nicht so ganz profanen Zwecken.

Entwicklung der Stadt Insterburg.

Eine gewaltige Feuersbrunst äscherte am 9. Juli 1590 fast die ganze Stadt
ein, denn von 140 Häusern blieben nur Kirche, Pfarrhaus und Schule sowie
neun Bürgerhäuser erhalten. Durch Anlage einer Vorstadt wurde 1600
Insterburg beträchtlich erweitert. Abgesehen von einer Brandschatzung 1655
durch fremde Truppen blieb die Stadt von der Kriegsfurie sonst verschont.
Bei einer abermaligen Feuersbrunst am 24. Juli 1690 konnten nur Schule und
Kirche sowie 24 Wohnhäuser — die Stadt war beträchtlich angewachsen —
gerettet werden. Vom Rathaus brannte der Turm ab. Fast alle Einwohner waren
bettelarm geworden.

1709 wütete in und um Insterburg die Pest. Fast alle Bürger starben an der
Seuche, im ganzen Hauptamt über 66.000 Menschen. Viele der Überlebenden
wurden von auftretenden Räuberbanden erschlagen. Doch noch nicht genug
der Heimsuchungen: riesige Heuschreckenschwärme, die noch niemals vorher
aufgetreten waren, noch nachher wieder auftraten, verwüsteten 1711 Felder
und Gärten, und dreiviertel des ganzen Viehbestandes fiel der 1712 grassie-
renden Viehseuche zum Opfer.

Zu neuer Kolonisierung des Landes rief der erste preußische König, Friedrich I.,
1711 Schweizer ins Land, ihnen folgten unter Friedrich Wilhelm I., dem Soldaten-
könig, im Jahre 1732 vertriebene Salzburger. Die Stadt begann wieder aufzuleben.
Das Gelände unterhalb des Mühlendammes, damals noch Ackerland, wurde zur
Bebauung freigegeben. Heute befinden sich dort Theater-, Flut- und Pregelstraße.
Die Tore fielen, und mit ihnen die Scheunen an den Stadtgrenzen. Doch Insterburg
blieb noch immer Ackerbürgerstadt, und durch die Straßen zog morgens und
abends das Weidevieh auf die Stadtwiesen.

Erst als die Ostbahn 1860 in Betrieb genommen (Berlin-Königsberg-Insterburg-
Peterburg) und der Bahnhof gebaut wurde, nahm Insterburg gewaltigen
Aufschwung, und die Gründerjahre trugen das übrige dazu bei. Ganz neue
Stadtteile und Straßen entstanden. Durch die Insterburg durchlaufenden
Eisenbahnverbindungen war die Stadt bis zuletzt der wichtigste Bahnknoten-
punkt der Provinz.

Die letzten Jahrzehnte Insterburgs.

Im ersten Weltkrieg war Insterburg von den Truppen der russischen Narew-
armee besetzt. Ein Teil der Bevölkerung war vorher nach Westen geflohen.
Es kam aber zu keinen Übergriffen, da der russische Heerführer, General
Rennenkampf, strenge Zucht hielt. Im denkwürdigen Winter 1915, als in
Südostpreußen die Winterschlacht tobte, hatten in demselben Hotel, in dem
zuvor General Rennenkampf „residierte", Hindenburg und Ludendorff ihr
Hauptquartier, woran sich ältere Insterburger gewiß noch erinnern werden.

Die kurzen Friedensjahre zwischen beiden Weltkriegen brachten der Stadt
weitere Entwicklung, bis dann 1945 das bittere Ende kam mit der Vertreibung
seiner Einwohner.

Und heute heißt die alte Stadt Insterburg nach dem Willen der neuen Herren
'Tschernochowsk'.

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, Oktober 1958.

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