Basisinformationen zum Thema 'NSDAP-Mitgliedschaft'.

Personenbezogenes Archivgut z.B. zur Verstrickung Angehöriger mit der NSDAP.

Basisinformationen zum Thema 'NSDAP-Mitgliedschaft'.

Beitragvon -sd- » 15.06.2014, 16:50

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Die SS war nicht der NSDAP untergeordnet, sondern Himmler. Und Himmler
unterstand direkt Hitler.

Himmler war nicht nur Reichsführer SS, sondern auch Reichsinnenminister, Chef
der Deutschen Polizei, Oberbefehlshaber des Ersatzheeres und Kommandeur der
Heeresgruppe Weichsel usw. Es gab Beziehungen der Waffen-SS zur Schwarzen SS,
aber auch zur Wehrmacht. Alles, was es im Dritten Reich an Organisationen und
Institutionen gab, unterstand letztlich Hitler (Führer der NSDAP, Staatsoberhaupt,
Regierungschef, Oberbefehlshaber der Wehrmacht und des Heeres etc.)
und diente seiner verbrecherischen Politik.

Da es in der Waffen-SS keine Generalstabsausbildung gab, wurden Offiziere
von der Wehrmacht zur Waffen-SS versetzt.

18 Prozent der Generale der Waffen-SS waren niemals Mitglieder der NSDAP
gewesen, weitere 18 Prozent wurden erst Ende der 1930er Jahre einfache
Parteimitglieder. Fast alle Generale der Wehrmacht waren keine Parteimit-
glieder (auch wenn sie überzeugte Anhänger Hitlers waren und seine Befehle
ausführten). Soldaten durften am Parteileben der NSDAP nicht teilhaben,
sondern sollten loyal für Hitler kämpfen, das war für den "Führer" weit
wichtiger. Offiziere, die von der Reichswehr kamen, waren fast alle niemals
Mitglieder in der NSDAP gewesen, anders konnte es bei Offizieren sein, die
erst der NSDAP angehörten und dann erst (nach 1935) Offiziere wurden. Aber
auch bei ihnen erschöpfte sich in die Parteimitgliedschaft in der Zahlung des
Beitrags.

Beamte an der Heimatfront versuchten in der Regel als Mitläufer 1933 der SA
und 1937 der NSDAP beizutreten. Das war aber eher formal und sagt über die
individuellen Verstrickungen der einzelnen Personen wenig aus. Kreisleiter
der NSDAP durften auf ausdrücklichem Verbot Hitlers keine Landräte werden.
Nicht alle Gauleiter hatten auch staatliche Funktionen, z.B. Streicher.
Inwieweit ein Gauleiter auch staatliche Funktionen innehaben durfte,
entschied Hitler in jedem Fall individuell.

40 Prozent der Angehörigen der Waffen-SS waren Ausländer. Hier dienten u.a.
wehrpflichtige Volksdeutsche (aus Ungarn und Jugoslawien), freiwillige euro-
päische Antikommunisten, und es gab sogar zwei muslimische Divisionen der
Waffen-SS (Muslime aus Bosnien und Albanien) mit islamischen Feldgeistlichen,
die zum "Heiligen Krieg" gegen die Feinde Hitlers aufriefen und dem Großmufti
von Jerusalem unterstanden. Die Durchdringung mit der NS-Ideologie und die
Kampfstärke schwankte stark zwischen den einzelnen Divisionen. Zwischen der
Totenkopf-Division und der KZ-SS gab es allerdings enge Beziehungen.

Insgesamt gesehen hatte die Mitgliedschaft in der NSDAP nicht denselben Stellen-
wert wie die Mitgliedschaft in der SED in der DDR. Es gab auch auf Reichsebene
keine Sitzungen des Parteivorstands der NSDAP. Der Nationalsozialismus war in
Wirklichkeit ein Hitlerismus. Weniger ideologische Spitzfindigkeiten, als vielmehr
die praktische Politik interessierten den "Führer". Hitler äußerte sich nur zu
wenigen Fragen, aber der Rassenantisemitismus blieb für ihn stets dominant.

Selbst der Chef der Gestapo, Müller, wurde erst nach Kriegsausbruch und nach
vielen Widerständen seitens der Gauleitung einfaches Mitglied der NSDAP. Da
war er schon längst SS-Standartenführer. (Er hatte nämlich vor 1933 als Polizist
gegen die NSDAP gearbeitet).

Die höheren SS- und Polizeiführer waren keine Leute, die sich in der NSDAP
hochgearbeitet hatten, sondern Polizisten, die unter Himmler als "unsentimen-
tale Technokraten der Macht" dessen Befehle ausführten und dabei Karriere
machten.

Angehörige der Schwarzen SS konnten sowohl in der Wehrmacht, als auch in
der Waffen-SS dienen. Dienten sie in der Waffen-SS, waren ihre Ränge nicht
identisch, d.h. sie hatten in der Allgemeinen-SS in der Regel einen anderen
Rang als in der Waffen-SS.

Gegen Kriegsende 1944 wurden auch massenhaft Personen in die NSDAP auf-
genommen, ohne daß die es direkt mitbekommen mußten, so z.B. war es bei
Genscher.

Dr. Ralf G. Jahn
Historiker & wissenschaftlicher Genealoge
www.adel-genealogie.de

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Sehr geehrter Herr Sommerfeld,

als Historiker habe ich mich beruflich sehr intensiv mit dem Nationalsozialismus
und auch mit der Genealogie Hitlers befaßt. Die formale Mitgliedschaft in der
Partei war damals nicht das Entscheidende !

Die Erlaubnis zur Erteilung meinen Beitrag zu veröffentlichen,
gebe ich Ihnen gerne !

Mit den besten Wünschen

Dr. Ralf G. Jahn
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