Die Toten mahnen: Versöhnung über den Gräbern !

Suche nach Vermißten und Toten der Weltkriege.

Die Toten mahnen: Versöhnung über den Gräbern !

Beitragvon -sd- » 25.04.2020, 19:38

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Die Toten mahnen: 'Versöhnung über den Gräbern!'
Gewaltige und schwere Aufgabe des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

An unseren Wohnungstüren und auf den Straßen sammeln in diesen Tagen die
freiwilligen Helfer des 'Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge'. Es gibt
nach den beiden Weltkriegen wohl keine deutsche Familie, die nicht ein Grab
oder mehrere in der Fremde hat, das Grab eines Menschen, der sein Leben
ließ, um das unsere zu erhalten. Dem Einzelnen ist es nicht möglich, das
Grab des Vaters, des Bruders zu pflegen, aber wir Lebenden können in gemein-
samer Arbeit unsere Verbundenheit mit den Gefallenen zeigen, indem wir den
'Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge' unterstützen und ihm damit
helfen, seine Ziele zu erreichen, Ziele, die unser aller Anliegen sind: die
Zahl und Grabstätte aller Gefallenen festzustellen, die Toten auf großen
Friedhöfen zu sammeln, um ihnen das ewige Ruherecht zu gewinnen und eine
ihrem Opfer würdige Gedenkstätte zu errichten, die zugleich eine Mahnung
ist. Dieses Wollen wird — wenn wir es durch die Tat beweisen — zu einer
geistigen Aussage, deren gerade das geteilte Deutschland bedarf.

Es mag sich manchem die Frage aufdrängen, ob es nicht besser wäre, die Toten
dort ruhen zu lassen, wo sie liegen. Das brächte mit sich, daß die Gräber ver-
wahrlosen, verloren gehen oder soweit sie auf Gemeindefriedhöfen liegen —
nach landesüblicher Liegefrist verfallen. In einigen romanischen Ländern ge-
schieht das bereits nach zehn Jahren. Der Volksbund konnte in Italien errei-
chen, daß die deutschen Gräber des letzten Krieges auf den Gemeindefried-
höfen noch nicht aufgelöst wurden. Hauptaufgabe dieses Jahres wird es sein,
etwa 360.000 Gefallene in Italien und Frankreich auf Ehrenfriedhöfe umzu-
betten. Das ewige Ruherecht wird ihnen auf Grund der Genfer Konvention
nur an eigens dafür vorgesehenen Stätten gesichert. Die Gräber liegen oft-
mals sehr verstreut. In Frankreich beträgt die Zahl der Grablagen 15.000,
und zwar in 5.385 Gemeinden mit insgesamt 250.000 Gräbern aus dem
Zweiten Weltkrieg.

Wenn der Volksbund alle diese Aufgaben erfüllt, leistet er Arbeiten, die in
anderen Ländern der Staat durchführt und die zwischen den beiden letzten
Kriegen auch zum Teil bei uns vom Deutschen Reich übernommen wurden.
Erst in den letzten Monaten konnten Abkommen mit Frankreich, Italien,
Ägypten und den Commonwealth Staaten die Möglichkeit schaffen, die
Arbeiten vorzubereiten. Bis zum Vertragsabschluß beschränkte sich die
Arbeit des Volksbundes zumeist darauf, die Gräber zu erfassen und unbe-
kannte Tote namentlich zu machen. Dann müssen Grundstücke zur Ver-
fügung gestellt und die Umbettungen vorgenommen werden. Es gilt oft,
klimatische Schwierigkeiten zu überwinden, wie in Nordnorwegen, das nur
vier frost- und schneefreie Monate im Jahre hat.

In den Westländern sind eine Million Gräber erfaßt, und in der Bundesrepublik
ruhen weitere 250.000 Gefallene. Meist übernimmt nach dem Ausbau der
Ehrenfriedhöfe das betreffende Land die Pflege der Grabstätten. In einigen
Ländern konnten die Arbeiten des Volksbundes während der letzten Jahre
schon durchgeführt und beendet werden. So wurde im letzten Sommer der
Friedhof Sandweiler in Luxemburg fertiggestellt, auf dem fast 11.000 Tote
ruhen. Der amtliche belgische Gräberdienst hat die deutschen Gefallenen des
letzten Krieges in Lommel und in Recogne-Bastogne zusammengebettet, es
sind 46.500. Die 12.000 in Norwegen Gebliebenen ruhen jetzt auf sechs Fried-
höfen zusammen.

Im Gegensatz dazu ist die Lösung der Kriegsgräberaufgaben in Dänemark
besonders erschwert. Außer 12.000 Soldaten liegen 17.000 ostdeutsche
Flüchtlinge dort, von denen 5.000 Säuglinge sind. Den Dänen selbst ist das
Problem fremd, sie vermögen unsere Nöte nicht so recht zu verstehen; es
sollen aber in nächster Zeit offizielle Besprechungen über ein Kriegsgräber-
abkommen geführt werden. Auch mit Großbritannien und Irland steht ein
Abkommen bevor. Die 15.000 Soldatengräber in Griechenland, mit dessen
Regierung noch keine Besprechungen geführt werden konnten, sind zu 98
Prozent während des Bürgerkrieges zerstört worden.

Über die Kriegsgräber in den Oststaaten auch nur annähernd zutreffende
Angaben zu machen, ist unmöglich. Die Zentralgräberkartei der Wehr-
macht ist beim Zusammenbruch in Meiningen in russische Hände geraten
und weder dem Volksbund noch einer anderen westdeutschen Stelle zu-
gänglich. Nur bruchstückweise konnte die Zahl der Grabstellen namentlich
erfaßt werden, in Rußland 60.000, in Polen 35.000, in Rumänien 1553 —
von der Wehrmacht wurden dort 40.000 geschätzt —, in Ungarn 12.399,
in der Tschechoslowakei 25.800. Diese Zahlen entsprechen auch nicht
annähernd dem wirklichen Umfang; die meisten Toten brachte gerade
im Osten das letzte Kriegsjahr.

Der Volksbund richtet seinen Appell besonders an die Jugend. In den
letzten drei Sommern haben nacheinander tausend Jungen aus fünf-
zehn Nationen, darunter Chinesen und Nordamerikaner, das 72 Morgen
große Gräberfeld Lommel in Belgien mit einem hohen schützenden
Torfwall umgeben. Die Gräber der 39.500 deutschen Soldaten dort sind
so vor Windverwehungen bewahrt.

Der tiefe Wert dieser Arbeit liegt im Ideellen darin, daß diese Jungen sich
den Toten der Kriege verpflichtet fühlen und helfen, die Forderungen zu
erfüllen:

"Versöhnung über den Gräbern —
Friede zwischen den Völkern."

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, April 1956

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