Namensvarianten im Ermland / Ostpreußen.

in Orten der Kreise Allenstein, Braunsberg, Heilsberg und Rößel.

Moderator: -sd-

Namensvarianten im Ermland / Ostpreußen.

Beitragvon -sd- » 10.02.2015, 00:13

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Horst Lindner 'Namensvarianten im Ermland / Ostpreußen'

Namensvarianten kommen in den Kirchenbüchern in allen Gebieten von Deutschlands vor, da
die Pfarrer Kirchenbucheintragungen-Eintragungen nach Gehör niedergeschrieben haben.

Allgemeine Beispiele
Meist sind die damals erfaßten Daten je Pastor, Gebiet und Konfession recht unterschiedlich.
Früher wurden bei den Frauen von manchen Pfarrern einfach ein "in" bzw. "tin" angehängt.
Die Schreibweise war dann: HUBER = HUBERtin, MÜLLER = MÜLLERin, LINDNER = LINDNERin,
usw.
Wenn es der Vater war, dann erfolgte oft ein "en" Herr GROSS, "des Herrn GROSSen Tochter",
etc. In Sachsen wiederum wurde oft ein "sche" angehängt, z.B. "der LINDNERschen Tochter"
oder "die LINDNERsche".

Ermländische Formen der Namensschreibung
Bei meinen Forschungen speziell im Ermland/Ostpreußen sind mir immer wieder Namens-
varianten aufgefallen, die teilweise nachgewiesen oder auch nur vermutlich auf den gleichen
Ursprungsnamen hinwiesen bzw. den gleichen Namensstamm vermuten lassen. Viele Namen
sind phonetisch gleich oder zumindest verwandt, wurden aber oftmals unterschiedlich
aufgeschrieben (interpretiert ?).
Ebenfalls gibt es aber auch "Verbiegungen / Verstümmelungen / Erweiterungen", die vermut-
lich durch den polnischen Einfluß in diesem Gebiet "geboren" wurden. Insbesonders wenn ein
"SCH" im Namen vorkam, wurde oftmals auch die polnische Schreibweise "CZ" verwendet
(BARTSCH/BARTZ = BARCZ oder SCHULZ = SCOLZ (auch SCOLE), etc.

Nachfolgend nur einige wenige Beispiele, die recht häufig auftraten und von mir eindeutig
zugeordnet werden konnten. Die Basisnamen wurden von mir als Anhaltspunkt festgelegt.

Der Name BÖNIG (Basisname)
- hier existieren die mir bekannten Schreibweisen:
BOENIG, BÖENIG, BOENIGK, BÖNIG, BÖNIGK, BÖHNIG, BÖHNIGK, BOENING,
sowie einige ähnliche Namen wie BENECK, BENIG, BENIGK, o.ä.

Der Name KUHNIGK (Basisname)
- hier existieren die mir bekannten Schreibweisen:
KUNIG, KUNIGK, KUNIKG, KUHNIG, KUHNICK, KUHNIGK, KUHNIK, o.ä.
In einzelnen Fällen taucht hier auch der Name KUHN auf, der nicht eindeutig
zugewiesen werden kann. Ist es nur eine Abkürzung des Namens KUNIG oder
ist es ein eigenständiger Name ?

Der Name NITSCHMANN (Basisname)
- hier existieren die mir bekannten Schreibweisen:
NICZMAN, NICZMANN, NIECZMAN, NIETZMANN, NITSCH, NITSCHMANN, NYCZMANN, NITZMAN,
NITZSCHMANN, NYTZMANN, ö.ä.
(die Endung jeweils mit MAN oder MANN) oder: NETSCHMANN, usw.

Der Name TOLKSDORF (Basisname)
- hier existieren die mir bekannten Schreibweisen:
TOLGSDORF, TOLCKSDORF, TOLKSDORF, TOLXDORF, TOLXDORFF, usw. Insgesamt viermal
lief mir hierbei auch der Name FOLGSDORF "über den Weg"; es könnte sich auch um eine
weitere Variante von TOLKSDORF handeln.

Der Name MESSING (Basisname)
- hier existieren recht viele mir bekannten Schreibweisen:
MACINGK, MACZING, MAESSING, MAZINGK, MECINCK, MECING, MECINGK, MECZING, MECZYNK,
MEDCINK, MESSING, METZING, MEZCINK, MEZING, MEZINGK, MÖCING, MÖCINGK, MOECINCK,
MOECING, MOECINGK, MOESSING, MOEZING, MOEZINGK, MOZINGK, o.ä. oder MUDZINSKI.
Ist MUDZINSKI nur eine weitere Variante von MESSING oder ist es ein eigenständiger Name ?

Der Name WOYZIKOWSKI (Basisname)
- hier existieren die exotischsten mir bekannten Schreibweisen:
WOCZIKOWSKI, WOIZIKOWSKI, WOYCIKOWSKI, WOYCYKOWSKI, WOYCZYKOWSKI, WOYZIKOWSKI,
WOYZYKOWSKI oder WIETZKOWSKI, WITZELOWSKI
Sind die letzten nur wieder eine "Verballhornung" des Namens oder ist es ein eigenständiger
Name ?

Ein (extremes) Beispiel wäre der Name KROSCHEWSKI (Basisname)
in mehreren Kirchspielen und Generationen auch geschrieben als:,
Korczewski, Korozewski, Korscewski, Korschewski, Korsiewski, Koriewski, Kosiewski,
Krotttwski, Kroscewski, Kroschefski, Kroscheiwska, Kroschewsky, Krosuewski, Krosewski,
Krosewsky, Krosiewski, Kroszefski, Kroszewky Kroszewsky, Kronewski, Krucriewsky,
Kruczewsky, Kruscnewski, Krusewski, Krusewsky Krusiewsky, Krußewsky, Kruszewski,
Krusiewsky, Krusziewsky Krutkiewsky, Kruzevsky, Kmzewsky, Kruziewsky, Kruziwski,
Kurszewski, Kurvwski, Kuscnewski, Kusewski.

Die POLONISIERUNG der Namen im Ermland
In polnisch dominierten Gegenden bekamen oft ehemaliche deutsche Namen durch "polnisch
geprägte" Pfarrer einen polnischen Touch, oder polnische Ursprungsnamen eine "Verdeutschung".
So wurden etliche Namen durch das Anhängen von "KI" oder "SKI" "polonisiert":
GERMAN(GEHRMANN) = GERMANSKI
GRÜN = GRÜNKI
HOLZ = HOLZKI
KUHN/KUHNIG = KUHNKI / etc.

Die FESTSCHREIBUNG der Namen
Als nach dem deutsch/französischen Krieg 1870/1871 ab Mitte der 1870er-Jahre suzzesive
die Standesämter in Deutschland eingeführt wurden, kam es zu einer Festschreibung der
jeweiligen Namen in diesen Ämtern. Jetzt wurden die Namen erstmals flächendeckend erfaßt
und durch die Ausgabe von "Papieren" aller Art (die Vorgänger von Personalausweis/Reisepaß)
auf Bescheinigungen, Einwohner- und Steuerlisten, Gerichtsakten, Musterungslisten, usw. usw.
festgeschrieben. Allerdings hat es bei dieser "Ersterfassung" auch wieder "gemenschelt", so
daß dabei ebenfalls sehr viele Varianten dokumentiert wurden; die danach aber größtenteils
endlich statisch blieben. Variationen von Namen waren danach recht selten, da sich die
einzelnen Personen jetzt mit den unterschiedlichsten Papieren "ausweisen" mußten und
hierbei jeweils der festgeschriebene Name übertragen wurde.

Horst Lindner

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