Der Gebietsumfang der Neumark.

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Der Gebietsumfang der Neumark.

Beitragvon -sd- » 24.03.2021, 12:27

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Der Gebietsumfang der Neumark ist seit ihrer Entstehung im 13. Jahrhundert
in seinem Kern bis ins 20. Jahrhundert unverändert geblieben. Dieser Kern
umfaßte als eigentliche Neumark das Gebiet nördlich der Warthe-Netze-Linie
zwischen der unteren Oder im Westen und dem Flüßchen Drage im Osten, für
das im Jahre 1290 erstmals der Name „Neue Mark über Oder“ gebraucht wird;
dazu trat noch im gleichen Zeitraum das südlich dieser Linie gelegene und im
Westen und Süden von der Oder, im Osten von der Obra-Senke begrenzte
Land Sternberg. Dieses Kerngebiet wurde im Jahre 1482 durch das Land
Crossen mit Züllichau, Bobersberg und Sommerfeld erweitert und überschritt
damit erstmalig den Oderlauf in südlicher Richtung.

Seit 1535, als die Neumark unter Markgraf Johann von Küstrin das einzigemal
in ihrer Geschichte einen eigenen Staat bildete, gehörte auch der Kreis Cottbus
dazu, der schon 1445 brandenburgisch geworden war und nur während der
Franzosenzeit 1807 bis 1813 an das Königreich Sachsen abgetreten werden
mußte. Nach dem Tode des Markgrafen Johann 1571 blieb die Neumark in
ihrem bisherigen Umfang selbständige brandenburgisch-preußische Provinz
mit eigener Regierung in Küstrin bis zur Neuordnung und Neueinteilung des
Staates nach den Befreiungskriegen. Im Zuge dieser Verwaltungsreform im
Jahre 1816 wurden die Kreise Dramburg und Schivelbein von der Neumark
abgetrennt und zu Pommern gelegt, ebenso Teile des Kreises Arnswalde um
Nörenberg und des Kreises Soldin nördlich von Lippehne; dagegen trat Pommern
einige Dörfer des Kreises Pyritz in der Umgegend von Bernstein an den neumär-
kischen Kreis Soldin ab. Im Süden wurde der Kreis Schwiebus, der von 1686 bis
1694 und dann endgültig seit 1742 zu Preußen gehörte, aber der Regierung in
Glogau unterstellt war, mit dem neumärkischen Kreis Züllichau, der auch die
neue Kreishauptstadt stellte, vereinigt. Der 1816 neugebildete Regierungsbezirk
Frankfurt (Oder), zu dem nunmehr das gesamte Gebiet der Neumark gehörte,
behielt für die Landschaften nördlich der Warthe-Netze-Linie von Pommern
bis zur Oder den jahrhundertealten Namen „Neumark“ bei und verwendete ihn
auch in den post- und bahnamtlichen Bezeichnungen der Ortschaften. Die
Bevölkerung des weiten Gebietes, nieder- und mitteldeutschen Stammes mit
einem starken Anteil von Kolonisten aus dem ganzen Deutschen Reich, ist in
den langen Jahren der staatlichen Zusammengehörigkeit auch wirtschaftlich
und kulturell zur Einheit verschmolzen und hat diese Einheit bewußt und
treu gepflegt. Einschneidende Veränderungen in diesem einheitlichen Gebiet
traten erst zwanzig Jahre nach dem Ersten Weltkrieg ein, als 1938 die Provinz
Grenzmark Posen-Westpreußen aufgelöst und die jahrhundertealten, gut neu-
märkischen Kreise Arnswalde und Friedeberg von Brandenburg abgetrennt
und dem neugebildeten pommerschen Regierungsbezirk Schneidemühl beige-
legt wurden, und andererseits die Provinz Brandenburg beträchtlichen
Gebietszuwachs erhielt durch die Einverleibung der bisher grenzmärkischen
Restkreise Schwerin (Warthe) und Meseritz in die benachbarte Neumark.

Gerd Schmerse

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