Am 9. Juli 1807 wurde der Friede zu Tilsit geschlossen.

Deutschland unter französischem Einfluß.

Am 9. Juli 1807 wurde der Friede zu Tilsit geschlossen.

Beitragvon -sd- » 13.09.2016, 08:20

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Aufstieg aus tiefster Not.
Am 9. Juli 1807 wurde der Friede zu Tilsit geschlossen.


Als sich am 9. Juli 1807 der französische Bevollmächtigte Talleyrand und der
preußische Graf Kalckreuth trafen, um in Tilsit die Friedensbedingungen für
Preußen zu unterzeichnen, war der ehemals friderizianische Staat völlig
vernichtet. Nach der Katastrophe von Jena und Auerstedt im Oktober 1806
hatte es kaum ein Mittel gegeben, die vormarschierenden Truppen der
Franzosen aufzuhalten, die noch vom Schwung der Revolution beherrscht waren
und unter Napoleon und seinen Generalen das Siegen gelernt hatten. Wie eine
Flut hatten sie sich in die preußischen Provinzen ergossen, und nur hier und
da, etwa in Graudenz oder Kolberg und Kosel hatten sich ein paar kleine
Festungen als Inseln gehalten, während die Trümmer der geschlagenen
preußischen Armee nach Ostpreußen ausgewichen waren. Hier nun endlich
griffen die mit Preußen verbündeten Russen zum ersten Male aktiv in den für
sie höchst unpopulären Krieg ein, als sie sich bei Putulsk den Franzosen
stellten, um schließlich im Februar 1807 zusammen mit den Preußen bei
Preußisch-Eylau das erste Remis gegen Napoleon zu erzwingen. Es waren in
erster Linie die Truppen des preußischen Generals Lestocq, die den forciert
angreifenden rechten Flügel der Franzosen — Davoust führte ihn — immer
wieder abwiesen.

Allein, Napoleon revanchierte sich bereits im Juni bei Friedland, und dieser
Sieg war nun der indirekte Anlaß dafür, daß Alexander von Rußland noch
Ende 1807 Waffenstillstandsverhandlungen mit den Franzosen einleitete.
Zu diesem Zeitpunkt hatte noch kein französischer Soldat russischen Boden
betreten. Aber die letzte Hauptstadt Preußens — Königsberg — war inzwischen
gefallen. So gab es für Preußen keinen anderen Ausweg, als ebenfalls die
Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen. Anfang Juli kamen dann die
Friedensverhandlungen zustande, die für die nächsten Jahre das Gesicht
Europas bestimmten.

Schon am 7. Juli war der Friede zwischen Rußland und Frankreich unter-
zeichnet worden, bei dem Rußland nichts verlor, den Bezirk um Bialystock
in Neuostpreußen vom ehemaligen Verbündeten erhielt, und sich lediglich
bequemen mußte, die Geschwister Napoleons als europäische Fürsten anzu-
erkennen. Napoleon war dafür bereit, die Vermittlung Rußlands zu einem
Friedensschluß zwischen Frankreich und England anzunehmen, allerdings mit
der geheimen Zusatzklausel, daß im Falle einer englischen Weigerung der Zar
zusammen mit dem Kaiser den Krieg gegen England aufnehmen wollte. Im
Ganzen stellte dieser Vertrag eine Einigung der letzten kontinentalen Groß-
mächte auf Kosten Preußens dar, und Napoleon war sehr froh, nunmehr freie
Hand zum Krieg gegen Spanien zu bekommen.

Man kann den 9. Juli 1807 einen der schwärzesten Tage der preußischen
Geschichte nennen; denn durch den Tilsiter Frieden verlor Preußen 2902
Quadratmeilen nicht nur über die Hälfte seines Territoriums, sondern auch
die Hälfte seiner Einwohner. Beim preußischen Staate verblieben nur noch
etwa 5,2 Millionen Menschen.

Der Löwenanteil des abgetretenen Gebiets lag zwischen dem Rhein und der
Elbe, die nun Preußens westliche Grenze bildete. Dieses Gebiet war unter
Jerome Napoleon zum Königreich Westfalen zusammengefaßt worden. Außer
dem Gebiet um Bialystock gingen noch die Erwerbungen verloren, die Preußen
seit 1772 durch die polnischen Teilungen im Osten erhalten hatte. Sie kamen
zum neugebildeten Herzogtum Warschau, das der sächsischen Krone unterstellt
wurde. Danzig wurde zur 'Freien Stadt' erklärt, über die Sachsen und Preußen
die Schutzaufsicht übernehmen sollten. Die preußischen Häfen wurden für
Großbritannien geschlossen. Durch eine geschickte Manipulation war es für
Frankreich möglich, Unsummen aus Preußen herauszupressen, weil der Artikel
28 des Vertrags nur besagte, daß nach Leistung der Kriegskontribution Frank-
reich seine Truppen aus dem besetzten Gebiete abziehen werde, der Vertrag
aber verzichtete darauf, die Höhe der Summe festzusetzen.

So nimmt es sich wie ein Hohn aus, wenn der Artikel eins des Friedensvertrags
gleichsam als Präambel feststellt, daß nach der Ratifikation dieses Dokuments
durch Napoleon und Friedrich Wilhelm III. zwischen dem Kaiser der Franzosen
und dem König von Preußen Friede und vollkommene Freundschaft herrschen
werde. — Jahre allergrößter Sorge und schwerster Arbeit lagen nach dem
Abschluß des Tilsiter Friedens vor Preußen. Aber es nutzte sie. Das Reformwerk
von Hardenberg und Stein entstand in dieser Zeit, wie auch die Reorganisation
der preußischen Armee durch Scharnhorst und Gneisenau, die Errichtung der
Landwehr und die Aufstellung eines Volksheeres mit weitgehender Einschrän-
kung der Adelsprivilegien die Grundlage zu der Befreiung im Jahre 1813 wurden.

Gerd-Ekkehard Lorenz

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, Juli 1957

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