D. Furrer 'Soldatenleben. Napoleons Rußlandfeldzug 1812.'

Deutschland unter französischem Einfluß.

D. Furrer 'Soldatenleben. Napoleons Rußlandfeldzug 1812.'

Beitragvon -sd- » 25.05.2016, 08:20

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D. Furrer 'Soldatenleben. Napoleons Rußlandfeldzug 1812.'
Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2012, 328 Seiten. 34,90 Euro


Der Schweizer Autor Furrer benennt schonungslos die Fakten und bewertet sie:
Napoleon, der Nationalheld der Franzosen bis heute, bestattet im Pariser
Pantheon wie ein Halbgott, war ein skrupelloser Machtmensch, ein Massen-
mörder, ja einer der furchterregendsten Kriegsverbrecher der Weltgeschichte.
In den von ihm beherrschten Kriegsjahren verloren rund fünf Millionen
Menschen ihr Leben, eine Million davon waren Franzosen. Allein der wahn-
witzige Rußlandfeldzug brachte eine Million Menschen aus zwanzig Nationen
ins Grab. Daß der Napoleonmythos in Frankreich zur Staatsräson zählt, ist
Skandal genug, man muß diesen Fetisch nicht auch noch außerhalb der
Grande Nation hochhalten. Dafür hat Furrer das leicht lesenswerte Buch
geschrieben: übersichtlich, faktenreich, erlebnisangereichert und legitimiert
durch Zeitzeugen, die den Greuel entkamen, darunter auch dreißigtausend
Pfälzer und Bayern, denen man in München eine Erinnerungssäule errichtet
hat. Aus der Sicht der verheerenden Verlustbilanz an Menschenleben (auch
Jugendliche wurden zu Kriegszwecken zwangsausgehoben) gibt es an diesem
korsischen Monster nichts, aber auch gar nichts zu bewundern. Wer sein an-
gebliches militärisches Genie preist, übersieht seine katastrophalen Fehl-
einschätzungen, so das Versorgungsdesaster in Rußland. Gewiß, er hat
sechzig Schlachten gewonnen, aber um welchen Preis ? Und war er nicht
ein Meister im rechtzeitigen Flüchten, wenn eine Sache verloren war:
Ägypten, Moskau, Waterloo ? Jeweils kümmerte ihn das Elend der zurück-
gelassenen Soldaten nicht. Was gibt es daran zu bewundern ? Die Franzosen
klammern sich an drei napoleonische Verdienste. Ist aber die zentralistische
Verwaltungsstruktur nicht eher entwicklungs- und bürgerfeindlich, wie ein
Blick auf das wettbewerbsschwache Frankreich zeigt ? Der Diktator sah alles
unter militärischem und imperialistischem Blickwinkel, alles: Zweckehen
und Straßenbau, Verwaltung und Gesetze. Den Usurpator als gescheiterten
Einiger Europas zu betrachten ist schwarzer politischer Humor. Furrer sieht
ihn, wie die Fakten es gebieten: Selbst nach einem Sieg über Rußland hätte
der machtpathologische Ehrgeizling militärisch weltweit weitergemacht, aus
innerem Zwang und nationaler Ruhmsucht. Europa hatte er weitgehend
»kolonialisiert« (Furrer), und er hätte den alten Kontinent nach und nach
so französisiert wie die meisten eigenen Landesteile im Laufe der Geschichte:
Burgund, Normandie, Lothringen, Elsaß usw. Die napoleonischen Auswirkungen
sind immer noch aktuell: Insgeheim träumt das politische Frankreich von einer
Hegemonie in Europa, wovon ›Brüssel‹ ein beredtes Zeugnis ablegt.

Quelle
: http://www.walthari.com/wz4.html

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Mitgeteilt von Hans-Dieter Zemke, Kornwestheim.
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