Der Zusammenbruch Preußens.

Deutschland unter französischem Einfluß.

Der Zusammenbruch Preußens.

Beitragvon -sd- » 15.03.2019, 10:20

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Der Zusammenbruch Preußens. Der unglückliche Krieg 1806 und 1807.

Quelle: Kahnmeyer und Schulze 'Realienbuch' Nr. 136
Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig. 1940.

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Kennzeichnende Anmerkungen:

Das preußische Heer hatte nach dem Tode Friedrich d. Gr. viel von seiner
Kriegstüchtigkeit verloren. Die Heerführer waren alt und gebrechlich, die
Soldaten mehr Handwerker als geübte Kriegsleute. Ein großer Teil der
Soldaten war fast das ganze Jahr hindurch beurlaubt. Viele waren auch
Familienväter, die mit Zittern und Zagen in den Krieg zogen. Das Heer
wurde mehr für die Parade als für den Felddienst geübt. Während Napoleon
seine Truppen in offenen Schützenschwärmen kämpfen ließ, gingen die
Preußen noch immer in geschlossenen Gliedern ins Feuer. Die Ausrüstung
war unzweckmäßig. Das Gewehr hatte - damit es sich besser senkrecht
tragen ließ - einen geraden Schaft, wodurch es an Brauchbarkeit verlor.
Der blankpolierte Lauf blendete und erschwerte das Zielen, das Schloß
war groß, aber versagte leicht. Die Uniform war eng und unpraktisch.
Noch immer band der Soldat auf den kurzgeschorenen Kopf einen arm-
langen Zopf, noch immer trug er die engen Gamaschen, die das Bein ein-
zwängten und das Marschieren erschwerten. Die Bewegung der Armee
ward behindert durch einen endlosen Troß von Packpferden und Pack-
wagen, die für die Offiziere Zelte, Feldtische, Feldstühle, Feldbetten,
Koffer, Kochgeschirre usw. fortzuschaffen hatten.

Quelle: Kahnmeyer und Schulze 'Realienbuch' Nr. 136
Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig. 1940.

Jena und Auerstedt.

1806. Nachdem Napoleon Österreich besiegt und mit den süddeutschen
Staaten den Rheinbund geschlossen hatte, gab es nur noch eine Macht in
Deutschland, die sich seinem Willen nicht fügte. Das war das Königreich
Preußen. Wie es schien, legte es Napoleon ganz darauf an, dieses Land
bis aufs äußerste zu demütigen oder zum Kampfe der Verzweiflung zu
reizen. Vor allem suchte er zu verhindern, daß Preußen nicht mit den zum
Rheinbunde gehörenden Fürsten einen "Norddeutschen Bund" bilde. Ohne
Zustimmung Preußens ließ er seine Truppen durch den preußischen Bezirk
Ansbach marschieren. Hannover, das er erst Preußen förmlich aufgedrun-
gen hatte, bot er den Engländern wieder an. Da erklärte der König im
Vertrauen auf Rußlands Hilfe den Krieg.

Das preußische Heer sammelte sich, ehe die Russen kommen konnten, in
Thüringen unter dem alten Herzog von Braunschweig. Die Offiziere meinten
in ihrem Hochmut, mit Napoleon leicht fertig werden zu können. Aber wie
der Blitz war dieser heran, schlug die preußische Vorhut unter dem tapferen
Prinzen Louis Ferdinand, der in dem Gefechte fiel, bei Saalfeld am 10. Ok-
tober zurück, und besiegte die Preußen am 14. Oktober in der Doppel-
schlacht bei Jena und Auerstedt vollständig. Das geschlagene, mutlose
Heer wurde auf der Flucht vernichtet.

Verrat und Feigheit. Die geworbenen Söldner flohen in die Festungen und
brachten Schrecken und Entsetzen mit. So unerwartet und schnell war das
Unglück gekommen, daß die alten Kommandanten keinen Mut zum Wider-
stande fanden, sondern die Sache des Vaterlandes verloren gaben. Die wohl-
besetzten Festungen Erfurt, Spandau, Stettin, Küstrin, Hameln und Magde-
burg ergaben sich, ohne einen Schuß zu tun.

Lachend sagte Napoleon zu einem seiner Generale: "Da Ihre Husaren Festungen
erobern, so kann ich meine Geschütze einschmelzen lassen." Als sich französi-
sche Armeen der Hauptstadt näherten, wollten sich die Bewohner Berlins
bewaffnen und Widerstand leisten. Aber der Stadkommandant dämpfte bald
ihren Mut mit dem schmachvollen Befehle: "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht !"
So konnte denn Napoleon schon am 27. Oktober ungehindert in Berlin ein-
ziehen.

Quelle: Kahnmeyer und Schulze 'Realienbuch' Nr. 136
Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig. 1940.

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