Werdegang eines ev. Pfarrers in Preußen.

Werdegang eines ev. Pfarrers in Preußen.

Beitragvon -sd- » 17.10.2019, 09:34

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Ulrich Schoeter [+ am 13. April 2015] schrieb am 15.12.2005:

Hier sei einmal der Werdegang eines ev. Pfarrers in Preußen dargestellt.

Quelle: Evangelisches Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg seit der Reformation.
Hrsg. vom Brandenburgischen Provinzialsynodalverband.
1. Band Verzeichnis der Pfarrstellen und der Pfarrer. Berlin, 1941, S. VI und VII:

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"Der typische Werdegang eines Pfarrers der alten Zeit [beginnend einige Jahrzehnte
nach der Reformation] verlief etwa folgendermaßen. Auf den Besuch einer Lateinschule
folgte das Studium auf einer Universität. Eine Abschlußprüfung gab es nicht, das Abitur-
ientenexamen wurde in Preußen erst durch Erlaß vom 23. Dezember 1788 eingeführt.
Wittenberg war anfänglich die besuchteste Universität, bis von dem Großen Kurfürsten
am 21. August 1662 ihr Besuch für alle diejenigen verboten wurde, die in Brandenburg
ein Pfarramt begehrten. An ihre Stelle traten Frankfurt, Jena, Leipzig, vereinzelt auch
Rostock, Greifswald und Königsberg, bis unter dem König Friedrich Wilhelm I. der
Besuch von Halle obligatorisch wurde.
Nach Beendigung des Studiums, das häufig durch den Erwerb des Magistertitels, M.,
abgeschlossen wurde, wurde der junge Theologe entweder Hauslehrer in einer ange-
sehenen, meist adeligen Familie, Informator, oder er nahm eine Lehrerstelle an einer
Lateinschule an. Der Leiter einer solchen Schule war der Schulmeister, Ludimoderator,
die anderen Lehrer waren die Schulgesellen. Allmählich setzte sich für den Leiter der
Titel Rektor durch, die anderen waren seine Schulkollegen unter mannigfaltigsten
Titeln: Konrektor, Prorektor, Subrektor, Subkonrektor, Kantor, Auditor, Signator,
Tertianus, Quartus, Quintus, Baccalaureus, Infimus. Einige Gymnasien verdienen eine
besondere Erwähnung. In Berlin das Gymnasium zum Grauen Kloster und das
Köllnische Gymnasium, seit etwa 1650 das Joachimsthalsche und das Friedrich-
Werdersche Gymnasium, in Brandenburg die Ritterakademie, die v. Saldernsche Schule,
Saldria genannt, und das Stadtgymnasium, in Halle das Gymnasium bei den Franke'
schen Stiftungen, die Latina.
Der Schuldienst dauerte so lange, bis es gelang, die Vokation zu einer Pfarrstelle zu
erhalten. Dann erfolgte die Prüfung vor dem Konsistorium, die Bestätigung durch den
Landesherrn, Konfirmation, die Ordination durch den Generalsuperintendenten, endlich
die Einführung in das Amt, die Introduktion, durch den Superintendenten, der bis zum
28. August 1806 den Titel Inspektor führte.
Wurde ein Pfarrer dienstunfähig, dann nahm er sich einen Adjunkten zur Hilfe, der
ihm ein Drittel des Gehalts als Pension zahlen und freie Wohnung gewähren mußte.
Man unterschied Adjunkten sine spe succedendi [ohne Aussicht auf - ] und Adjunkten
cum spe succedendi [mit Aussicht auf Nachfolge im Amt]. Erstere sind hier
[im Pfarrerbuch] als Hilfsprediger, letztere als Pfarrer und Amtsnachfolger angeführt."

Ulrich Schroeter *)

*) Ulrich Schroeter aus Strausberg ist am 13. April 2015 verstorben.

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