Hauländereien im Posener Land.

Was sind Hauländereien ?

Hauländereien im Posener Land.

Beitragvon -sd- » 03.08.2009, 17:34

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Die nachfolgenden Ausführungen sind nur ein Teilauszug eines längeren, m.E. lesenswerten,
inhaltlich informativen und hilfreichen Textes. Es lohnt sich m.E. den gesamten Text zu lesen
und auch der Webseite 'Familie Krantz' Aufmerksamkeit zu schenken. Dieter Sommerfeld (-sd-)

http://www-users.rwth-aachen.de/Piotr.K ... hichte.htm


Adam Krantz schrieb:

Grüß Dich;
Selbstverständlich kannst Du den Text zu anderen Zwecken verwenden. Ich habe doch die historischen Daten
nicht selbst erschlossen, sondern mühsam aus vielen Quellen zusammengestellt.
Der Text bleibt für alle zugänglich und soll auch weitergereicht werden. Du kannst Dich also ruhig bedienen.
Gruß nach Hamburg
Adam K.


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Zahlreiche Hinweise und Forschungsergebnisse zu den Holländereien und ihrer Verbreitung in Posener Lande
findet man in den Studien von Topolski, Rusiński und Hładyłowicz. Leider mußte ich feststellen, daß das Thema
nur am Rande behandelt wurde und noch heute nicht ausreichend erforscht ist. Dabei ist die nicht flächen-
deckende Aufarbeitung der vorhandenen Materialien die größte Not für einen einsteigenden Genealogieliebhaber;
so z.B. das Gebiet zwischen Gnesen, Tremessen und Witkowo ist kaum von einem Lokalforscher "berührt" worden:
Es täte Not, das Terrain in Augenschein zu nehmen.

Eine sehr hilfreiche Stütze bietet hierin das kleine unscheinbare Büchlein von Topolski, das ungeachtet seines
mickrigen Umfangs eine Überfülle von Informationen zu den im Erzbistum Gnesen im 18. Jh. gegründeten
Holländereien vermittelt. Das Büchlein macht wirklich Hoffnung, bei der Verfolgung seiner Familienbanden
weiterzukommen, denn es enthält eine übersichtliche und leicht verständliche Quellensammlung, die von den
Inventarbüchern bis Korrespondenzbriefen des Gnesener Erzbischofs so ziemlich alles beinhaltet. Schon Ende
des 17. Jahrhunderts, besonders aber im 18. Jahrhundert beobachten wir eine kollektive Auswanderung aus
dem Netzekreis. Dabei ist zu bemerken, daß die Abwanderung nicht mit einem Schubs erfolgt ist, sondern sich
sukzessiv entwickelte. Der wütende Nordische Krieg und die einhergehende Pest ließen das Posener Land
herunterkommen: die Bevölkerung wurde dezimiert und der Boden lag streifenweise brach. Schon vor den
katastrophalen Ereignissen des 18. Jahrhunderts galt das Land als unterbevölkert und schlecht bewirtschaftet.

In den Jahren von 1700 bis 1720 wurden in Großpolen etwa 35 Dörfer aus neuer Wurzel gegründet. Dazu
kommen viele alte Dörfer die neu besiedelt wurden, deren Zahl aber schwer zu bestimmen ist. Insgesamt
kann man die Zahl aller Dörfer, die von den deutschen Kolonisten besiedelt wurden, auf etwa 50 schätzen.

In den Jahren 1720 - 1750 läßt sich eine deutliche Steigerung der Neugründungen beobachten (etwa 110);
die meisten von ihnen waren Holländer-Dörfer. Zusätzlich wurden 25 alte Dörfer mit deutschen Holländern
durchsetzt. In den Jahren 1750 bis 1772 kamen weitere 235 neue Dörfer und in der abschließenden Phase
in den Jahren 1773 - 1793 stieg die Zahl der neu gegründeten Dörfer auf 400.

Im Mogilnoer Land entstanden die ersten Holländer-Siedlungen Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Ihre Anzahl
war aber sehr gering und die neue Wirtschaftsform und Wirtschaftsführung, die durch sie Einzug in Großpolen
gefunden haben, blieben nach wie vor auf die neuen Dörfer begrenzt. Durch weitgehende Freiheiten und
geringere Abgaben hoben sie sich von der in polnischen Dörfern üblichen Fronarbeit ab. Die eigentliche Welle
der Holländer-Siedler kam aber erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhundertes. Zu den Hauländerein, die
in dieser Periode gegründet wurden, zählt man Babki, Chabsko, Dobsko, Duszno, Gac, Głęboczek, Jeziora,
Kozidół, Łomno und Orchowiec. Nach 1772 entstanden noch folgende: Wronowy, Niestronnie, Wieniec,
Gozdawa, Mielno und Słowikowo.

Für das Gnesener Land sind Jahre 1770-1790 relevant, da in der Zeit die meisten Dörfer zu holländischem
Recht gegründet wurden. Wie man aus der Karte der bis zu der ersten Teilung gegründeten deutschen
Hauländereien entnehmen kann, ist das Dreieck Gnesen, Witkowo, Tremessen (abgesehen von den
südlich von Gnesen gelegenen Hauländereien Alt Kokoszki, Neu Kokoszki, Pustachowo und Mnichowo,
von deren Gründung Adolf Warschauer in seinem Buch 'Die Geschichte der Stadt Gnesen' genaue Informa-
tionen angibt) bis dahin von den deutschen Kolonisten nicht in Angriff genommen. Erst die Jahre 1770-90
zeichnet eine verstärkte Besiedlung dieses Gebietes. Es entstanden ganz neue Dörfer, oder die alten, die
verlassen oder untergekommen waren, wurden neu besiedelt. Zu den neuen Hauländerein, die um den
Wierzbiczany See und Staatliche Forst Korschin gegründet wurden, gehören Gaj, Rudki bei Sokołowo,
Kujawki und Leśnik. In den Jahren 1785-95 folgten dann Zalesie und Kalina, die um das Jahr 1802 herum
entweder zur deutschen Kolonie Braunsfeld umbenannt oder zu dieser Kolonie eingemeindet wurde. Um
die Jahrhundertwende kamen dort Schwaben an:

Braun, Johann Jacob; 6 Personen aus Dernstaedt Amt Rollwang
Braun, George; 6 Personen aus Dernstaedt Amt Rollwang
Braun, Andreas; 3 Personen aus Dernstaedt Amt Rollwang
Kraus, Friedrich; 5 Personen aus Dernstaedt Amt Rollwang
Haekser/Hauser, Mathias; 3 Personen aus Dernstaedt Amt Rollwang
Henninger, Michael; 6 Personen aus Dernstaedt Amt Rollwang
Stahl, Christian; 6 Personen aus Dernstaedt Amt Rollwang
Stahl, George Friedrich; 3 Personen aus Dernstaedt Amt Rollwang
Prillmeyer, Johann; 4 Personen aus Nerlingen (Aug. 1802)

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