Ostdeutsche Familiennamen.

Woher stammt mein Name ?

Ostdeutsche Familiennamen.

Beitragvon -sd- » 23.02.2014, 11:50

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Adomeits kommen aus dem Baltikum.
Zwei Sprachwissenschaftler erklären die Herkunft der Familiennamen von
Vertriebenen und Flüchtlingen
.


Von Thomas Parr

"Ein Leben dauert eine Generation, ein Name dauert fort". Für viele der nach
1950 Geborenen ist diese japanische Weisheit eng mit der Familiengeschichte
verknüpft.

Ihr Familienname birgt eine Geschichte, die Großeltern und vielleicht
auch Eltern nicht mehr erzählen können – die Geschichte von einem Leben
in einem Kulturkreis fern von Deutschland, das aufgegeben werden mußte,
um zu überleben.

Zu Familiennamen der Vertriebenen und Geflüchteten befragten wir den
Namenforscher Professor Jürgen Udolph von der Universität Leipzig,
seines Zeichens Autor des Werkes 'Professor Udolphs Buch der Namen.
Woher sie kommen. Was sie bedeuten', sowie die Sprachwissenschaftlerin
Dr. Rita Heuser (Universität Mainz), die am Projekt 'Deutscher Familien-
namen-Atlas' mitgearbeitet hat.

Hat es eine Zunahme osteuropäischer Namen in Deutschland nach 1945
gegeben ?


Jürgen Udolph: Ja, selbstverständlich. Man schätzt, dass mehr als fünfzehn
Millionen Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, aber auch
weit darüber hinaus, so etwa aus Polen, dem Baltikum, aus Weißrußland
und Rußland, der Ukraine, aus dem Kaukasusgebiet und vom Balkan nach
Deutschland gekommen sind.

Man kann an der unterschiedlichen Streuung erkennen, ob ein Familienname
in Deutschland heimisch gewesen oder durch Zuwanderung gekommen ist.

Rita Heuser: Ohne Nachforschung läßt sich heute aber nicht ohne weiteres
sagen, ob eine Familie zu den vertriebenen oder geflüchteten Familien
gehörte. Der Name Fleischer zum Beispiel kann im Mittelalter mit in den
Osten genommen worden oder dort entstanden sein, und 1944/45 ist er
wieder zurückgekehrt.

Gibt es Regionen in Deutschland, in denen sich bestimmte Namen häufen ?

Udolph: Vertriebene, Flüchtlinge und Umsiedler haben sich in ganz Deutschland
niedergelassen. Bei Zuwanderung aus Pommern und Ostpreußen erfolgte die
Einwanderung über den Ostseeraum, so daß sich die Namen in Mecklenburg-
Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen bis hin zum Ruhr-
gebiet finden.

Namen aus Böhmen und dem Sudetengebiet lassen sich noch heute daran
erkennen, daß die Familiennamen wie in einem Kranz rings um Böhmen in
den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Bayern gestreut sind.

Siebenbürger Sachsen stammten fast immer aus Süddeutschland. Bei ihrer
Rücksiedlung in die Bundesrepublik zog es sie erneut nach Süddeutschland.
Nur wenige fanden den Weg in den Norden.

Gibt es oder gab es Flüchtlings- oder Auswandererwellen, die zu
bestimmten Zeiten bestimmte Namen nach Deutschland brachten ?


Udolph: Im Wesentlichen geht es um die Zuwanderung, Vertreibung, Flucht
und Umsiedlung, die mit den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges und den
Nachkriegsjahren zusammenhängen. Aber auch schon früher, etwa im 19.
und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wanderten Menschen aus
wirtschaftlichen Gründen aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien aus.

Heuser: Das erklärt den erhöhten Anteil polnischer Familiennamen im
Ruhrgebiet. Diese Familien, meist Bergarbeiter, sind schon seit dem 19.
Jahrhundert dort ansässig und waren nicht von Flucht und Vertreibung
betroffen.

Kann man Namen bestimmten osteuropäischen bzw. baltischen Ländern
zuordnen ?


Udolph: Polnische Namen sind Tirpitz, Stemplinski, Kriewitz, Karkowsky,
Jannowitz, Mikulla, Sawade, Warzecha, Kursawe, Kowalski, Urbanek,
Bialas, Biegalke, Nowak, Malik, Suchan.

Tschechische Namen: Horak, Svoboda, Moravetz, Vavra, Vaclav, Vrabec,
Vocelka, Veverka, Skoda, Vaculka, Chudoba, Hospod.

Baltische (litauische, lettische, altpreußische) Namen sind: Adomeit,
Aleit, Aschmoneit, Pareigis, Smeilus, Staginnus, Motikat, Ranglack,
Schwellnus, Lebenath, Ramuschkat, Sunkemat.

Sind im osteuropäischen Raum deutsche Namen bekannt, die osteuropäischen
Sprachen angepasst wurden ?


Udolph: Die gibt es. Meja ist wohl als polonisierte Form zu Meier zu deuten.
Biedrzych, Bedrzych, Bedrych sind sorabisierte und polonisierte Formen von
Friedrich. Wuttke ist eine Eindeutschung aus polnisch Wódka = poln. Wodka.

Heuser: Es gibt aber auch die schlichten Anpassungen. Nehmen wir nochmals
die Familie Fleischer oder Schultze. Formen wie Fleischerowitz, Schultzkowski,
Schultzki kommen vor.

Kann man von Namensendungen auf die Herkunft schließen ?

Heuser: Namen-Endungen mit "-ski" oder "-sky" werden sofort mit
polnischer Herkunft identifiziert. Deutlich ist auch die Endung "-eit"
(Sohn des) wie in "Balzereit" zum Beispiel, Die Endung ist litauisch und
kommt häufig in ostpreußischen Namen vor.

Balzereit leitet sich von Balthasar ab. Gleiches gilt für die Endung "-at".
Endrulat ist der Sohn des Andreas. Häufig ist auch die Endung "-ow".
Meist sind es slawische Ortsnamen, von denen es viele sowohl in
Mecklenburg-Vorpommern als auch in Polen gibt.

Quelle: Braunschweiger Zeitung, 17. August 2006.

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