Die Familiennamen der Deutschen (Sechs Bände).

Woher stammt mein Name ?

Die Familiennamen der Deutschen (Sechs Bände).

Beitragvon -sd- » 25.06.2013, 17:01

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Die Migration im Namen. Wer Schwab heißt, dessen Vorfahren haben Schwaben verlassen.

Lautet Ihr Name Schwab, Bayer, Hess, Preuß, Döring oder Schweizer ? Dann hat Ihre Familie höchstwahr-
scheinlich einen Migrationshintergrund. Das beweist der vierte und neueste Band des Familiennamenatlas.


Karte Nr. 42 im Band 4 des Deutschen Familiennamenatlas zeigt die Verbreitung des Familiennamens Schwab.
Sie hat einen weißen Fleck ausgerechnet dort, wo die Schwaben wohnen. Von Ausnahmen wie Gustav Schwab
abgesehen, findet man die Schwabs also vor allem außerhalb des schwäbischen Siedlungsraums - aus gutem
Grund. Denn als sich vor etwa 600 bis 800 Jahren die Familiennamen etablierten, bezogen sich viele davon
auf die Herkunft - sofern es sich um eine fremde Herkunft handelte. Schließlich wäre es sinnlos gewesen,
einen Schwaben in seiner Heimat Schwab zu nennen. In einer bayerischen, fränkischen oder hessischen Um-
gebung hingegen war ein Schwab leicht zu identifizieren, und nichts anderes war der Sinn von Familiennamen
in einer Zeit, wo jeder nur einen Vornamen hatte, der zudem meist sehr häufig vorkam.

Das gilt für alle Familiennamen, die Namen deutscher Stämme enthalten, auch Döring, worin der Thüringer
steckt. Und erst recht für Namen, die ins fremdsprachige Ausland weisen wie Welsch, Wallisch oder Walch.
Die deuten auf "welsche", also romanische Vorfahren, während Wendt, Wind, Wünsche, ins Wendland, in die
slawische Nachbarschaft führen - so wie Unger oder Hunger nach Ungarn.

Der Atlas kann sogar die Geschichte des Rattenfängers von Hameln erklären, und zwar am Namen Westphal.
Der findet sich stark konzentriert im Ostseeraum, was daran liegt, dass im Mittelalter viele Westfalen ihre
Heimat in Richtung Nordosten verlassen haben. Konrad Kunze, Mitherausgeber des Familiennamenatlas,
weist darauf hin, dass die Rattenfänger-Sage heute als Reflex auf die Abwerbung junger Leute für die neuen
Siedlungsgebiete interpretiert wird.

Was für Völkernamen wie Wend und Schwab gilt, läßt sich auch für Namen wie Bremer, Basler, Eichinger
oder Alzheimer nachweisen. Es sind die Namen des Ortes, aus dem ein Vorfahr ausgewandert ist. Der Orts-
name ging in den Familiennamen ein, um einen, der von außerhalb gekommen war, damit zu identifizieren.

Der Typus der Namen kündet ebenfalls von der Herkunft ihrer ersten Träger. So zeigt die Karte des Namens-
typs -inger, also Eichinger, Böhringer usw., dass dessen Hauptverbreitungsgebiet nur knapp über die Main-
linie reicht. Das deckt sich mit der Verbreitung der Ortsnamen, die auf -ingen und -ing enden. Das wird zwar
niemanden wundern, aber in diesem Atlas ist dies zum ersten Mal nachgewiesen und dokumentiert.

Hammer-Namen wie Mooshammer, Hundhammer, Kapfhammer etwa kommen hauptsächlich in Bayern vor,
was nicht etwa daran liegt, dass in Bayern die Hammerproduktion besonders ausgereift gewesen wäre. Viel-
mehr ist -hammer die bayerische Form von -heimer, und diese Familiennamen rühren von Ortsnamen wie
Moosham (Moosheim), Hundham und Kapfham.

Der Atlas kartiert auch "Wohnstättennamen", deren erste Träger nach ihrem Wohnumfeld benannt wurden.
Das konnten Bäche, Hügel, Straßen, Bäume, Felder und andere Geländemerkmale sein; von ihnen stammen
Namen wie Bachmann, Bühler (Bühl = Hügel), Gessler (Gasse), Felber (Felbe = Weide) oder Rockenfeller
(Roggenfeld). Freilich gibt es auch hier wieder zum Teil starke regionale Unterschiede. So hieß und heißt
der Bachmann im Norden Beckmann, weil der hochdeutsche Bach auf Mittelniederdeutsch beke lautete.
Was dem Süddeutschen das Feld, ist dem Norddeutschen der Kamp. Darum heißt der Rockenfeller dort
Roggenkämper. Und wenn ein Beckmann oder Roggenkämper in Süddeutschland wohnt, sind seine nord-
deutschen Vorfahren irgendwann dorthin ausgewandert.

Fazit: Es sind also keineswegs nur die türkischen oder vietnamesischen Namen, die von Wanderungs-
bewegungen zeugen, sondern auch die vertrauten deutschen. Daher sollte jeder, der über Zugezogene
herzieht, erst mal im Band 4 des Familiennamenatlas nach seinem eigenen Familiennamen suchen.

Quelle:
SCHWÄBISCHES TAGBLATT, Ausgabe 25. Juni 2013.
Autor des Artikels ist Henning Petershagen.
http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten ... 19217.html

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Die Familiennamen der Deutschen in sechs Bänden.

Sechs Bände wird der Deutsche Familiennamenatlas (DFA) umfassen, wenn er fertig ist. Die drei
ersten Bände sind der Grammatik der Familiennamen gewidmet.
In Band 1 geht es um Schreibweisen und Variationen der Vokale;
in Band 2 um die der Konsonanten. Band 3 behandelt die Wortbildung.
In den drei folgenden Bänden geht es um die Bedeutung der Familiennamen.

Band 4 gilt den Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätten,
Band 5 den Berufs- und Übernamen
und Band 6 den aus Rufnamen entstandenen Familiennamen.

Der Deutsche Familiennamenatlas entsteht an den Universitäten Freiburg und Mainz unter Leitung
der Namenforscher Konrad Kunze (Freiburg) und Damaris Nübling (Mainz). Insgesamt sind bis zu
sieben Sprachwissenschaftler daran beteiligt.

Das Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Konrad Kunze und Damaris Nübling, Hrsg.: 'Deutscher Familiennamenatlas.'
Bd. 4: Familiennamen nach Herkunft und Wohnstätte.
De Gruyter, 1050 Seiten mit 439 Karten, 299 Euro.


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