Natangen - eine Landschaft in Ostpreußen.

Natangen - eine Landschaft in Ostpreußen.

Beitragvon -sd- » 20.05.2016, 11:42

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Natangen - eine Landschaft in Ostpreußen:
http://www.natangen.de/

Friedhöfe und Gräber in Natangen:
http://www.natangen.de/index.html
http://www.natangen.de/inschriften.htm


Quelle: Natangen - eine Landschaft in Ostpreußen.
Ein Gemeinschaftsprojekt von Maarten Dietrich Gutt,
Krakau, und Irmi Gegner-Sünkler, Oldenburg (Oldb.)

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625 Jahre Landsberg.
Wechselvolle Schicksale einer kleinen ostpreußischen Stadt.


Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1935, konnte das ostpreußische
Landsberg das 600-jährige Stadtjubiläum begehen. Nämlich am Tage der heiligen
Agathe (5. Februar) 1335 verlieh der um die Besiedlung der Komturei sehr verdiente
Komtur von Balga, Heinrich Muro, dem Ort durch eine Handfeste das Stadtrecht.

Landsberg war nur eine befestigte Stadt mit zwei Toren, dem Ober- und dem
Hohentor. Eine Ordensritterbesatzung hat die Ortschaft nie gehabt.

Die ersten Jahrzehnte nach der Gründung mögen wohl ruhig dahingeflossen sein.
Aber die damalige Zeit war hart und rau. Auf fahlem Roß ritt Not und Tod durch
die Heimat, und Landsberg wurde auch nicht verschont. Nach der Schlacht bei
Tannenberg 1410 ergossen sich die polnischen Horden auch über das Gebiet um
Landsberg. Allein in dem kleinen Landsberg wurden nach dem 'Schadenbuch' 54
Bewohner getötet oder verschleppt.

Das unheilvolle Wirken des Preußischen Städtebunds brachte nach 40 Jahren wieder
schweres Leid. Ein Bericht aus dem Jahre 1466 zählt die Städte und Schlösser auf,
die im 13-jährigen Kriege "vorderbet und vorbrannet sind"; darunter auch Landsberg.

Nach diesem Krieg hörte Landsberg auf, Ordensstadt zu sein. Am 20. Februar 1482
verlieh der Hochmeister Martin Truchseß dem Söldnerführer Niklis Taubenheim
einige Dörfer, dazu den Raum in der Stadt Landsberg und freie Fischerei im Mühlen-
und Töpferteich. Somit war Landsberg Lehnsstadt geworden.

Die Nachtstunden des 4. April 1655 sind wohl mit die furchtbarsten gewesen, die je
Bürger von Landsberg durchlebt haben. In dieser Nacht brannte die ganze Innenstadt
in wenigen Stunden ab. Kirche, Pfarrhaus, Schule, Rathaus und alle Häuser in der
Stadt brannten ab, nur die Vorstadt und die Scheunen blieben stehen. Manche Stadt-
einwohner konnten kaum das nackte Leben retten. Hab und Gut wurden ein Raub
der Flammen. Die Kunde von dem Unglück der Stadt erweckte nah und fern, große
Anteilnahme. Die reichen Hansestädte, Danzig und Elbing besonders, nahmen sich
der Not an und schickten reiche Hilfsmittel. Auch die Lehnsherrschaft half tatkräftig.

Immer wieder wurde im Laufe der Jahrhunderte Landsberg von großen Feuers-
brunsten betroffen. Im Jahre 1769 müssen zwei gewaltige Brände den Ort heim-
gesucht haben. Damals war Landsberg Garnisonstadt zweier Kompanien des ältesten
preußischen Regiments (nachmals 4. Grenadiere). Die Soldaten waren gerade im
Manöver, als die Stadt brannte. Friedrich der Große befahl aber, daß, wenn die Stadt
„völlig retablieret sey", Landsberg wieder Garnison werde.

Im Jahre 1802 brannten 6 Häuser, 65 Scheunen und die Mühle nieder; 1804 vor dem
Hohen Tore 43 Scheunen. Im Oktober 1831 brannten diese 43 neuerbauten Scheunen
mit der ganzen ungedroschenen Ernte wieder ab. Im Dezember entstand ein Groß-
feuer am Töpferteich, dem 16 Scheunen mit allen Vorräten zum Opfer fielen. Noch-
mals wurden die Scheunen und Ställe vor dem Hohen Tor im August 1867 ein Raub
der Flammen, 17 Gebäude mit Vieh verbrannten. Das letzte große Schadenfeuer des
19. Jahrhunderts war im Juni 1866 vor dem Mühlentor. In wenigen Stunden waren
24 Scheunen und Wohnhäuser zerstört.

Aber nicht nur das Feuer vernichtete so oft den Wohlstand der Stadt, sondern ein noch
grausamerer Feind der Menschheit überfiel das friedliche Städtchen: die Pest, die 1602
und 1710 besonders stark wütete. Im Pestjahr 1710 standen 169 Häuser vollkommen
leer. Die Chronik sagt: „Es starben fast alle Einwohner. Das Unglücksjahr 1806 hatte
durch die russischen und französischen Truppenbesatzungen Hunger und Elend im Ge-
folge. Pfarrer Kob, der damalige Ortsgeistliche sagt: „Schweres hast du, liebes Lands-
berg, durchgemacht, doch nie haben dir diese Schickungen den Lebensmut gebrochen !"

Mit dem Schicksal Landsbergs ist allezeit, das „Hospital zum Heiligen Geist" verbunden
gewesen. Das Hospital ist um 1367 gegründet, und zwar aller Wahrscheinlichkeit von
dem Pfarrer Nicolass, der im Jahre 1367 vom Orden Zandersdorf erwarb und es dem
Hospital schenkte. Dann kam Zandersdorf durch Verleihung um 1461 in den Privatbesitz
des Pfarrers Caspar Boteke. Als er starb, wurde Zandersdorf durch den Herzog wieder
dem Hospital zurückgegeben. Um 1540 wußte man nicht mehr, wie das Dorf eigentlich
Hospitalslehen geworden war. In der Mitte des 17. Jahrhunderts erhielten es die Wald-
burger verliehen, die gleichzeitig auch die Unterhaltung des Hospitals übernahmen. Zum
Hospital, das unter der Lehnsherrschaft der Reichsgrafen Schwerin neu erbaut wurde,
kam auch das Gut Schönwiese für einige Zeit.

Die ersten Nachrichten über die Kirche stammen aus dem Jahre 1367, in welchem das
Gotteshaus bereits bestand. Obwohl das Aussehen des Baues im Laufe der Jahrhunderte
sich gewandelt hat, ist der Grundriß immer derselbe geblieben. Seit 1569 war das
Gotteshaus eine sogenannte Patronatskirche. Patrone waren die Lehnherren der Stadt.
Der erste Patron war Hans Jakob von Waldburg.

Eins der interessantesten Bauwerke, welches sich bis in die jüngste Zeit erhalten hatte,
war die Ordensmühle, die in den Urkunden seit 1412 verzeichnet ist. Aus der Wilden-
hoffer Jahresrechnung erfahren wir interessante Einzelheiten über den Betrieb. Sie
hat drei Gänge und ist oberschlägig gebaut. Der Müller erhält die sechste Metze und
muß jährlich so viele Schweine mästen als er kann. Auf je fünf Stück kann er ein
sechstes für sich mästen. Um die Mühle hat sich ein langer Streit entfacht, der
hundert Jahre lang währte. Im Jahre 1808 kam sie in Erbpacht und ging schließlich
in Privateigentum über.

Bei dem allgemeinen Aufstieg, der sich nach den drei großen Einigungskriegen in
Deutschland bemerkbar machte, blühte auch die kleine Stadt im Stablack auf. Selbst
nach dem Russeneinfall im Jahre 1914 mit seinen Zerstörungen erholte sich auch
Landsberg wieder sehr schnell.

Erst die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 wirkten verheerend
auf das einst so friedliche Städtchen. Wie überall in den Gebieten jenseits der Oder-
Neiße-Linie haben auch hier die eindringenden Truppen furchtbar gehaust. Nach dem
Willen der russischen Machthaber wurde unweit von Landsberg die Grenze zwischen
Sowjetbesatzung und polnischer Verwaltung gezogen; Landsberg liegt also heute im
polnisch verwalteten Teil der Heimat und gehört zur sogenannten Wojewodschaft
Allenstein. Hermann Bink

Quelle: OSTPREUSSEN-WARTE, Februar 1960

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