Über Leichenpredigten.

Bestände und Dienstleistungen.

Über Leichenpredigten.

Beitragvon -sd- » 29.11.2013, 23:42

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Die Philipps-Universität Marburg (Lahn) führt eine Datenbank mit Leichenpredigten.
Hier der Link:

http://www.uni-marburg.de/fpmr

http://online-media.uni-marburg.de/fpmr


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Was sind Leichenpredigten und was beinhalten sie ?
http://www.personalschriften.de/leichenpredigten.html


Die Leichenpredigten gehören zur Gattung der Personalschriften, also den Schriften, die zu Geburts-
tagen, Taufen, Verlobungen, Hochzeiten, Amtseinführungen, Jubiläen und zum Tod eines Menschen
verfaßt und häufig auch gedruckt wurden.

In dieser Rubrik finden Sie nähere Informationen zu der Quellengattung "Leichenpredigt".
Unter anderem präsentieren wir in unserer Artikelserie "Leben in Leichenpredigten" jeden Monat
ein anschauliches Beispiel aus den Auswertungen der Forschungsstelle für Personalschriften.

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Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg:
http://www.personalschriften.de/forschungsstelle.html


Die 1976 gegründete Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg
ist seit 1984 eine Arbeitsstelle der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Ihre Haupt-
aufgabe war bis 2005 die Katalogisierung der Leichenpredigten-Bestände in Hessen und Schlesien.
Seit 2006 ist Thüringen der neue Arbeitsschwerpunkt. Außerdem hat sie mehrere Datenbanken ins
Netz gestellt, die fortlaufend aktualisiert werden und in denen u.a. nach Namen, Orten und Berufen
recherchiert werden kann.

1991 wurde die Dependance Forschungsstelle für Personalschriften an der Technischen Universität
Dresden eingerichtet. Bis zum Projektende 2010 katalogisierte sie sächsische Leichenpredigten-
Bestände. Darüber hinaus führte sie eine Umfrage zu Leichenpredigten-Beständen in den neuen
Bundesländern durch, deren Ergebnisse auf dieser Website publiziert sind.

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Über Leichenpredigten.

Beitragvon -sd- » 04.04.2015, 18:05

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Bekanntlich ist eine der wichtigsten Quellen für die Familiengeschichte
des 17. Jahrhunderts die Leichenpredigt. Bald nach der Reformation
wurde es in evangelischen Kreisen üblich, Leichenpredigten mit dem
Lebenslauf des Verstorbenen zu halten und seit Mitte des 16. Jahrhunderts
auch schon vereinzelt drucken zu lassen. In der Regel wurden Leichen-
predigten nur auf Angehörige der mittleren und höheren Stände gedruckt,
weil die Drucklegung kostspielig war, da sie in kleiner Auflage erfolgte,
um den näheren Angehörigen des Verstorbenen eine Erinnerung an ihn
in die Hand zu geben. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Sitte,
Leichenpredigten drucken zu lassen, häufiger und durch das ganze 17.
Jahrhundert und die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts war sie in höher
stehenden Kreisen allgemein üblich. Nur in der Zeit des 30jährigen
Krieges läßt sich aus leicht begreiflichen Gründen ein Rückgang fest-
stellen. Von einzelnen berühmten Geistlichen sind auch Leichenpredigten
in gedruckten Sammlungen von Kasualpredigten vorhanden.

Die Sitte, Leichenpredigten drucken zu lassen, war meist nur in den
evangelischen Gegenden Deutschlands üblich. Die katholische Kirche
duldete Leichenpredigten nur ungern. Trotzdem sind aber auch aus einzelnen
katholischen und Gegenden konfessionell gemischter Bevölkerung katho-
lische Leichenpredigten vorhanden, z.B. in der Stadtbibliothek Augsburg
['Augsburger Leichenpredigten'. vgl. Zapf 'Augsburger Bibliothek' 1795,
1. Band, S. 202 - 539]. Ferner waren im katholischen Polen im 17. und
18. Jahrhundert Leichenpredigten sehr an der Tagesordnung
(vgl. Estreicher 'Bibliografia polska'). Die meisten Leichenpredigten über
Angehörige polnischer Familien befinden sich im Ossolineum in Lemberg
und in der Jagollonischen Bibliothek in Krakau. In manchen Gegenden,
z.B. im Hannoverschen, war es noch bis in die neueste Zeit üblich, bei
der Leichenfeier einen Lebenslauf des Verstorbenen zu verlesen. Daß
diese Sitte auch anderwärts noch weiter üblich war, nachdem schon das
Zeitalter der gedruckten Leichenpredigten endgültig vorbei war, beweist
die Herausgabe des nachfolgenden benannten Buches: 'Not- und Hülfs-
büchlein für Schuldiener auf dem Lande, welche in Abfassung der gewöhn-
lichen Lebensläufe, so nach gehaltenen Leichenpredigten pflegen abgelesen
zu werden, nicht allzu geübt sind, auf Verlangen herausgegeben von
Friedrich Wilhelm Baumelburg, Pastor zu Reurieth und Beinerstadt.
Hildburghausen, 1796.'

Eine große Sammlung handschriftlicher Lebensläufe fast aller bedeutenderen
Herrnhuter befindet sich im Archiv der Brüdergemeine zu Herrnhut, da die
Glieder der Gemeine verpflichtet waren, selbst ihren Lebenslauf zu schildern,
doch sind dies eigentlich keine Leichenpredigten.

Im Zeitalter der Aufklärung, um die Mitte des 18. Jahrhunderts, hörte die
Sitte allmählich auf, Leichenpredigten drucken zu lassen. Verschiedentlich
waren daran auch obrigkeitliche Verbote schuld, die diesem Luxus steuern
zu müssen glaubten. An Stelle der gedruckten Predigten traten damals schon
vielfach die gedruckten Todesanzeigen, sogenannte Notifikationen des Todes.

Quelle:
Einführungsseite zu einer 18seitigen Broschüre
zum Thema 'Über Leichenpredigten' von Werner Konstantin von Arnswaldt.
Leipzig 1926.

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Gesamtkatalog deutschsprachiger Leichenpredigten (GESA).

Beitragvon -sd- » 12.04.2015, 21:57

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Gesamtkatalog deutschsprachiger Leichenpredigten (GESA):
http://www.personalschriften.de/datenbanken/gesa.html


GESA ist ein GESAmtkatalog, der sämtliche der Forschungsstelle für Personal-
schriften bekannte, in Bibliotheken und Archiven verzeichnete Leichenpredigten
erschließt. Bislang wurden 211.364 Datensätze erfaßt
.

Im Gegensatz zu den Katalogen der 'Marburger Personalschriften-Forschungen'
enthält GESA nur die wichtigsten Daten. Außerdem werden auch ältere und
neuere Kataloge, die nicht von der Forschungsstelle publiziert wurden, in die
Datenbank aufgenommen.

Von Leichenpredigten aus Sammlungen, die in der Forschungsstelle für
Personalschriften auf Mikrofilm vorliegen, können Reader-Printer-Kopien
zur Verfügung gestellt werden. Diese Sammlungen sind in der Übersicht
'Erfasste Kataloge' durch den Zusatz 'Kopien erhältlich' ausgewiesen.

Quelle:
Forschungsstelle für Personalschriften.
Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz.
http://www.personalschriften.de/datenbanken/gesa.html

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