Einkommensverhältnisse im 19. Jahrhundert.

u.a. Löhne / Preise - Lebenshaltungskosten.

Einkommensverhältnisse im 19. Jahrhundert.

Beitragvon -sd- » 08.05.2016, 11:37

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Der nachfolgende Text aus einer Diplom-Arbeit beschäftigt sich im Zusammenhang
mit dem Ehrensold, den Karl Ludwig HENCKE
(* 08.04.1793 in Driesen, Kreis Friedeberg Nm. + 21.09.1866 in Marienwerder)
für seine Entdeckungen erhielt, mit den damaligen Einkommen.


"Bis zur nächsten Entdeckung nach (4) Vesta, der von (5) Astraea durch den in der
Kreisstadt Friedeberg (Neumark) in Brandenburg wirkenden und aus dem benach-
barten Driesen (heute Strzelce Krajenskie bzw. Drezdenko im gleichnamigen Kreis,
Woiwodschaft Lebus) stammenden Amateurastronomen und Postbeamten
Karl Ludwig Hencke, vergingen dann über 38 Jahre.

Hencke hatte sich von der etablierten Auffassung in seiner zwanzigjährigen Suche
nicht entmutigen lassen. Im Folgejahr wurde Neptun gefunden wie berechnet, und
im Jahr darauf gleich drei neue Kleine Planeten, darunter Henckes zweiter Fund (6)
Hebe, für den er vom König von Preußen mit einem jährlichen Ehrensold von 1200
Goldmark ausgezeichnet wurde - mit der späteren Umrechnung in 0.43 kg Feingold
nach dem heutigen Goldwert zwar nur etwa 6500 €, aber damals das fünffache des
mittleren jährlichen Volkseinkommens in Preußen 1849 von ca. 250 Mark, oder nach
den damaligen Löhnen fast zweieinhalb mittlere Jahreseinkommen. Das eines voll-
beschäftigten Arbeiters lag 1849 bei 168 Talern oder 504 Mark, bei den durchschnitt-
lichen 82.5 Wochenstunden über 52 Wochen pro Jahr - oder bei den im Textilgewerbe
üblichen 90 in der Fabrik, oder bei bis zu 125 Wochenstunden in kombinierter
Werkstatt- und Heimarbeit, d.h. sonntags nur 17 Stunden statt den 18 werktäglichen -
ohne jeglichen Urlaubsanspruch. Der Mindestbedarf einer fünfköpfigen Arbeiterfamilie
wurde im selben Jahr zu 215 Taler oder 645 Mark errechnet. Ein gut bestellter Lehrer
erhielt mit zwei Nebenverdienststellen in den 1840er Jahren gut 180 Taler oder 540
Mark ausschließlich (!) in Form landwirtschaftlicher Sachleistungen und Gartenflächen-
nutzungsrechte; daher die anfängliche Redewendung.

Nach der Arbeitszeit und den heutigen Gepflogenheiten bei 37.5 Arbeitswochenstunden
über effektiv gut 31 Jahresarbeitswochen entspräche der Ehrensold also einer steuer-
freien jährlichen Prämie von mindestens 180.000 €, die Hencke, als Freiwilliger in den
Befreiungskriegen am 02.05.1813 bei Großgörschen schwer verwundet und seit 1837
im Ruhestand, noch über 19 Jahre bis zu seinem Tode 1866 erhielt."

Quelle: Diplom-Arbeit von Jan Thimo Grundmann
lib.dlr.de/72603/1/P206_Grundmann_ref48_DA.PDF

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Freundlicherweise mitgeteilt von Hans-Dieter Zemke, Kornwestheim.
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