Ostpreußisches Bauernleben im 19. Jahrhundert.

u.a. Löhne / Preise - Lebenshaltungskosten.

Ostpreußisches Bauernleben im 19. Jahrhundert.

Beitragvon -sd- » 07.07.2019, 20:04

----------------------------------------------------------------------------------------

Billiges Leben: Eine Gans für 70 Pfennig !

Um 1838 war eine sehr billige Zeit. Den Scheffel Kartoffeln kaufte man
für 40 bis 50 Pfennige nach heutigem Gelde (— geschrieben 1868 —),
den Scheffel Roggen für 2 bis 2,50 M., die Gerste für 1,20 bis 1,50 M.,
den Hafer für 1,00 bis 1,20 M.; ein Mandel Eier für 10 Pf., 1 Pfund
Butter für 25 Pf., eine Gans für 70 bis 80 Pf., ein Pfund Rindfleisch
für 10 bis 15 Pf., Schweinefleisch bis 20 Pf., Schaffleisch 8 bis 12 Pf.,
Kalbfleisch 5 Pfennig.

Die Teuerung kommt !

Die billige Zeit dauerte bis zum Jahre 1844 (von 1838 ab). Dieses war
ein sehr, sehr nasses Jahr. Auf niedrig liegenden Feldern ragten die
Roggenähren aus dem Wasser hervor. Das Futter war verdorben, der
Roggen mußte garbenweise vom Acker heruntergetragen werden. Die
Kartoffeln verdarben alle. Von diesem Jahre ab verdarb die Kartoffel
auf dem Felde jährlich. 1845 wurde nun ein sehr knappes, teures Jahr.
Der Roggen kostete über 12, der Weizen über 15 Mark. Die Teuerung
wurde begünstigt durch die mangelhaften Straßen. Das Getreide mußte
erst auf Schiffen nach Königsberg kommen und von da per Achse geholt
werden. Die Teuerung hielt sich ziemlich bis nach dem Revolutionsjahr
1848.

Da kam wieder ein sehr billiges Jahr: 1849: Roggen 2,60 bis 2,70 Mark.
Die fünfziger Jahre brachten reiche Ernten und hohe Preise; die Bedürf-
nisse mehrten sich; die Besitzungen wurden teurer. Die Besitzer wurden
reiche Leute, welche ihr Grundstück umsonst angenommen hatten.
Markienen, 27 Hufen mit Vorwerk, wurde im Jahre 1863 vom Major
von Berg mit 405.000 Mark bezahlt. 1867 war wieder einmal ein un-
fruchtbares Jahr, sehr naß; 1 Scheffel Roggen wog 70 bis 72 Pfund;
dabei lieferte er das vier- bis fünffache Korn; aber das änderte nichts;
die Güter blieben teuer ! Der Besitzer Mellere aus Glommen verkaufte
seine halbe Hufe für 9.000 Mark und kaufte sich in Klein-Kärthen eine
Hufe und zahlte 18.000 Mark.

Quelle:
Von Grützwurst und Erbsen vom „Schaff“ und „Schibber“.
Das Ostpreußische Bauernleben im 19. Jahrhundert. Von Paul Kluke

In: Ostpreußen-Warte, Juli 1954

----------------------------------------------------------------------------------------
Benutzeravatar
-sd-
Site Admin
 
Beiträge: 3912
Registriert: 05.01.2007, 16:50

Zurück zu Lebenshaltungskosten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

cron