Vertreibung aus der Salzburger Heimat.

Vertreibung aus der Salzburger Heimat.

Beitragvon -sd- » 16.04.2010, 13:40

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Salzburger Emigranten aus dem Pinzgau.

20.000 Protestanten wurden aus Salzburg vertrieben. Zum 275. Jahrestag dokumentierte
eine Ausstellung in Leogang die Ereignisse.

Am 11. November 1731 wurde von allen Salzburger Kanzeln das Emigrationspatent verlesen.
Der Inhalt: Innerhalb von 14 Tagen hatten sämtliche Protestanten das Erzbistum zu verlassen.
Rund 20.000 Menschen waren betroffen. Sie machten sich zu Fuß auf den Weg in protestantische
Teile Deutschlands. Weihnachten 1731 verbrachten sie im bayrischen Kaufbeuren.

Im Februar 1732 erhielten die Salzburger ein Angebot des preußischen Königs, sich in Ostpreußen
anzusiedeln. Dort war das Land durch die Pest entvölkert. Viele erreichten Ostpreußen aber nie,
weil sie vorher auf der strapaziösen Reise verstarben oder auf dem Weg durch Süddeutschland
Arbeit fanden und blieben. Erst 1966 hat sich der damalige Salzburger Erzbischof Andreas
Rohracher entschuldigt.

Das Bergbaumuseum Leogang zeigte gemeinsam mit dem Landesarchiv eine Sonderausstellung
zu den Geschehnissen. Der Standort Leogang war nicht zufällig. Die alte Bergbaugemeinde im
Pinzgau war ein Zentrum der Protestanten. "Viele Knappen wurden in Mitteldeutschland ausge-
bildet und haben von dort den Protestantismus mitgebracht", erzählte Museumskustos Hermann
Mayrhofer. Auch die Knappen vom Halleiner Dürrnberg waren fast durchwegs Protestanten.

Auf dem Leoganger Hoyer-Hof wurden vor der Vertreibung heimlich protestantische Messen
gelesen. 200 von rund 1.500 Leogangern mußten 1731 ihre Heimat verlassen. Die fehlenden
Arbeitskräfte im Bergbau wurden durch deutsche Katholiken ersetzt. Sie brauchten eine
Bestätigung ihres Bischofs, damit sie nach Salzburg durften.

Ein Großteil der Vertriebenen waren arme Bauern aus dem Pongau und Pinzgau. "Die meisten
Höfe, die sie bewirtschafteten, gibt es nicht mehr, weil die Lage so schlecht war", sagte Mayrhofer.

In Ostpreußen gelangten viele zu Wohlstand. Im 2. Weltkrieg mußten die Nachkommen der Salz-
burger aber auch von dort flüchten. Noch heute besuchen ganze Familien auf den Spuren ihrer
Vorfahren deren alte Heimat. "Es kommen jährlich drei bis vier Familien zu mir und fragen, ob ich
ihnen helfen kann", sagte Mayrhofer, der seit 40 Jahren im Gemeindeamt arbeitet.

Die Ausstellung fand vom 26. Mai bis 29. Oktober 2006 statt.

Quelle: Salzburger Nachrichten, 23. Mai 2006

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