Stadtplan von Königsberg i. Pr. 1930.

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Stadtplan von Königsberg i. Pr. 1930.

Beitragvon -sd- » 17.10.2016, 06:50

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Stadtplan von Königsberg i. Pr.:
http://www.castlesofpoland.com/prusy/krol_map_de.htm


Die hier gezeigten Karten stammen aus der Sammlung von
Marek Januszewski, der hofft, daß ihm andere Sammler/innen
mit Vorschlägen, Kommentaren und Scans behilflich sein können.

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Was wir lieben, ist geblieben.
Friedhöfe, Kirchhöfe und Gräber in Königsberg.
Von Karl Herbert Kühn

Die christlichen Kirchen haben die Tage, an denen sie im Besonderen der
Toten gedenken, in den November gelegt, in den Monat der Nebel, in dem die
sichtbare Welt zu versinken scheint und der Mensch, der noch nachdenkt, in
sein Inneres einkehrt. Dort hält er auch mit denen, die im Leben ihm nahe,
die ihm lieb waren, Zwiesprache. Und er wandert gerade dann zu den Stätten
der Stille, an denen sie nun ruhn. Wir, die wir die Heimat verloren haben,
können diesen Weg freilich nur in Gedanken gehn. Die Gräber, die wir suchen,
liegen nun zu fern. Und wer weiß — es ist bitter, darum wissen zu müssen —,
wer weiß, ob sie heute auch zu finden noch wären. Als die Russen Königsberg
beschossen, im Jahre 1945, zerwühlten die Granaten auch die Äcker der Toten,
und auf vielen der Friedhöfe sahn die Augen nichts anderes als Trichter bei
Trichter, wie uns die dann berichteten, die damals noch einmal zu den
Gräbern der Ihren zu gelangen versuchten.

Vor dem Königstor.

Man mußte in unseren Tagen auch in Königsberg "vor die Tore" gehn, suchte
man die Ruhestatt eines Abgeschiedenen auf. Vor dem Sackheimer Tor, zur
Linken der Chaussee, die nach Tapiau führte, schliefen Soldaten ihren
letzten Schlaf. Dort befanden sich der katholische und der neue evangelische
Friedhof der Garnison. Wohl die bekannteste Straße, die sich zwischen
Friedhöfen hinzog, war indessen doch die, die am Königstor begann, die
"Königsallee", wie sie eine Zeitlang hieß. Im Glacis, das sich dort hinter
dem Festungsgraben erstreckte, entdeckte man, gleich vorn, schon nach
wenigen Schritten mitten im Rasen unter den alten Bäumen einige steinerne
Grabplatten, deren Namen verrieten, dass hier Männer begraben wurden,
die vor hundert und mehr Jahren in der Geschichte der Stadt eine Rolle
gespielt hatten. Einer von ihnen war Heidemann, ein früherer Oberbürger-
meister von Königsberg.

Doch zur Rechten der Allee eröffnete sogleich der erste Sackheimer Friedhof
die lange Reihe der großen, geräumigen Gärten mit ihren zahllosen Gräber-
reihen. Sie lagen Zaun an Zaun, einer schloß sich an den anderen an, die
reformierten Friedhöfe (einer von ihnen war der französisch-reformierte),
der alte evangelische Militär- und der katholische zivile Friedhof, der Fried-
hof des Löbenicht und der zweite des Sackheim. Gegenüber, auf der anderen
Seite der Allee, breiteten sich weit die Gräbergärten aus, die nun zu der
Kirche des alten Roßgartens gehörten. Hinter ihnen, schon grenzend an das
Gelände von Carolinenhof, auf dem die Pferderennen geritten wurden, lag,
zur Seite des Fahr- und des Reitweges durch das Glacis, der alte jüdische
Friedhof.

Weiterhin, die Allee entlang, und nun hier nur zur Linken noch rückte man
die Anlagen für die neueren Friedhöfe ein gutes Stück von der Straße weg,
hinter private, kleine Nutzgärten, schon Vorläufer der Schrebergärten; auch
Gärtnereibetriebe sah man hier. Es ergab sich auf der langen, sich windenden
Allee, die bei dem Königstor begann, zumal an Sonntagen im Sommer ein
seltsames Bild: vor den Toren der Friedhöfe die kleinen, hölzernen, grün
angestrichenen Buden mit Blumen und Kränzen, die für die Gräber bestimmt
waren; in den Gärten des Café Sprind, des "Ludwigshofs" (später als "Tivoli"
bekannt), der "Königshöh" an der Ecke zu der Fürst-Radziwill-Straße, die zur
Kaserne der ersten Pioniere hinaufstieg, der "Villa Schweizertal" gegenüber
dem hügeligen Kleistpark und anderer "Etablissements", die mit bunten
Tischtüchern gedeckten Tische, an ihnen die Familien, die ihren in kleinen
Tüten schon gemahlenen mitgebrachten Kaffee hier sich aufbrühen ließen.

Zwischen Pillauer Landstraße und Veilchenberg.

Vor dem Roßgärter Tor, an der Chaussee Allee, umgab den Rundbau des
Krematoriums der weitläufige Gemeindefriedhof, den die Stadtverwaltung
betreute. Auf ihm kannte man keine Unterschiede nach der Konfession der
hier Begrabenen, eine, menschlich gesehen, ideale Einstellung. Ein weites
Friedhofsgelände erfüllte den Raum zwischen der Pillauer Landstraße und
der Höhe des Veilchenberges, sich auf der anderen Seite der stillen Straße
vor und hinter dem Park Luisenwahl noch fortsetzend. Hier wurde die ernste,
verhaltene Stimmung, die von Gräbern herüberweht, durch keine Kaffee-
gärten unterbrochen (bis auf das eine Etablissement, die "Neue Welt", die
sich später dann "Tusculum" nannte). Die Luisenkirche, die vor dem Anfang
des Hammerwegs stand, begleitete mit ihrem Geläut die Toten ihrer Gemein-
de zu ihren beiden Friedhöfen hin, die an eben diesem Hammerwege, vor
und hinter dem Hammerkrug und der Kunstakademie, lagen. Zur Rechten
der Steffeckstraße, die von der Lovis-Corinth-Straße zu dem Prussia-Samland-
Sportplatz ging, erblickte man den neuen jüdischen Friedhof. Auch an der
Berliner Chaussee, vor unserem Brandenburger Tor, fand man zur Seite des
hier rastlosen Wagenverkehrs stille, besinnliche Gärten der Toten.

In früheren Zeiten (in den frühesten, muß man sagen), legte man auch in
später dann großen Städten die Toten um die Kirche, zu der sie als Lebende
gingen, in die Erde. Sie schliefen auf dem Kirchhof. In unseren Tagen war
zum Beispiel von dem ältesten Friedhof, dem Kirchhof des Doms, noch nicht
einmal der Rasen geblieben. Es grünten dort nur schöne, still duftende
Linden. Doch gab es bis zuletzt auch innerhalb der alten Stadt, auch in
Königsberg noch Gräber aus vergangener Zeit: in dem unteren Volkspark
zu Füßen der Sternwarte, — zwischen dem Alten Garten und dem oberen
Haberberg zu dem Brandenburger Tor hin; und um eine der alten, der be-
kanntesten Kirchen blieb ein Kirchhof erhalten: um die Haberberger Kirche,
auf deren Turm, der von der Sohle bis zur Spitze nicht weniger als 77 Meter
maß, ein vergoldeter Engel eine vergoldete Trompete hob.

In der äußeren Mauer dieses Haberberger Kirchhofs steckte eine Kanonen-
kugel, in deren Umschrift man las: "Erinnerung an das französische Bombar-
dement am 14. Juni 1807". Die französischen Batterien, die auf Königsberg
schossen, standen damals bei Rosenau. An einer Stelle dieses Kirchhofs, die
freilich nicht mehr bekannt war, lagen auch die Gebeine der drei Räte des
Herzogs Albrecht, des ersten preußischen Herzogs (Schnelle und Horst und
des Hofpredigers Funcke), die 1566, gegen den Willen des Herzogs, wegen
ihrer Verbindung mit dem kroatischen Abenteurer Scalichius (Skalich) hinge-
richtet wurden.

Außerhalb der "alten" Stadt, in Juditten und Quednau, ruhten die Toten noch
immer im Schatten der Mauern ihrer Kirche. Zumal den Juditter Kirchhof, der
hügelig anstieg, durchspann eine Stimmung von seltenem Hauch.

Familiengrüfte auf dem oberen Haberberg.

Es gab auf manchem der Friedhöfe noch kleine Mausoleen, so auf dem alten
Friedhof der Luisengemeinde. Doch ruhten auch Tote in gemauerten Grüften
besonderer Art. Ist die Fürstengruft im Dom wohl allen Königsbergern noch
bekannt, so werden doch nicht alle um die Familiengrüfte wissen, die auf den
alten Friedhöfen zwischen dem Alten Garten und dem oberen Haberberg
zuweilen, sehr selten, noch Nachkommen alter Königsberger Familien aufge-
nommen haben. Diese Grüfte bedeckten statt des Hügels oder Rasens zwei
einfache, schwere, eiserne Platten mit eisernen Ringen, die eine neben der
anderen. Sollte dann ein Sarg in die Gruft hinunter, so klappte man zuvor
die Platten auseinander, als läge da ein Schrank.

Zwei Stellen, an denen Tote mit bekanntesten Namen in ihren Särgen schlafen,
mitten in der Stadt, dürfen hier nicht übergangen werden. Wohl weiß jeder um
das Grabmal des Immanuel Kant an der Nordseite des Doms. Doch wer beach-
tete schon viel den steinernen Würfel, der im Hintergrund des Kaiser-Wilhelm-
Platzes, überschattet von Bäumen, stand. Hier befand sich bis zu ihrem Abbruch
der Altar der früheren Altstädtischen Kirche. Vor ihn hat man Hans Luther bestat-
tet, einen Sohn des Reformators, der auf einer Reise in Königsberg starb.

Alte Königsberger erinnern sich gewiß noch des Kirchhofs der Altroßgärter
Kirche (an der Altroßgärter Kirchenstraße). Neben der Kirche sprang früher
der "Heilige Brunnen", wie der Volksmund ihn nannte. Seinem Wasser, so sagte
man, war Heilkraft gegeben. Das wollte sich eine Eigentümerin des Brunnens
zunutze machen. Sie forderte von jedem, der sich das Heilwasser holen oder
es vom Brunnen weg trinken wollte, zuvor eine Gebühr. Von Stund an, so be-
richtet die Sage, verlor das Wasser seine Kraft zu heilen.

Den Kirchhof dieser Kirche, der Altroßgärter also, der schon vielfach um seiner
herrlichen Linden willen besungen wurde, rühmte ein Dichter um die Mitte
des 18. Jahrhunderts also: Der schöne Kirchhof stellt im hellen Sommer mir /
den auserlesensten von allen Gärten für.

Bis zu den Pregelbrücken getragen.

Interessant ist gewiß eine Königsberger Polizeiverordnung aus dem Jahre 1698.
Sie bestimmte, daß bei Begräbnissen außer Verwandten und nächsten Freunden
nicht mehr als zwanzig Männer und zwanzig Frauen zum Gefolge hinter dem
Sarge eingeladen werden durften. Auch sollten die Hinterbliebenen nicht zu
lange durch Jungfrauen bemitleidet werden, da sonst die leidtragenden Frauen
von den Bekannten im Sterbehause noch immer festgehalten würden, wenn
die Männer schon vom Friedhof kämen. Die Frauen sollten den Männern unver-
züglich folgen, auf daß denn die Begräbnisse nicht einen halben Tag lang dauer-
ten, und die singenden Schüler, die Pauperhaus- oder die Kurrendeschüler, in
dieser Zeit nicht viel zu versäumen hätten

Die Toten wurden früher — auch in den drei Städten von Königsberg — zum
Friedhof nicht gefahren, sie wurden getragen. Selbst die Mitglieder des reichen
kneiphöfischen Junkerhofs erwiesen ihren Mitjunkern diesen letzten Dienst,
nach einer späteren Ordnung aus dem Jahre 1614 allerdings nur bis zur Brücke;
dann traten für den Rest des unbequemen Weges gemietete Träger an ihre Stelle.

Quelle: OSTPREUSSENBLATT, 24. November 1956

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